In den letzten noch von Rebellen gehaltenen Gebieten Syriens sind bei Bombardierungen am Wochenende Dutzende Menschen gestorben. Bei Luftangriffen wurden in Ost-Ghouta, das östlich der syrischen Hauptstadt Damaskus liegt, mindestens 18 Zivilisten getötet. Darunter seien auch Kinder, wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldet. Mindestens 60 Menschen seien zudem in der Region Ost-Ghouta verletzt worden. In der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens nahmen Regierungstruppen zugleich einen strategisch wichtigen Ort ein.

Die Anhänger von Präsident Baschar al-Assad hatten in den vergangenen Monaten große Geländegewinne erzielt, vor allem gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Fast sieben Jahre nach Ausbruch des Konflikts beherrschen sie mittlerweile wieder mehr als die Hälfte des Landes, darunter alle wichtigen Städte. Ost-Ghouta und die Provinz Idlib werden beide von Rebellen kontrolliert und sind derzeit am härtesten umkämpft. In beiden Gebieten dominieren radikal-islamische Milizen. 

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte machte für die Bombardierungen in Ost-Ghouta syrische und russische Kampfflugzeuge verantwortlich. Die Aktivisten berichteten von 20 Luftangriffen sowie heftigen Bombardierungen mit Raketen und Granaten. In den vergangenen zehn Tagen seien in dem Gebiet fast 100 Zivilisten getötet worden.

In der Enklave sind nach Schätzungen rund 400.000 Menschen von der Regierung eingeschlossen. Die Menschen leben in einer kritischen humanitären Lage. Zuletzt eskalierten die Gefechte, nachdem Rebellen einen Stützpunkt der Armee einkreisen konnten.

Regierungstruppen nahmen in Idlib den strategisch wichtigen Ort Sindschar ein. Das berichteten die regierungstreuen Nationalen Verteidigungskräfte. Bisher war die Provinz von Rebellen kontrolliert worden. Damit ist der Weg zu einem nahe gelegenen Flughafen frei. Sindschar liegt zudem an einer wichtigen Verbindungsstraße.

Autobombe tötet in Idlib 23 Menschen

Bei einem Bombenanschlag in der syrischen Rebellenhochburg Idlib sind Aktivisten zufolge mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen, darunter sieben Zivilisten. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, der in einem Auto versteckte Sprengsatz sei am Abend explodiert. Auf Fotos und Videos vom mutmaßlichen Anschlagsort waren beschädigte Häuser und zerstörte Autos zu sehen. Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu der Tat. Ein Stützpunkt asiatischer Dschihadisten sei "fast völlig zerstört" und benachbarte Gebäude beschädigt worden. Möglicherweise war dieser Stützpunkt das Ziel des Angriffs.

Das UN-Nothilfebüro Ocha erklärte über Twitter, in der von Rebellen beherrschten Stadt Marat al-Numan sei zum dritten Mal binnen einer Woche die Geburts- und Kinderklinik beschädigt worden und deshalb außer Betrieb. Syrische und russische Jets hatten in dieser Woche zahlreiche Angriffe in der umkämpften Region geflogen.

Das vom syrischen Al-Kaida-Ableger kontrollierte Bündnis Tahrir al-Scham ist in Idlib die dominierende Kraft. Russland und der Iran als Verbündete der Regierung sowie die Türkei als Unterstützer der Opposition hatten im September eine so genannte Deeskalationszone in der Provinz errichtet. Für Ende Januar haben die drei Länder zu einer Syrienkonferenz im russischen Badeort Sotschi eingeladen. Dort soll über eine Nachkriegsordnung für Syrien verhandelt werden.