Erstmals in der Geschichte Saudi-Arabiens waren bei einem Fußballspiel offiziell Frauen im Stadion. Lokale Medien zeigten Fotos, auf denen sie am Freitag in der Küstenstadt Dschidda am Roten Meer mit Schals in den Fanfarben der Clubs Al-Ahli und Al-Batin das Stadion betraten. Im Inneren mussten die Frauen das Spiel dann in eigens geschaffenen Familienbereichen verbringen und waren getrennt von den Männern. Alle trugen eine Abaja, einen langen schwarzen Mantel. Viele hatten Sonnenbrillen oder locker gebundene Kopftücher auf. In den kommenden Tagen sollen noch zwei weitere Spiele für Frauen zugänglich sein, darunter eines in der Hauptstadt Riad.

Auf Internetvideos, die kurz vor Anpfiff der Erstligapartie kursierten, ist zu sehen, dass das für mehr als 62.000 Fans ausgestattete Stadion kaum besucht ist. Der Großteil der Plätze war leer geblieben. "Ich bin sehr stolz, Zeuge dieser riesigen Veränderung zu sein", sagte eine Beteiligte. Eine weitere Frau sprach von einem "historischen Tag". Sie sei "stolz und sehr glücklich", dass Saudi-Arabien nun mit "zivilisierten Maßnahmen" in anderen Ländern gleichziehe, sagte sie.

Die neue Regelung ist die erste Sozialreform im neuen Jahr, die Frauen mehr Rechte zugesteht. Dazu wurden in mehreren Fußballstadien des Landes sogenannte Familienabschnitte geschaffen, in denen weibliche Zuschauer getrennt von den Männern Platz finden. Zudem wurden die Stadien mit Damentoiletten, getrennten Eingängen und eigenen Parkplätzen für Zuschauerinnen ausgestattet.

Weitere Reformen in Sicht

In dem islamisch-konservativen Königreich gelten strenge gesellschaftliche Regeln. Unter der Führung von Kronprinz Mohammed bin Salman will das Königshaus aber einige Reformen für Frauen durchsetzen. Salman hat schon kurz nach seinem Amtsantritt im Juni eine Abkehr von den ultrakonservativen Religionsprinzipien angekündigt.

So soll Frauen in diesem Jahr auch das Autofahren erlaubt werden. Am vergangenen Nationalfeiertag Ende September durften Frauen schon einmal zu einer Feier ins Nationalstadion in Riad. Zudem hob Saudi-Arabien nach 35 Jahren das Kinoverbot im Land auf. Im März sollen die ersten kommerziellen Kinos öffnen. Lizenzen würden ab sofort ausgestellt. Auch sollen wieder Konzerte erlaubt werden. 

Saudi-Arabien ist vom Wahhabismus geprägt, einer besonders strengen Auslegung des Islam. Das Herrscherhaus der Al-Sauds hatte bereits Mitte des 18. Jahrhunderts ein Bündnis mit wahhabitischen Religionsgelehrten geschlossen, das bis heute Bestand hat und den Gelehrten weitreichenden Einfluss auf die Religions- und Lebenspraxis in Saudi-Arabien gewährt.