Etwa jeder fünfte Mitarbeiter des britischen Parlaments ist einer Studie zufolge im vergangenen Jahr bei der Arbeit sexuell belästigt worden oder hat sexuelle Belästigung beobachtet. Das geht aus einer Befragung hervor, die das Parlament am Donnerstag veröffentlichte. Demnach haben im gleichen Zeitraum fast 40 Prozent der knapp 1.400 Befragten und etwa die Hälfte der teilnehmenden Frauen nicht sexuelle Belästigung oder Mobbing erfahren.

Der Bericht wurde von einer parteiübergreifenden Arbeitsgruppe erstellt, nachdem sich Belästigungsvorwürfe in der Politik gehäuft hatten. Als Konsequenz wird außerdem vorgeschlagen, die Täter sollten sich einem speziellen Verhaltenstraining unterziehen und müssten sich schriftlich bei ihren Opfern entschuldigen.

Die Vorsitzende des Gremiums, Andrea Leadsom, sagte, die Veröffentlichung sei "ein großer Tag für das Parlament und unsere Politik". Die Arbeitsgruppe machte zudem mehrere Vorschläge zur Verbesserung des Mitarbeiterschutzes. So sollen ein neuer Verhaltenskodex und ein unabhängiges und vertrauliches Beschwerdeverfahren erstellt werden.

"Wir wollen das beste Parlament der Welt sein"

Die neuen Regeln würden zeigen, dass "wir das beste Parlament der Welt sein wollen", wenn es um den respektvollen Umgang mit Mitarbeitern gehe, sagte Leadsom. Das Gremium empfahl außerdem einen umfassenden Strafkatalog, der von schriftlichen Entschuldigungen bis hin zur Abberufung von Parlamentariern reicht.

Erst vor wenigen Wochen traten Verteidigungsminister Michael Fallon und Kabinettschef Damian Green wegen Belästigungsvorwürfen zurück.

Mit dem Bericht reagiert das Parlament auf eine Reihe von Anschuldigungen, die infolge des Skandals um den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein öffentlich wurden. Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe werden nun in beiden Kammern des Parlaments geprüft. Eine Debatte ist für Ende Februar geplant.