Mittags vor der Tafel in Potsdam. Es ist windig und minus vier Grad kalt. Holger Krebs ist einer der Ersten heute, die zur Tafel kommen. Mit seinem Rollator, einer Krücke und zwei großen Einkaufstaschen kämpft sich der 52-Jährige die wenigen Stufen hoch vor die Tür.

Krebs ist schwerbehindert. Ohne seine Gehhilfen kann er kaum laufen. Trotzdem und obwohl es kalt ist, ist er schon eine Stunde vor der Essensausgabe da. "Dann bin ich früher wieder fertig", sagt der 52-Jährige. Es lohnt sich für ihn auch aus einem anderen Grund, so früh dran zu sein: Bei der Tafel trifft er jeden Freitag die gleichen Menschen. Sie lachen zusammen und machen Witze. Die Stimmung ist freundschaftlich in der Gruppe. Unter ihnen sind Deutsche, aber auch Russen.

Einige Meter weiter wartet eine zweite Gruppe von Männern und Frauen. Viele von ihnen kommen aus Syrien. "Sie können kein Deutsch", sagt Krebs. "Wenn jemand mal gebrochen Deutsch kann, unterhält man sich schon mal." Aber ansonsten habe er gar keinen Kontakt zu ihnen.

Krebs geht zur Tafel, weil die Rente nicht zum Leben reicht. So wie viele der mehr als 1.000 Menschen aus Potsdam, die die Tafel Woche für Woche versorgt. Nach der Scheidung von seiner Frau sei er ins "Nirwana" abgerutscht, erzählt er. Bei der Tafel bekommt Krebs wöchentlich Lebensmittel im Wert von 40 bis 50 Euro. Seit vier Jahren. "Was die Helfer hier machen, ist nicht hoch genug zu würdigen", sagt er.

Sie haben gedrängelt

Holger Krebs weiß, dass es die Helferinnen und Helfer nicht immer leicht hatten. "Jetzt ist hier Ordnung", sagt er. Doch vor einiger Zeit sei die Situation auch in Potsdam angespannt gewesen. Es habe Schwierigkeiten mit Flüchtlingen gegeben. Sie hätten sich nicht angestellt und hätten gedrängelt. "Als die Tür aufging, wollte jeder rein und der Erste sein. Das war ein großes Chaos." Ähnlich wie bei der Tafel in Essen.

Dass an diesem Freitag bei der Potsdamer Tafel alles klappt, dafür sorgt Sabine Sommer. Sie ist die Teamleiterin. Kurz vor der Essensausgabe wird es hektisch und Sommer rennt zwischen den Räumen hin und her. Sie schaut, dass alle Lebensmittel an der richtigen Stelle sind. Und dass sich die 20 ehrenamtlichen Helfer nicht im Wege stehen. Nebenbei arbeitet sie eine neue Helferin ein. "Stress? Ach, iwo", sagt Sommer. "Wir sind gut in der Zeit!"

Sommer ist arbeitslos. Sie bekommt Erwerbsminderungsrente. Seit 14 Jahren arbeitet die 64-Jährige für die Tafel. "Man muss doch was tun. Außerdem will ich der Gesellschaft etwas zurückgeben." Auch sie hat in den vergangenen Jahren beobachtet, dass sich etwas verändert hat an der Tafel. "Es sind einige Deutsche weggeblieben." Vor allem alte Menschen hätten Angst gehabt, in der Menge mit den Flüchtlingen zu stehen. Anders als die Flüchtlinge kämen sie oft alleine. "Die Flüchtlinge sind laut. Das sind die alten Leute nicht gewohnt."