Bei dem Anschlag auf ein internationales Hotel in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist auch eine Deutsche gestorben. Dies teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin mit. Die Angehörigen würden informiert. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich bei der Toten um eine Mitarbeiterin einer internationalen Hilfsorganisation. Wie die Sprecherin des Ministeriums weiter mitteilte, gibt es keine Hinweise auf andere deutsche Verletzte.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière verurteilte den Angriff. Er sprach in Berlin von einer "feigen und widerwärtigen Attacke" und kündigte an, Deutschland und die internationale Gemeinschaft würden Afghanistan weiter beim Kampf gegen radikale Kräfte unterstützen.

Aufständische hatten das Hotel Intercontinental in der afghanischen Hauptstadt am Samstagabend angegriffen, bewaffnet mit Kalaschnikows und Sprengstoffgürteln. Der Angriff dauerte mehr als zwölf Stunden. 

Die afghanischen Behörden bezifferten die Anzahl der Toten zuletzt auf 20. Ein verletzter Afghane sei in der Nacht gestorben, sagte ein Sprecher des Innenministeriums, Nasrat Rahimi. Außerdem seien alle sechs Angreifer getötet worden. Die Zahl der bisher als Ausländer identifizierten Toten liege weiterhin bei 14, sagte Rahimi. Es könne aber noch dauern, bis alle identifiziert seien. Drei hätten keine Papiere bei sich gehabt. 

Rahimi korrigierte auch eine Angabe vom Vortag, wonach ein Kirgise getötet worden sei. Der Mann sei Kasache gewesen. Ein Sprecher des kasachischen Außenministeriums, Anuar Zhainakow, bestätigte das über Facebook.

Augenzeugen hatten die Angaben der afghanischen Regierung am Sonntag als untertrieben kritisiert. Afghanischen Regierungssprechern wurde schon in der Vergangenheit vorgeworfen, Opferzahlen für die Öffentlichkeit kleinzuhalten. So blieben auch am Montag Lücken und Diskrepanzen in den Angaben der Behörden. So sollen neun Ukrainer getötet worden sein. Die ukrainische Regierung hatte am Sonntag lediglich sechs bestätigt. Für zwei tote Venezolaner gab es am Montag noch keine offizielle Bestätigung. Ein für tot erklärter griechischer Pilot rief am Montagmorgen den griechischen TV-Sender Skai an und beschrieb, wie er sich vor den Angreifern in seinem Zimmer versteckt hatte.

"Die Waffen waren für die Ausländer"

Der Großteil der Opfer hatte für die afghanische Fluglinie Kam Air gearbeitet, die das Hotel als Basis für internationale Angestellte genutzt hatte. In dem Hotel waren viele Ausländer untergebracht. Nach Angaben von Überlebenden und Sicherheitsvertretern hatten es die Angreifer womöglich gezielt auf sie abgesehen: "Sie wollten nicht die Afghanen töten", sagte ein Sicherheitsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. "Die Waffen und Kugeln waren für die Ausländer." Ein Hotelangestellter sagte AFP: "Sie sagten: 'Tötet die Ausländer!'"

In einem per Mail verbreiteten Bekenntnis reklamierten die radikalislamischen Taliban den Anschlag für sich. Ungeklärt ist noch, wie die Attentäter es schafften, in das auf einem Hügel gelegene und mit mindestens drei Sicherheitsposten geschützte Hotel hineinzukommen.

Die Regierung, die das Hotel besitzt, hatte erst vor Kurzem eine private Firma mit der Sicherung der Anlage beauftragt. Ein Vertreter von Anteilseignern am Hotel, der frühere Leiter der Paschtani-Bank, Ahmed Chesrau, sagte, das Finanzministerium habe als größter Anteilseigner entschieden, die Sicherheitsfirma statt der Polizei zu beauftragen, weil "die Ausländer den afghanischen Sicherheitskräften nicht trauen". Wenn das Hotel mehr ausländische Gäste wolle, müsse man eine private Firma beauftragen.