Bei einer Reaktivierung des Familiennachzugs für Flüchtlinge kämen rund 50.000 bis 60.000 Menschen nach Deutschland. Diese Zahl nannte der Migrationsforscher Herbert Brücker im ARD-Morgenmagazin und berief sich dabei auf eine repräsentative Befragung unter Flüchtlingen, die sein Institut durchgeführt hatte. "Die Zahl ist sehr belastbar", sagte der leitende Migrationsforscher der Bundesagentur für Arbeit.

Brücker zufolge geht es dabei vor allem um Kinder und Ehepartnerinnen und -Partner von Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien. Dem Experten zufolge ist davon auszugehen, dass diese Flüchtlinge für mehrere Jahre in Deutschland leben werden: Auch wenn der Krieg in dem Land ende, werde es weiterhin Verfolgung geben.

Der Familiennachzug ist derzeit auch zwischen Union und SPD ein strittiges Thema. Während der Sondierungen hatten sich die Parteien darauf geeinigt, dass monatlich 1.000 Menschen im Rahmen des Nachzugs für subsidiär Schutzbedürftige kommen dürfen. Subsidiären Schutz erhalten diejenigen, denen zwar weder der Flüchtlingsschutz noch die Asylberechtigung gewährt wird, denen bei einer Abschiebung aber eine erhebliche konkrete Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit droht – Menschen aus einem Bürgerkriegsland zum Beispiel. Die Betroffenen erhalten eine zunächst auf ein Jahr befristete Aufenthaltserlaubnis und einen beschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt.

Mit der Reform des Asylrechts wurde 2015 auch subsidiär Geschützten der Familiennachzug gewährt – wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt waren. So mussten Ehen vor der Flucht geschlossen gewesen sein, die Betroffenen keine schwerwiegenden Straftaten begangen haben, nicht zur Gruppe der Gefährder gezählt werden und ihre Ausreise nicht kurzfristig zu erwarten sein.

Im März 2016 setzte die schwarz-rote Bundesregierung diese Regelung für zwei Jahre außer Kraft, nachdem die Zahl der ankommenden Flüchtlinge stark angestiegen war. Diese Aussetzung wiederum läuft am 16. März aus – sollte sie nicht, wie von der Union gefordert, verlängert werden. Der Bundestag will darüber entscheiden, ob und in welchem Umfang er wieder gewährt werden soll.

Migrationsforscher Brücker plädiert für eine Wiedereinsetzung des Familiennachzugs. "Menschlich ist es ein großer Verlust, wenn Familien dauerhaft getrennt sind", sagte er in der ARD und verwies auf die besseren Integrationschancen: Wer von der Familie getrennt sei, weise eher Anzeichen einer Depression auf und integriere sich schlechter.