Nach einem landesweiten Raketenalarm per SMS hat sich im US-Inselstaat Hawaii Panik ausgebreitet. 38 Minuten lang suchten viele der 1,5 Millionen Bewohner verzweifelt Schutz – dann kam die Entwarnung. Ein Mitarbeiter hatte beim Schichtwechsel einen falschen Knopf betätigt.

Zehn Minuten nach der Warnung twitterte die Katastrophenschutzbehörde Ema zwar bereits, es gebe keine Bedrohung. Doch wer das nicht zufällig las, bekam die Entwarnung erst 38 Minuten später per SMS aufs Mobiltelefon. In der Zwischenzeit hatten manche Menschen einem Medienbericht zufolge ihre Autos auf einer Schnellstraße verlassen und waren zu einem Tunnel gerannt, um Schutz zu suchen. Andere bereiteten sich auf die Evakuierung ihrer Häuser vor.

Hawaii - Falscher Raketenalarm versetzt Menschen in Panik Ein falscher Raketenalarm hat auf der US-amerikanischen Insel Hawaii vorübergehend Panik ausgelöst. Ein Mitarbeiter der Notfallbehörde hatte beim Schichtwechsel aus Versehen auf den falschen Knopf gedrückt. © Foto: Social Media/Reuters

Hawaii will sein Alarmsystem überprüfen

"Wir haben einen Fehler gemacht", gestand der Leiter der Ema, Vern Miyagi, ein. Er sei passiert, als jemand einen falschen Knopf gedrückt habe. Gemeinsam mit dem Gouverneur von Hawaii, David Ige, sicherte er für die Zukunft zu, eine Person allein werde nicht mehr dazu in der Lage sein, einen solchen Fehler zu begehen. Das Alarmsystem werde überprüft.

Die Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard aus Hawaii sagte, viele Menschen hätten Todesangst gehabt. "Die Leute bekamen die Nachricht und dachten: 15 Minuten. Wir haben 15 Minuten, dann können wir und unsere Familien tot sein."

Der falsche Raketenalarm machte auch Golfprofis des Turniers Sony Open in Honolulu Angst. "Wir haben uns alle nur angestarrt", sagte der amerikanische Golfer Charles Howell III. Niemand habe gewusst, was zu tun sei. Ähnlich äußerte sich sein Kollege Colt Knost: In seinem Hotel am Strand Waikīkī Beach Beach hätten die Leute in der Lobby panisch reagiert. Sie seien umhergerannt und hätten gerufen: "Was machen wir jetzt?" 

Der US-Profigolfer J. J. Spaun verschanzte sich im Keller seines Hotels, wie er auf Twitter schrieb. Und sein Landsmann John Peterson twitterte: "Mit meiner Frau, Baby und Schwiegereltern unter Matratzen in der Hotelbadewanne. Lieber Gott, bitte lass den Raketenalarm nicht echt sein." 

Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses von Hawaii, Scott Saiki, kritisierte, die Zeit bis zur Korrektur des Alarms sei zu lang gewesen. "Die Regierungsbehörden sind offensichtlich nicht vorbereitet, und es mangelt an der Fähigkeit, mit Notfallsituationen umzugehen", beklagte er in einer Mitteilung.

Der Senator von Hawaii, Brian Schatz, kritisierte, der ganze Staat sei verschreckt worden. Es handele sich um einen menschlichen Fehler, der absolut nicht zu entschuldigen sei. Die Verantwortung müsse geklärt werden, twitterte Schatz.

Eine Sprecherin des Weißen Hauses, Lindsay Walters, hatte zunächst erklärt, es habe sich um eine Übung gehandelt. Präsident Donald Trump ist über das Wochenende nach Florida gereist. Das US-Verteidigungsministerium und das Pazifikkommando der US-Streitkräfte versicherten, sie hätten keine Raketenbedrohung für Hawaii entdeckt.

Falscher Alarm, echte Bedrohung

Die Menschen in Hawaii leben seit Monaten in Furcht vor einem Raketenangriff aus Nordkorea. Vor wenigen Wochen wurde ein altes Sirenensystem, wie es im Kalten Krieg im Einsatz war, wieder in Betrieb genommen.

Auch auf der Pazifikinsel Guam, einem US-Außengebiet, hatte es im vergangenen August einen falschen Raketenalarm gegeben. Beide Gebiete liegen möglicherweise in Reichweite von Raketen aus Nordkorea.