Die Politikerin und Publizistin Jutta Ditfurth ist Opfer eines Gewaltverbrechens geworden – so schildert sie es. Ein Unbekannter habe sie am vergangenen Freitag im ICE nach Frankfurt mit einer Metallstange von hinten zweimal auf den Kopf geschlagen, schrieb Ditfurth auf Facebook. Ein Rettungssanitäter habe sie daraufhin versorgt, sie habe eine kalte Kompresse erhalten. Die restliche Zugfahrt habe sie auf einem Schwerbehindertenplatz verbracht. Trotz einer Gehirnerschütterung habe sie noch am Abend einen Vortrag im Freiburger Stadttheater gehalten.

Ihren Angaben zufolge gab es vor dem Angriff keinen Konflikt. Sie habe den Täter zuvor flüchtig gesehen und wegen der Metallstange fälschlicherweise für sehbehindert gehalten, schrieb Ditfurth. Nach der Tat habe der etwa 1,70 Meter große, deutschsprachige Mann den umstehenden Reisegästen seinen Angriff damit erklärt, dass der Zug verspätet sei und er Ditfurth nicht leiden könne. In Mannheim sei der Täter ausgestiegen.

Die Polizei habe Ditfurth nicht gerufen. Sie sei unmittelbar nach der Tat "zu verwirrt" gewesen. Der Frankfurter Rundschau sagte sie, der Zugbegleiter habe zweimal gefragt, ob er die Polizei benachrichtigen solle. Als sie bejahte, habe der Zugbegleiter gesagt, ein Polizeieinsatz führe zu einer weiteren Verspätung des ohnehin schon verspäteten Zuges. Wegen der flehenden Blicke der anderen Fahrgäste habe Ditfurth dann davon abgesehen. 

Gewalt gegen Politiker nimmt zu

Die Bundespolizei habe mittlerweile Ermittlungen aufgenommen, schrieb Ditfurth später auf Twitter. In einem Posting rief sie Zeuginnen oder Zeugen dazu auf, sich zu melden.

Stern.de sagte Ditfurth, es gebe anteilnehmende Reaktionen auf ihre Schilderungen, aber auch Drohungen und Todeswünsche. Sie liege im Bett und sei "noch etwas matschig", wurde sie zitiert.   

Die studierte Soziologin war in den Achtzigerjahren Mitbegründerin der Grünen. Als radikalökologische Vertreterin des linken Flügels war sie zeitweise im Bundesvorstand der Partei. 1991 verließ Ditfurth die Grünen wegen inhaltlicher Differenzen und gründete die Organisation Ökologische Linke, aus der später die Wählervereinigung ÖkoLinx-Antirassistische Liste hervorging. Heute sitzt sie für die Liste in der Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt am Main. Als Publizistin ist Ditfurth oft in Talkshows zu Gast.

In Deutschland werden Politikerinnen und Politiker häufig Opfer von Gewalt. 2016 gab es nach Angaben des Bundeskriminalamts etwa 1.800 Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger, wie ZEIT ONLINE berichtete. Darunter fielen schriftliche Drohungen, aber auch tätliche Angriffe. "Wir beobachten, dass Straftaten gegen Entscheidungsträger, Politiker, Betreiber von Flüchtlingsunterkünften und Helfer keine Einzelfälle sind", sagte BKA-Präsident Holger Münch.