DIE ZEIT: Herr Erzbischof, Sie haben sich eine Unternehmensberatung ins Haus geholt und sparen jetzt radikal. Als Erstes schließen Sie Schulen. Darf die Kirche so handeln?

Stefan Heße: Erstens mussten wir uns dieses Know-How einkaufen, weil es hier nicht vorhanden ist. Das ist ein Versäumnis. Zweitens: Die Unternehmensberatung liefert die Zahlen, aber sie entscheidet nicht, was damit gemacht wird. Das müssen wir schon selber tun.

ZEIT: Ein Elternvertreter sagte uns: "In dem Papier des Erzbistums wird eins zu eins die Sprache von Unternehmensberatern durchgereicht." Haben Sie unterschätzt, für welche Aufregung das sorgt, wenn ein Kirchenvertreter plötzlich nicht mehr wie ein Seelsorger, sondern wie ein Manager klingt?

Heße: Wenn eine Schule geschlossen werden muss, dann tut das immer weh – nicht nur den Eltern und den Lehrern, sondern auch mir. Ich mache das nicht leichtfertig, ich hätte mir auch anderes gewünscht. Ich leide mit.

ZEIT: Auf die Schließung an sich hätten viele Betroffene wohl genauso reagiert: Es tut weh, aber was muss, das muss. Aber Sie hatten gesagt, wir machen jetzt reinen Tisch, klären auf. Dann wurden die Betroffenen vor vollendete Tatsachen gestellt, sie fühlten sich überfahren. Bei der entscheidenden Pressekonferenz waren Sie nicht einmal anwesend, sondern haben den Generalvikar vorgeschickt. Würden Sie dieselbe Kommunikationsstrategie noch mal wählen? 

Heße: (schweigt) Ich weiß nicht, ob man eine Kommunikationsstrategie bei so einem Thema so wählen kann, dass sie alle zufriedenstellt. Ich glaube, das wäre übermenschlich. In der Kommunikation haben wir die Aufgaben auf verschiedene Personen verteilt. Deswegen hat der Generalvikar die Schließungen verkündet. Man hätte es sicher besser und anders machen können, aber fehlerlos macht man es nie.

ZEIT: Wie konnte dieser riesige Schuldenberg des Bistums überhaupt entstehen?

Heße: Ich habe das selbst erst nach und nach durchschaut: 21 Schulen in einer Stadt sind sehr viel für ein kleines Diaspora-Bistum. Als ich vor drei Jahren nach Hamburg gekommen bin, hatten sie außerdem noch eine eigene Trägerschaft, den Katholischen Schulverband. Das hatte historische Gründe. Wenn man Bistum und Schulen isoliert voneinander betrachtet hat, sahen die Finanzen des Bistums nicht so schlecht aus. Aber das Bistum muss für die Schulen geradestehen, es hat nicht nur eine moralische, sondern auch eine rechtliche Verantwortung. Wir haben die Haushalte zusammengelegt, jetzt haben wir eine transparente Situation.

ZEIT: Wer war für diese Fehler verantwortlich?

Heße: Wenn Sie mehrere Bereiche in einer Institution haben, ist es leicht, dass der eine das auf den anderen schiebt. Ich weiß, dass man schon vor Jahren über die schlechten Zahlen debattiert hat, aber offenbar hat man keine Konsequenzen daraus gezogen. Es liegt wahrscheinlich auch daran, dass wir das jüngste Bistum in Deutschland sind. Offenbar hat man 1995 angefangen, die Diözese aufzubauen, und hat das so gut gemacht, wie es eben ging. Heute sehen wir, dass es nicht gereicht hat.

ZEIT: Haben Sie mal mit Ihrem Vorgänger, Alt-Erzbischof Werner Thissen, darüber gesprochen?

Heße: (schweigt lange) Tja. Es ist zu einfach, sich jetzt auf eine Person einzuschießen und zu sagen, da ist die Schuld. Vielleicht war es auch ein systemisches Problem. Diese Frage nützt mir aber wenig. Die Situation ist, wie sie ist. Wir müssen jetzt nach vorne schauen, um solche Dinge in Zukunft besser zu handhaben. Wir können mit den Schulen nicht die nächsten zehn Jahre weiter so umgehen wie bisher, sondern wir müssen sie auf einen guten Stand bringen. Wir träumen nicht von Schlössern, aber die Schulen, die wir haben, müssen gute Schulen sein.

ZEIT: Können sich am Ende nur noch die reichen Bistümer eigene Schulen oder Kitas leisten?

Heße: Genau das wollen wir verhindern, deshalb kürzen wir jetzt.