Der 2017 verstorbene Ex-Kanzler Helmut Kohl soll als junger Politiker für NS-Verbrecher gespendet haben. Das berichtet der Spiegelund beruft sich dabei auf jetzt aufgetauchte Unterlagen. Demnach habe Kohl rund 200 Mark pro Jahr an das Hilfswerk Hausser gezahlt, welches für inhaftierte NS-Verbrecher und deren Angehörige Geld sammelte.

Kohl selbst hatte Glück: Er musste nicht als Soldat in den Zweiten Weltkrieg ziehen. Dafür war der 1930 geborene Pfälzer etwas zu jung. Kohl hatte später immer wieder selbst gesagt, dass ihm die "Gnade der späten Geburt" zuteilgekommen sei. Weiter hatte er betont, dass sich die Deutschen seiner Generation in der Nazizeit nicht schuldig gemacht haben konnten.  

Das Hilfswerk Hausser war eine Art Sozialwerk der Hiag – der "Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS", einem Traditionsverband der SS. Dieses "Sozialwerk" wurde 1962 nach Paul Hausser benannt, einem Generaloberst der Waffen-SS, den Kohl laut Spiegel für einen "anständigen Mann" hielt. Dabei hatten Haussers Einheiten in der Sowjetunion und in Italien Kriegsverbrechen begangen. Hausser warb damals bei Politikern für die Altersversorgung seiner Kameraden und trug zur Verschleierung von NS-Verbrechen bei.

Kranzniederlegung am Soldatenfriedhof

Kohl hatte die Bundesrepublik von 1982 bis 1998 als Kanzler regiert. Seine Kranzniederlegung in Bitburg zusammen mit US-Präsident Ronald Reagan wurde zu einem großen bundesdeutschen Politskandal: Beide Staatsmänner hatten zum 40. Jahrestag der Kapitulation der Wehrmacht im Mai 1945 an der Gedenkstätte des KZ Bergen-Belsen und auf einem Soldatenfriedhof in Bitburg am 5. Mai 1985 Kränze niedergelegt. In der deutschen und der US-amerikanischen Öffentlichkeit sorgte das für Entsetzen, denn auf dem Bitburger Friedhof liegen auch Angehörige der Waffen-SS begraben.

Für viele Historiker und Politikwissenschaftler war der Kanzlerbesuch in Bitburg eine obszöne Geste, manche warfen Kohl eine Schlussstrichmentalität gegenüber den Verbrechen der Nazizeit vor. Der CDU-Kanzler wehrte sich heftig dagegen, er sah sich ungerecht behandelt.