Wichtige Ermittlungsakten zu einem ungeklärten Todesfall in Gewahrsam der Polizei Dessau sind von der Justiz gelöscht worden. Das berichtet die Mitteldeutsche Zeitung und beruft sich auf das Innenministerium von Sachsen-Anhalt. Der Fall gehört zu insgesamt drei ungeklärten Todesfällen, die sich zwischen den Jahren 1997 und 2005 bei der Polizei Dessau ereignet haben. 

Der bekannteste davon ist der Fall von Oury Jalloh. Der aus Sierra Leone stammende 37-Jährige verbrannte 2005 gefesselt in einer Zelle. Seither läuft ein Disziplinarverfahren gegen einen Dessauer Polizisten, das in diesem Jahr abgeschlossen werden soll.

Aber es kam dem Bericht zufolge zwei weitere Male vor, dass Menschen aus bisher ungeklärten Ursachen in Polizeigewahrsam starben: Ende 1997 wurde der aus Bitterfeld-Wolfen stammende Hans-Jürgen Rose nach einer Alkoholfahrt in Gewahrsam genommen. Er starb nur kurze Zeit, nachdem er wieder freigelassen wurde, an inneren Verletzungen – noch in der Nähe des Reviers. 2002 kam es zu einem weiteren Todesfall: Die Polizisten nahmen den obdachlosen Mario Bichtemann fest. Er starb an einem Schädelbasisbruch und wurde tot in der Zelle aufgefunden. Es wurde wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung ermittelt – allerdings ohne Erfolg.

Ebenso wie im Fall Jalloh halten sich jedoch hartnäckig Gerüchte, die Polizisten hätten die Männer misshandelt. Die Staatsanwaltschaft Dessau hatte daher einen Zusammenhang zwischen den drei Fällen vermutet.

Aufbewahrungsfristen sind verstrichen

Eine Aufklärung der Fälle könnte nun aber schwierig, wenn nicht sogar unmöglich werden. Wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtet, seien die Unterlagen zu dem Fall Rose bereits vernichtet worden. Auch Unterlagen aus dem Strafermittlungsverfahren gegen zwei Polizisten zum Fall Bichtemann seien nicht mehr vorhanden, ebenso wie Akten zu dem Disziplinarverfahren gegen zwei weitere Polizisten in diesem Zusammenhang. Der Grund: Die Aufbewahrungsfristen seien bereits abgelaufen. Außerdem argumentierten die Behörden mit Persönlichkeitsrechten und Datenschutz, berichtet die Zeitung.

Derzeit werden die noch verfügbaren Unterlagen im Fall Jalloh von der Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg geprüft, um festzustellen, ob der Fall wieder aufgerollt werden muss oder endgültig eingestellt wird. Unterdessen hat auch der Rechtsausschuss des Landtags Sachsen-Anhalt damit begonnen, die verbliebenen Akten zu prüfen.