Anlässlich des Holocaustgedenktags hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zunehmende Tendenzen von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit beklagt. Es sei eine "Schande, dass keine jüdische Einrichtung ohne polizeiliche Bewachung existieren kann", sagte sie am Samstag in ihrem wöchentlichen Videopodcast. Das gelte sowohl für Schulen und Kindergärten als auch für Synagogen im Land.

Es sei eine tägliche Aufgabe, sich mit aller Kraft Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit entgegenzustellen, forderte Merkel. Zurzeit gebe es wieder mehr Hass gegen andere. Die Bundeskanzlerin kündigte für die kommende Regierung einen Antisemitismusbeauftragten an, der sich "für jüdisches Leben in Deutschland und gegen Antisemitismus" einsetzen werde.

Nicht nur vom rechten Rand

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hält das Gedenken an den Holocaust besonders für die nichtjüdische Gesellschaft wichtig. "Die Erinnerung ist eine der Möglichkeiten, darauf hinzuwirken, dass so etwas in Zukunft nie wieder passieren kann", sagte er. 

Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, sagte der Passauer Neuen Presse, heute komme Antisemitismus nicht nur vom rechten Rand, sondern auch von hier lebenden Muslimen. Insbesondere die muslimischen Verbände und Institutionen seien gefordert "und in der Pflicht, gegen die Radikalität und den Antisemitismus in den eigenen Reihen vorzugehen". Gleichzeitig äußerte sie ihr Bedauern über den Einzug der AfD in den Bundestag: "Es schmerzt, dass in Deutschland eine Partei drittstärkste Kraft werden konnte, die in ihren Reihen nicht nur Geschichtsklitterung und Antisemitismus duldet, sondern auch Rassismus, Rechtsextremismus und völkischen Nationalismus."

Am 27. Januar 1945 hat die sowjetische Rote Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit. Dort waren von 1940 bis 1945 etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet worden. Seit 1996 ist der 27. Januar in Deutschland offizieller Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Im Jahr 2005 machte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Tag zum Internationalen Holocaustgedenktag.