Der Antisemitismusbeauftragte der französischen Regierung hat vor einer Zunahme antisemitischer Angriffe in seinem Land gewarnt. "Es kommt regelmäßig zu Übergriffen, die für Beunruhigung und Angst in der jüdischen Bevölkerung sorgen", sagte Frédéric Potier der Zeitung Die Welt. Zwar gebe es dank eines besseren Schutzes weniger Übergriffe gegen Synagogen und Schulen. Allerdings würden Juden in Frankreich immer häufiger Opfer körperlicher Gewalt in ihren eigenen vier Wänden.

Als herausragender Fall gilt der Mord an der jüdischen Rentnerin Sarah Halimi, die im April vergangenen Jahres in ihrer Wohnung in Paris gequält und schließlich aus dem Fenster geworfen geworden war. Im September dann wurden in einem Vorort von Paris zwei 70-jährige Eheleute im eigenen Haus überfallen, mehrere Stunden festgehalten und erpresst. Die Täter gaben an, die Opfer seien "reich, weil sie Juden sind".

"Antisemitismus von rechts und von links"

Potier zufolge kämpfe Frankreich "gegen zwei Formen des Antisemitismus: gegen den rechtsradikalen und gegen den linksradikalen Antisemitismus, der den radikalen Islamismus unterstützt und Ereignisse im Nahen Osten mit Problemen hierzulande vermengt". Wie die Welt schreibt, würden französische Medien immer häufiger von Juden berichten, die aus Angst ihren Wohnort wechseln. 

Frankreich ist das Land mit der größten jüdischen Gemeinde Europas; dort leben etwa 500.000 französische Juden. Seit 2012 kümmert sich ein Antisemitismusbeauftragter um ihre Belange.

Für die Bundesregierung hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) die Einrichtung eines solchen Postens gefordert, nachdem sich die antisemitischen Übergriffe und Demonstrationen im vergangenen Jahr gehäuft hatten. Hierzulande gibt es derzeit ungefähr 100 jüdische Gemeinden; insgesamt leben etwa 200.000 Juden in Deutschland.