Nach Vorwürfen gegen den Regisseur Dieter Wedel wegen angeblicher sexueller Übergriffe hat die Staatsanwaltschaft München Ermittlungen aufgenommen. Wie die Behörde mitteilte, liege ein Anfangsverdacht auf eine möglicherweise nicht verjährte Sexualstraftat vor.

Ausgangspunkt für die Ermittlungen ist ein Bericht im ZEIT Magazin. Darin hatten zwei ehemalige Schauspielerinnen Wedel unter ihrem Namen beschuldigt, sie in den 1990er-Jahren sexuell bedrängt zu haben. Dazu gaben sie eidesstattliche Versicherungen ab. Wedel widersprach den Anschuldigungen, ebenfalls per eidesstattlicher Erklärung. Die von den Schauspielerinnen geschilderten Übergriffe sollen vor mehr als zwei Jahrzehnten stattgefunden haben.

So hatte Jany Tempel den Vorwurf erhoben, Dieter Wedel habe sie 1996 in einem Münchner Hotelzimmer zum Sex gezwungen. Durch eine Gesetzesänderung von 2015 ruht die Verjährungsfrist von 20 Jahren neuerdings bei schweren Sexualstraftaten bis zur Vollendung des 30. Lebensjahrs des mutmaßlichen Opfers. 1999 wurde Jany Tempel 30 Jahre alt, somit wäre die mutmaßliche Tat erst 2019 verjährt.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft München teilte mit, dass die Einleitung des Ermittlungsverfahrens noch kein Hinweis für eine Schuld Wedels sei. Dies gelte es nun herauszufinden.

Wedel war am Montag als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurückgetreten. Nach Angaben seiner Sprecherin hat der 75-Jährige eine Herzattacke erlitten und liegt im Krankenhaus.

Zu den Gründen für seinen Rückzug äußert sich der Regisseur in einer ausführlichen Stellungnahme, die auf der Internetseite der Festspiele veröffentlicht wurde. Darin schreibt Wedel von einem "Klima der Vorverurteilung, der sogenannten ‘Verdachtsberichterstattung’". Angesichts eines solchen Klimas könne er den "Kampf gegen meine Reputation nicht gewinnen – weder mit juristischen Mitteln noch mit medialen Stellungnahmen". Die Anfeindungen hätten "ein für meine Gesundheit und natürlich auch für meine Familie erträgliches Maß weit überschritten".

Der hessische Kunst- und Kulturminister Boris Rhein (CDU) brachte sein Bedauern über Wedels Rücktritt zum Ausdruck: "Er hat seit seiner ersten Spielzeit im Jahr 2015 einen grandiosen Neustart für die Bad Hersfelder Festspiele geschaffen und maßgeblich dazu beigetragen, dass die Festspiele eine Strahlkraft weit über Hessen hinaus entwickelt haben."

Wedel gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Regisseure. Er zeichnete für TV-Mehrteiler wie Der König von St. Pauli oder Der Schattenmann verantwortlich. Seine Werke wurden unter anderem mit der Goldenen Kamera und dem Bambi ausgezeichnet.