Der russische Journalist Maxim Borodin ist am Sonntagmorgen gestorben. Der 32-Jährige war drei Tage zuvor aus noch ungeklärten Gründen vom Balkon seiner Wohnung aus dem fünften Stock in einem Mehrfamilienhaus im russischen Jekaterinburg gestürzt. Nachbarn hatten den Reporter gefunden und Rettungskräfte verständigt.

Tod von Borodin "Anlass für ernsthafte Besorgnis"

Nach Angaben der Ermittler handelt es sich um einen "unglücklichen Vorfall". Sie sehen kein Anzeichen für ein Verbrechen und unterstellen dem Journalisten Suizid. 

Anlass für eine "ernsthafte Besorgnis" sieht dagegen Harlem Désir, Beauftragter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) für die Freiheit der Medien. In einem Tweet forderte er eine "rasche und gründliche Untersuchung". Auch Organisationen wie Reporter ohne Grenzen machen sich für eine "sorgfältige und unvoreingenommene Aufklärung" stark. Nach Angaben des Komitees zum Schutz von Journalisten wurden seit 1992 in Russland 58 Reporter getötet.

Borodin hatte für den Pressedienst Nowi Den (Neuer Tag) gearbeitet und teils gefährliche Recherchen durchgeführt. Einem Bericht der britischen Zeitung The Times zufolge soll er kurz vor seinem Tod Freunden erzählt haben, bedroht worden zu sein. Menschen in Tarnkleidung seien vor seiner Tür gewesen, ein Mann soll dabei bewaffnet gewesen sein. Der Journalist habe seinen Freunden etwas später aber auch gesagt, dass es nur eine Übung gewesen sein soll.

Russische Söldner-Truppe mit Verbindung zu Putin

Zuletzt hatte Borodin über den Tod mehrerer russischer Söldner in Syrien geschrieben. Die Kämpfer waren demnach Mitglieder einer privaten Sicherheitsfirma, der sogenannten Wagner Group, benannt nach Dmitri Utkin, Spitzname Wagner. Medienberichten zufolge wird Utkin vor allem von Jewgeni Prigoschin finanziert, einem St. Petersburger Unternehmer, der zum engsten Kreis von Russlands Präsident Wladimir Putin zählt. Auch Borodin hatte mit Blick auf seine Recherchen erzählt, ein enger Putin-Vertrauter stecke hinter der Gruppe.

Dabei könnte es sich um Prigoschin handeln. Dieser hat mit zahlreichen Aufträgen aus dem russischen Verteidigungsministerium ein Vermögen gemacht und gründete nach Angaben eines ehemaligen Wagner-Söldners auch die Firma Ewro Polis, die im Auftrag der syrischen Regierung Öl- und Gaseinrichtungen sichert und dafür mit 25 Prozent an der künftigen Produktion beteiligt ist. Demnach zahle Ewro Polis jedem Wagner-Söldner zwischen 3.500 und 5.000 Dollar (2.800 bis 4.000 Euro) im Monat.

"Russlands Schattenarmee in Syrien"

Eine als Konfliktinformations-Team (CIT) bekannte Bloggergruppe nennt die Söldnertruppe unter Utkin und Prigoschin "Russlands Schattenarmee in Syrien". Das Unternehmen hat laut CIT etwa eine wichtige Rolle bei der Rückeroberung der syrischen Oasenstadt Palmyra gespielt. Wie viele seiner Kämpfer in Syrien im Einsatz sind, ist unklar. Der unabhängige russische Militärexperte Pawel Felgenhauer schätzte ihre Zahl im vergangenen Jahr auf 2.000 bis 3.000 Söldner. Viele unter ihnen sollen ehemalige Häftlinge sein.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte über Russen, die für private Firmen in Syrien kämpften. Bereits 2014 wurden zwei Männer in Russland zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie mehr als 200 ehemalige Militärangehörige für eine Söldnertruppe mit dem Namen Slawisches Corps rekrutiert hatten. Nach Angaben der Internetseite Fontanka, welche die Rolle privater Sicherheitsfirmen im Syrienkonflikt dokumentiert, wurde das Slawische Corps nach der Verurteilung seiner Chefs das Kernstück der neuen Söldnertruppe unter Utkin. Er selbst wurde – im Gegensatz zu seinen Vorgängern und trotz eines entsprechenden Gesetzes – bislang in Russland nicht rechtlich für sein Engagement belangt. Stattdessen wurde er im Dezember 2016 in Moskau ausgezeichnet – laut Kreml als verdienter Veteran.