Razzien - Schlag gegen die Mafia Bei einer Großrazzia in Italien und Deutschland hat die Polizei nach eigenen Angaben rund 200 Personen festgenommen. Sie stehen im Verdacht, dem ’Ndrangheta -Clan anzugehören. © Foto: Friso Gentsch/dpa

Die Polizei hat bei einem Großeinsatz in mehreren deutschen Bundesländern elf mutmaßliche Mitglieder der italienischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta festgenommen. Die Verdächtigen seien zwischen 36 und 61 Jahre alt und in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen sowie Nordrhein-Westfalen gefasst worden, teilte das Bundeskriminalamt (BKA) mit. Ihnen wird unter anderem Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen.

Ein umtriebiger Clan aus Cirò

Die Festnahmen in Deutschland stehen im Zusammenhang mit Ermittlungen der italienischen Strafverfolgungsbehörden. In Italien erfolgten parallel zum Einsatz in Deutschland mehr als 160 Festnahmen in Kalabrien und sieben weiteren Regionen.

Das Vorgehen richtet sich vor allem gegen den 'Ndrangheta-Clan Farao-Marincola aus der kalabrischen Gemeinde Cirò. Dem BKA zufolge hat die Familie großen Einfluss über Kalabrien und die benachbarten Regionen hinaus. Die einzelnen Strafvorwürfe reichen von versuchtem Mord, Erpressung, Geldwäsche und Verstößen gegen das Waffengesetz über internationale Autoschiebung, illegalen Handel und illegale Verschiebung von Müll bis hin zu unlauterem Wettbewerb. 

Als Drahtzieher der nationalen und internationalen Geschäfte gilt Clan-Oberhaupt Guiseppe Farao, der unlängst zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Aus dem Gefängnis heraus instruierte der 70-Jährige seine Söhne, Enkelsöhne und andere Mafiosi.

Erpressung kalabrischer Restaurants

In Deutschland verfügte der Farao-Clan nach Angaben der italienischen Polizei über "operative Zellen" in Frankfurt am Main, Wiesbaden, München und Stuttgart, die zusammen eine "kriminelle Holding" bildeten. Dieser sei es gelungen, durch mafiöse Methoden die Kontrolle und das Monopol über die Lieferung von Wein, Käse, Olivenöl und Pizzasaucen zu erlangen. Insbesondere kalabrische Restaurants wurden oftmals dazu gezwungen, Weinprodukte lediglich von Unternehmen anzukaufen, die von der kriminellen Vereinigung kontrolliert wurden.

Wie die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mitteilten, wurden allein in dem südwestdeutschen Bundesland sechs Wohnungen und vier Gastronomiebetriebe durchsucht. Bei den Razzien sollen Gegenstände im Gesamtwert von 50 Millionen Euro beschlagnahmt worden sein. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) nannte die Festnahmen einen "wichtigen Erfolg gegen die Unterwanderung unserer Wirtschaft".