Bosco P.  sieht etwas verkleidet aus. Zum ersten Prozess, in dem er wegen der brutalen Gruppenvergewaltigung einer 14-Jährigen verurteilt wurde, kam der Angeklagte im Trainingsanzug. Dieses Mal trägt er Jacket, ein blau-weiß kariertes Oberhemd und eine grau-schwarz gestreifte Krawatte. Nicht nur seine Kleidung, auch sein Auftreten soll ein neues Bild des Vergewaltigers zeigen. Auch seine jugendlichen Mittäter traten bescheidener auf.

Bosco P. winkt nur einmal kurz den Zuschauern zu, lächelt dabei fast scheu. In der ersten Instanz hatte er die Zuschauer noch mit hochgereckten Armen und breitem Grinsen begrüßt. Nach der Urteilsverkündung, vier Jahre Gefängnis für ihn, deutete er Kopulationsbewegungen an. Es schien fast, als genieße er den öffentlichen Auftritt vor Gericht. Reue konnten die Zuschauer nicht erkennen.

Das Hamburger Landgericht verhandelt nun erneut über den Fall aus Hamburg-Harburg, der vor zwei Jahren bundesweit für Entsetzen gesorgt hatte. Bosco P., der einzige Erwachsene unter den Tätern, hatte zusammen mit drei jugendlichen Männern eine 14-Jährige sexuell missbraucht. Ein 15-jähriges Mädchen filmte die Tat mit ihrem Handy, gab sogar Regieanweisungen, wann welcher Gegenstand in ihre Freundin einzuführen sei. Das Ganze spielte sich in einer Erdgeschosswohnung im Hamburger Stadtteil Harburg ab. Das 14-jährige Opfer war bei der Tortur betrunken. Als das Mädchen zu schreien begann, schleiften die Männer es auf einem Laken in den Hinterhof und ließen sie dort fast nackt liegen. Es war Anfang Februar, die Temperatur lag um den Gefrierpunkt. Hätte ein Nachbar die 14-Jährige nicht gefunden, wäre sie möglicherweise erfroren.

Entsetzen über das milde Urteil

Der Skandal endete nicht mit der schrecklichen Tat. Beim Prozessauftakt führten sich die Täter wie Popstars auf. Darüber hinaus konnte das missbrauchte Mädchen nicht einmal als Zeugin geladen werden– sie war nach der Tat aus der betreuten Jugendwohnung, in der sie lebte, ausgezogen. Niemand wusste, wo sie abgeblieben war. Schließlich sorgten die Urteile im Oktober 2016 für erregte Debatten: Nur Bosco P. kam ins Gefängnis. Die drei anderen jungen Männer und das filmende Mädchen kamen mit Bewährungsstrafen davon. 

Das Entsetzen darüber führte nach dem ersten Urteil zu einer öffentlichen Petition Mehr als 100.000 Menschen unterschrieben, weil sie es für ungerecht hielten, dass die Gruppenvergewaltiger aus der Untersuchungshaft entlassen wurden. Den Menschen hatten sich die befremdlichen Bilder von der Anklageverlesung und dem Urteil eingebrannt: feixende und jubelnde Täter.