Ihre Redaktion ist klein, aber ihre Ziele und Träume sind groß. An einem Tisch in Berlin sitzen zehn ausländische Journalisten. Um zu überleben, flüchteten sie vor Krieg und Gewalt. Sie verließen ihre Heimat, um ein neues Leben anzufangen.

Die Nachrichten-Plattform Amal, Berlin! gibt den zehn Journalisten aus Syrien, Afghanistan und aus dem Iran die Chance, in ihrer Muttersprache über Politik, Kultur und Gesellschaft zu berichten. Sie informieren Menschen, die wie sie geflüchtet und in Deutschland Unterschlupf gefunden haben, über die Regierungsbildung im Bundestag ebenso wie über die Demonstrationen im Iran und über die Fashion Week.

Eine der Journalistinnen ist Shah Jahan Ahmadi. Sie hat mehr als zehn Jahre journalistische Erfahrung in einem Land gesammelt, in dem schon lange Zeit Krieg herrscht: Afghanistan. Zehn Journalisten und Medienmitarbeiter wurden dort vergangenes Jahr innerhalb von sechs Monaten getötet, zwölf wurden verletzt.

Ahmadi arbeitete als Dozentin an der Universität und auch in einem Medienzentrum in Masar-i-Sharif. In dieser Stadt in Nord-Afghanistan befindet sich das größte Camp der deutschen Bundeswehr. Die deutschen Isaf-Soldaten berieten und unterstützen das Medienzentrum Bayan Shamal. Das bedeutet "Stimme des Nordens". Die afghanischen Journalisten informieren die Bevölkerung über Printmedien, Internet, Fernsehen und Radio.

Shah Jahan war etwa acht Jahre im Bereich Print bei diesem Medienzentrum beschäftigt. "Bayan Shamals Ziel ist es, der Bevölkerung zu zeigen, wie die Entwicklung des Staates fortgeschritten ist, um somit die Moral zu stärken", sagt Ahmadi. 

Als der Isaf-Einsatz in Afghanistan am 31. Dezember 2014 endete, wurde das Leben für einige dieser Journalisten gefährlicher. Sie erhielten Todesdrohungen von den Taliban, weil sie mit den Deutschen zusammengearbeitet hatten. Die Isaf setzte sich dafür ein, dass gefährdete Journalisten von Afghanistan nach Deutschland reisen konnten. Es gibt keine Angaben darüber, wie viele Journalisten insgesamt mithilfe der Bundeswehr ausreisen konnten. Afghanistan steht auf der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 120 von 180.

Die 33-jährige Journalistin Ahmadi bekam durch ein Patenschaftsprogramm Unterstützung. Seit Ende 2014 wohnt sie in Berlin. Hier ist sie in Sicherheit, aber weit weg von ihrer Heimat Afghanistan. Dort verdiente sie mehr als 1.000 Dollar im Monat und konnte jeden Tag über aktuelle Themen schreiben. In Deutschland musste sie bei null anfangen. "Die Sprache ist das Handwerkszeug des Journalisten", sagt sie. Leider ist die deutsche Sprache so schwierig, wie wenn jemand versucht, mit einem Beil einen Berg zu spalten.