Das Verbot einer Modekampagne mit religiösen Motiven verstößt gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung. Das urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) und gab damit einer litauischen Modefirma recht. Die Sekmadienis Ltd. hatte 2012 Models präsentiert, die wie Jesus und Maria aussahen, Heiligenschein und Rosenkranzkette trugen.

Der tätowierte Mann trug auf einem Plakat eine Jeans, darunter stand der Spruch: "Jėzau, kokios tavo kelnės!", auf Deutsch: "Jesus, was für eine Jeans!". Auf dem Plakat der Frau, die ein weißes Kleid trug, stand: "Marija brangi, kokia suknelė!", "Meine liebe Maria, was für ein tolles Kleid!". Auf einem dritten Plakat sind beide Models gemeinsam, dort steht: "Jėzau Marija, kuo čia apsirengę!", "Jesus, Maria, was tragt ihr da!"

Menschengerichtshof gibt Modefirma recht

Die staatliche Verbraucherschutzorganisation hatte die Kampagne damals gestoppt. Zuvor seien bei der Behörde  Beschwerden eingegangen, dass die Plakate unethisch seien und religiöse Gefühle verletzen würden. Die Organisation verhängte außerdem eine Strafzahlung von 580 Euro gegen das Unternehmen. Auch die katholischen Bischöfe des Landes verurteilten die Werbeaktion. Die Kampagne missbrauche christliche Symbole für Werbezwecke, war die Auffassung der Geistlichen.

Aus Sicht des Gerichts ist die Werbung jedoch nicht beleidigend. Das Gericht urteilte, die staatlichen Stellen und  Verwaltungsgerichte in Litauen hätten nicht ausreichend geprüft, ob tatsächlich religiöse Gefühle oder die öffentliche Moral verletzt worden seien. Bei einem Verbot von Werbung müsse die "faire Balance" zwischen eventueller Verletzung der öffentlichen Moral und dem Recht auf Meinungsfreiheit gewahrt werden. Dies sei im vorliegenden Fall nicht geschehen, heißt es im Urteil.