Im Bistum Eichstätt soll ein Ex-Mitarbeiter der Finanzkammer gemeinsam mit einem Komplizen durch Immobilienspekulationen auf dem US-Markt einen Schaden von bis zu 60 Millionen US-Dollar (umgerechnet 48,2 Millionen Euro) verursacht haben. Wie das Bistum am Montag bekannt gab, wurde bereits im Juli 2017 gegen beide Personen Strafanzeige erstattet. Der Vorwurf laute auf Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr.

Das Geld sei auf "höchst fragwürdige Weise" angelegt worden, erklärte der Diözese-Sprecher Martin Swientek. "Um eine rückhaltlose Aufklärung und strafrechtliche Aufarbeitung zu veranlassen", sei die für Wirtschaftsstrafsachen zuständige Schwerpunktstaatsanwaltschaft München II eingeschaltet worden. Die Verdächtigen befänden sich in Untersuchungshaft.

Weitere Angaben zu den beschuldigten Personen machte Swientek nicht. Nach Informationen der Zeitung Donaukurier soll es sich um den früheren stellvertretenden Finanzdirektor und einen Geschäftspartner in den USA handeln. Der Finanzdirektor hatte im September 2016 nach nur gut zwei Jahren seinen Posten unvermittelt geräumt. Bei dem Anlagebetrag handelt es sich nach Recherchen eines Rechercheverbunds aus Süddeutscher Zeitung, WDR und NDR um etwa ein Sechstel des Finanzanlagevermögens der Diözese. Auf Nachfrage hatte der Bistumssprecher diese Angabe weder bestätigt noch dementiert.

Finanzchef sei "fachlich überfordert" gewesen

Laut Medienberichten sollen in mehr als 30 Fällen Kredite für Bauvorhaben in den USA vergeben worden sein, ohne diese etwa durch eine Grundschuld abzusichern. Das Bistum habe in der Strafanzeige dargestellt, dass ihr eigener Finanzchef im fraglichen Zeitraum fachlich von seiner Aufgabe überfordert gewesen sei. Es habe sich um einen Geistlichen "ohne tiefergehende wirtschaftliche Kenntnis" gehandelt. Das zuständige Aufsichtsgremium, der Diözesanvermögensverwaltungsrat, sei ebenfalls überfordert oder gar nicht eingeweiht gewesen, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Mittlerweile sei dieser Rat neu besetzt.

Die Unregelmäßigkeit in den Büchern des Bistums war externen Fachleuten im Zuge einer Transparenzoffensive aufgefallen, die der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke 2015 initiiert hatte. Sinn und Notwendigkeit dieser Transparenzoffensive hätten sich nun "auf bedauerliche Weise" bestätigt, sagte der Sprecher der Diözese. Bis Juni 2018 will das Bistum einen Jahresabschluss nach den Regeln des Handelsgesetzbuches vorlegen und darin erstmals das Bistumsvermögen offenlegen. An diesem Zeitplan habe sich nichts geändert, erklärte der Sprecher.

Erste Verdachtsmomenten habe es im Mai 2017 gegeben. Damals sei erstmals ein fälliges Darlehen nicht zurückgezahlt worden. Zwei Monate später habe der Bischof eine Münchner Anwaltskanzlei mit der Anzeige beauftragt. Für Dienstag wurde eine weitere Pressekonferenz mit Generalvikar Isidor Vollnhals und dem Münchner Rechtsanwalt Ulrich Wastl anberaumt.