Eine Politik der Abschottung und des Nationalismus ist für die meisten Europäer keine Antwort auf die Herausforderungen unserer globalisierten Welt. Unabhängig davon, ob sie Globalisierung positiv oder negativ bewertet, spricht sich mehr als die Hälfte der EU-Bürger für mehr europäische Integration aus. 56 Prozent der Bürger sehen Globalisierung als Chance, heißt es in einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung, für die 10.000 Bürger in der gesamten EU befragt wurden. Von ihnen wünschen sich wiederum knapp zwei Drittel eine vertiefte europäische Zusammenarbeit. Unter den Globalisierungsskeptikern wünschen sich 45 Prozent mehr und 41 Prozent weniger EU-Integration.

Nur die Anhänger rechter und rechtsextremer Parteien lehnen jede Art politischer oder wirtschaftlicher Öffnung klar ab. In Frankreich etwa sind lediglich die Unterstützer der rechtsextremen Partei Front National mehrheitlich gegen mehr EU-Integration – 64 Prozent sprachen sich dagegen aus. In Polen will die Mehrheit der Sympathisanten der rechtspopulistischen Oppositionspartei Kukiz'15 weniger europäische Zusammenarbeit. 

Hierzulande sprechen sich 59 Prozent der AfD-Unterstützer deutlich gegen europäische Vertiefung aus. Zudem scheine bei der FDP das Europa-Bekenntnis zu wackeln, heißt es von den Autoren der repräsentativen Studie. Nur knapp die Hälfte der FDP-Anhänger ist demnach für mehr europäische Integration. Das ist nach der AfD der niedrigste Wert in Deutschland.

Integration als Teil der Lösung

Persönlich haben 66 Prozent der Befragten hingegen mit der Globalisierung "eher gute" oder "gute" Erfahrungen gemacht – etwa weil sie günstiger an Waren und Dienstleistungen gekommen sind. "Wenn es um Gestaltung globaler politischer Herausforderungen und Steuerung internationaler Prozesse wie der Globalisierung geht, sieht eine deutliche Mehrheit der Bürger die europäische Integration als Teil der Lösung", sagte Studienleiterin Isabell Hoffmann.  

Die EU könne sogar nach Ansicht etlicher Skeptiker eine Schutzrolle spielen: In dieser Gruppe wünschen sich 45 Prozent mehr EU-Vertiefung. Vor allem bei Fragen der Sicherheit und der Migration. Im Kampf gegen den Terror sehen viele die wichtigste Aufgabe und auch die größte Herausforderung der EU.

Themen wie Wachstum und Ungerechtigkeit sehen dagegen jeweils nur sechs Prozent der Europäer ganz oben auf der Aufgabenliste der EU.