Nach einer Serie von Gewalttaten zwischen Flüchtlingen und Deutschen haben in Cottbus Tausende gegen die Flüchtlingspolitik demonstriert. Dem Aufruf des fremdenfeindlichen Vereins Zukunft Heimat sind Beobachtern zufolge mehr als 2.000 Menschen gefolgt, die Initiatoren selbst sprechen von mindestens 5.000 Personen.

Die Demonstranten warnten dabei vor einer Überfremdung Deutschlands. Auf Transparenten wurde unter anderem der Rücktritt von Kanzlerin Angela Merkel gefordert, andere bezeichneten die "Islamisierung als größte Gefahr für die Menschheit". Brandenburgs Verfassungsschützer bewerten den Verein als "asylkritische Initiative".

Hunderte demonstrieren für Weltoffenheit

Zeitgleich gingen in der Cottbusser Innenstadt Hunderte für Toleranz auf die Straße. Unter dem Motto "Leben ohne Hass – gemeinsam gegen die Angst" forderten die Teilnehmer ein friedliches Miteinander. An der Demonstration für eine weltoffene Stadt haben nach Polizeiangaben rund 600 Personen teilgenommen. Als sich die Kundgebung in Bewegung setzte, habe es weiteren Zulauf gegeben.

Das Aktionsbündnis Brandenburg hatte zu der Gegendemonstration aufgerufen – die Vereinigung aus Flüchtlingen und Unterstützern sei besorgt, dass die jüngsten Vorfälle genutzt werden, um "die Stimmung mit einer fremdenfeindlichen Kampagne anzuheizen". Geflüchtete würden pauschal als Gewalttäter abgetan werden, heißt es in der Ankündigung.

Fremdenfeindlichkeit - Cottbusser demonstrieren für Weltoffenheit In Cottbus sind mehr als tausend Menschen für eine tolerante Stadt und ein Leben ohne Angst auf die Straße gegangen. Zeitgleich fand eine Kundgebung des fremdenfeindlichen Bündnisses Zukunft Heimat statt. © Foto: Carsten Koall/Getty Images

Beide Veranstaltungen seien "ruhig und entspannt" geblieben, teilte eine Polizeisprecherin mit. In sechs Fällen habe die Polizei die Personalien aufgenommen, außerdem sei ein Mann in Gewahrsam genommen worden, der mehrfach den Hitlergruß zeigte.

Die Situation in Cottbus war zuletzt angespannt. In der Innenstadt kam es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Asylbewerbern. Vor einem Einkaufszentrum griffen syrische Jugendliche ein Ehepaar an, an Silvester wurden Flüchtlinge von Unbekannte in ihrer Unterkunft attackiert. Vergangenen Mittwoch verteilten Rechtsextremisten Reizgasampullen unter Passanten. Dazu gaben die Männer Flyer mit dem Logo der NPD aus. Der brandenburgische Verfassungsschutz und das Landesinnenministerium stufen die rechtsextreme Szene in der Region als "hochgradig gewaltorientiert" ein.

Die Polizei erhöhte aufgrund der angespannten Situation ihre Präsenz, außerdem nimmt Cottbus vorerst keine weiteren Flüchtlinge auf. Nach den wiederholten Vorfällen haben Rechtsextremisten Reizgas und Flyer mit dem Logo der rechtsextremen NPD an Passanten verteilt. Die Männer gaben Flyer mit dem Logo der rechtsextremen NPD aus.