Zweiter Weltkrieg - Dresdner gedenken Bombardierung von 1945 Tausende Dresdner haben am 73. Jahrestag der Zerstörung ihrer Stadt im Zweiten Weltkrieg gedacht. Sie bildeten am Elbufer entlang eine kilometerlange Menschenkette, um ein Zeichen des Zusammenstehens gegen Rechtsextremismus zu setzten. © Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Mit Kerzen, stillen Gebeten und einer Menschenkette haben die Dresdner der Zerstörung ihrer Stadt vor 73 Jahren gedacht und an die Opfer von Krieg und Faschismus erinnert. Tausende Bürgerinnen und Bürger kamen zusammen, um eine rund vier Kilometer lange Menschenkette um die Altstadt zu bilden. Damit sollte gemäß einem Aufruf von Prominenten und dem Oberbürgermeister der Stadt an die Unmenschlichkeit des Kriegs erinnert und gleichzeitig ein Zeichen gegen Gewalt und für Versöhnung gesetzt werden.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) rief dazu auf, sich aktiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen. "Erinnerungskultur ist nicht nur das Ablegen von Kränzen, sondern auch in ganz besonderer Weise gesellschaftliche Bildungsarbeit mit klarem Bezug zur Gegenwart", schrieb Hilbert in seine Rede für den Auftakt der Menschenkette. Aus dem 13. Februar erwachse eine Verantwortung "nicht für die Vergangenheit, aber sehr wohl für das, was heute, morgen und übermorgen geschieht".

Bereits am Dienstagvormittag versammelten sich Menschen der Stadt Dresdner und Politikerinnen und Politiker an zahlreichen Gedenkorten. Zu den zentralen Erinnerungsorten gehören der Annen- und der Heidefriedhof, wo zahlreiche Tote der Luftangriffe begraben sind. Auf dem Annenfriedhof wurden kleine Holzkreuze in eine Gedenkstele gesteckt, dort beteiligte sich auch Hilbert. Auf dem Heidefriedhof legten Politikerinnen und Politiker Gebinde nieder, auch Vertreter der AfD und der NPD. Gedacht wurde auch am Altmarkt, wo nach der Bombardierung tausende Tote eingeäschert worden waren. Vor der vor wenigen Jahren wieder aufgebauten Frauenkirche am Neumarkt entzündeten Teilnehmende Kerzen.

Bei den Luftangriffen alliierter Bomber auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945 waren nach Schätzungen von Historikern etwa 25.000 Menschen getötet worden. Weite Teile der historischen Altstadt wurden komplett zerstört.

Polizeischutz für den Oberbürgermeister

Um die Erinnerungskultur wird in Dresden seit langem gerungen. Hilbert war im vergangenen Jahr angefeindet worden, nachdem er im Vorfeld des Gedenktags vor einem Opfermythos gewarnt und erklärt hatte, Dresden sei alles andere als eine unschuldige Stadt gewesen. Nach Drohungen gegen ihn wurde er damals unter Polizeischutz gestellt.

Bereits am Samstag hatten mehrere Hundert Menschen gegen einen Aufmarsch von Neonazis in der sächsischen Landeshauptstadt demonstriert. Rechtsextreme versuchen seit Jahren, den Jahrestag der Zerstörung für ihre politischen Zwecke zu nutzen, indem sie zuvorderst die Alliierten für die Toten verantwortlich machen, die deutsche Kriegsschuld aber nachrangig sehen.

Aufgrund der starken Gegenproteste wurden größere Neonaziaufmärsche rund um den 13. Februar in den vergangenen Jahren verhindert. Auseinandersetzungen zwischen Rechten und Linken mit Verletzten, brennenden Blockaden und Autos liegen mehrere Jahre zurück.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) forderte, Extremismus entgegenzutreten. "Wir überlassen es nicht den Rändern, dieses Datum zu besetzten", sagte er im Südwestrundfunk im Hinblick auf die Versuche von Neonazis, das Gedenkdatum zu kapern.

Die AfD in Sachsen kritisierte, dass ihre auf dem Heidefriedhof abgelegten Kränze teilweise zerstört worden seien. Unbekannte hätten die Trauer- und Kranzschleifen entfernt, hieß es auf Facebook, wo entsprechende Fotos gepostet wurden. André Barth, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion, sprach von "politisch motivierter Grabschändung".