In mehreren Städten Tunesiens ist es in der zweiten Nacht in Folge zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Laut dem Innenministerium wurden mehr als 200 Menschen festgenommen. Knapp 50 Sicherheitskräfte seien verletzt worden. In mehreren Städten im ganzen Land waren Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Steuererhöhungen und Preissteigerungen zu protestieren.

Ein Ministeriumssprecher sprach im tunesischen Radio auch von Plünderungen. In der Nacht hätten Randalierer versucht, einen großen Supermarkt in der Küstenstadt Sousse auszurauben. In der Hauptstadt Tunis wurden Autoreifen und Müllcontainer angezündet. Auch in den ärmeren Regionen im Süden des Landes kam es zu teils gewaltsamen Protesten. Auf der Insel Djerba habe es einen versuchten Brandanschlag auf die dortige Synagoge gegeben, sagte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Perez Trabelsi.

Die Proteste richten sich gegen steigende Lebenshaltungskosten und die Sparpolitik der Regierung. Zu Jahresbeginn war ein entsprechendes Finanzgesetz in Kraft getreten. Die Opposition wirft der Regierung vor, dass das neue Gesetz vor allem ärmere Menschen benachteilige. Tunesien will durch die Steuererhöhungen seine Einnahmen steigern und so Auslandsschulden zurückzahlen. 2010 hatte in Tunesien der Arabische Frühling begonnen.

Das Land hat nach den Umbrüchen in der Arabischen Welt 2011 zwar den Übergang zu einer Demokratie nach westlichem Vorbild absolviert, kämpft aber mit großen wirtschaftlichen Problemen und einer hohen Arbeitslosigkeit.

Tunesien - Opposition ruft zu weiteren Protesten auf Die wichtigste Oppositionspartei in Tunesien hat zu weiteren Protesten gegen steigende Preise und Steuererhöhungen aufgerufen. Das neue Finanzgesetz der Regierung benachteilige vor allem die Ärmeren, sagte der Parteichef der Volksfront. © Foto: REUTERS/Zoubeir Souissi