Blutwerte Neuer Feind im Blut
Ich bin 63 Jahre alt, schlank, lebe vegetarisch und auch sonst sehr gesund. Die meisten Blutwerte liegen im Normalbereich, überhaupt bin ich sehr fit. Aber trotzdem habe ich einen zu hohen Wert an Homocystein. Was ist das überhaupt? Ist Homocystein gefährlich - und was kann ich dagegen machen?
Homocystein ist quasi der Nachfolger von Cholesterin – zumindest als Topverdächtiger auf der Liste der Herzkreislaufgifte. Dabei hat dieses Zwischenprodukt des Stoffwechsels gar nichts mit Fetten zu tun: Homocystein entsteht, wenn größere Mengen von so genanntem Methionin mit der Nahrung aufgenommen werden. Methionin wiederum ist eine essenzielle Aminosäure, ein Eiweißbaustein, den wir nicht selbst bilden können und der daher über die Nahrung zugeführt werden muss – Methionin ist für viele Vorgänge in unserem Körper unabdingbar.
Normalerweise ist Homocystein nur ein Zwischenprodukt, das beim Abbau dieses wichtigen Nährstoffs entsteht, es wird vollständig beseitigt. Wenn dieser Abbau aber nicht klappt, kann das problematisch sein: Seit langem ist bekannt, dass Patienten mit Homocysteinurie, einem seltenen Mangel an Homocystein-abbauenden Enzymen und extrem hohen Werten im Blut, frühzeitig an Arteriosklerose und der Bildung von Gerinnseln in den Gefäßen leiden.
Seit ein paar Jahren weiß man jedoch, dass auch mäßig erhöhte Konzentration von Homocystein im Blut mit einem zunehmenden Risiko für Herzkreislauf- und Gefäßerkrankungen wie Schlaganfall in Verbindung stehen können. In der Regel aber nur dann, wenn mindestens einer der klassischen Risikofaktoren für eine koronare Herzerkrankung (Bluthochdruck, Rauchen oder Diabetes) hinzu kommt. Auf welche Weise Homocystein Schaden anrichtet, ist bislang nicht geklärt, aber neuere Forschungsergebnisse legen nahe, dass die Substanz auch das Risiko für Alzheimer und sogar Osteoporose erhöht.
Es lohnt also schon, die Homocysteinwerte regelmäßig zu überprüfen. Als normal gelten Nüchternblutwerte zwischen 5 und 15 Mikromol pro Liter, optimal ist ein Wert kleiner als zehn Mikromol pro Liter. Etwa die Hälfte aller 50-Jährigen liegt jedoch darüber. Insgesamt haben epidemiologischen Studien zufolge etwa fünf bis sieben Prozent der Bevölkerung leicht erhöhte Homocysteinwerte.
Woher das kommt? Normalerweise sorgen zwei Regulationsmechanismen dafür, dass das Homocystein komplett abgebaut wird. Sie funktionieren jedoch nur, wenn sowohl Vitamin B12, Vitamin 6 als auch Folsäure in ausreichender Menge vorhanden sind. Fehlt ein einziges der Vitamine, wird der Abbau bereits erheblich gestört. Unter anderem sind die Zellteilung und zahlreiche Stoffwechselvorgänge, insbesondere im Nervensystem, beeinträchtigt. Homocystein sammelt sich in den Zellen, wird ausgeschleust und erscheint in hoher Konzentration im Blut.
Für einen Mangel der drei genannten Vitamine gibt es verschiedene Gründe: Zum einen essen viele Menschen nach wie vor zu wenig Obst und Gemüse, und nehmen deshalb generell zu wenig Vitamine auf. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt täglich etwa 600 bis 700 Gramm beziehungsweise fünf Portionen Obst und Gemüse. Tatsächlich essen die Deutschen durchschnittlich gerade mal 260 Gramm.
Speziell bei älteren Menschen können aber auch chronische Leiden einen Mangel an Vitaminen mit sich bringen: Eine Magenschleimhautentzündung zum Beispiel kann dazu führen, dass das Vitamin B12 nicht mehr vollständig aus der Nahrung aufgenommen wird.
Schließlich lassen eine gestörte Nierenfunktion und bestimmte Genvarianten von Enzymen die Homocystein-Werte steigen. Es ist gar nicht so selten, dass diese Enzyme genetisch bedingt verändert sind, nur eingeschränkt aktiv werden und deshalb weniger Homocystein abbauen.
Was aber kann man nun gegen erhöhte Homocystein-Blutwerte tun? Erste Maßnahme: Den Speiseplan noch einmal überprüfen und genau gucken, ob die wichtigen Vitamine tatsächlich mit im Spiel sind. Vegetarier sollten damit noch am wenigsten Probleme haben, da sie in der Regel genug frisches Obst, Gemüse und Vollkornprodukte essen. Wer sich unsicher ist, sollte aber nicht gleich zu teuren Vitaminpillchen greifen. Die können den Blutspiegel von Homocystein zwar um 25 bis 30 Prozent senken. Sie haben aber – entgegen allen Erwartungen – keinen messbaren Einfluss auf kranke Gefäße und die damit verbundenen Risiken für Schlaganfall und Co., zumindest nicht bei Risikopatienten mit entsprechenden Vorerkrankungen. Das haben mehrere Studien der letzten Jahre deutlich gezeigt.
Vielmehr wird sogar spekuliert, dass die zugeführten Vitamine sogar mehr Schaden als Nutzen bringen: Beispielsweise fördert nämlich möglicherweise die Folsäure sowohl das Zellwachstum als auch die Plaquebildung der Gefäßwände. Zumindest wenn man Diabetiker ist oder Probleme mit Herz oder Gefäßen hat, sollte man daher erst einmal keine Vitaminkombinationen zu sich nehmen, sondern die Ergebnisse weiterer großer Studien mit Daten von mehr als 50.000 Patienten abwarten.
Wer sich ganz sicher ist, ausreichend Vitamine über die Nahrung aufzunehmen, sollte gemeinsam mit dem Arzt nach einer der anderen genannten Ursachen suchen
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ohne sich dabei verrückt zu machen. Denn wie gesagt: Gemeinhin macht ein mäßig erhöhter Homocysteinwert noch nicht krank. Verzichten Sie im Zweifelsfall auf ihre zwei Zigaretten, machen Sie Sport und leben Sie weiter gesund, dann ist ihr Risiko für Herzkreislauferkrankungen vermutlich nicht erhöht.
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- Datum 05.12.2006 - 08:40 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Ja genau, das habe ich auch gedacht. Die Veganer behaupten zwar, ihre Darmbakterien produzieren dennoch das in der Pflanzennahrung nur höchst selten zu findende Vitamin B12, aber, Kinderärzte laufen Sturm, wenn sie hören, die Eltern seien Veganer. Lakto-Ovo-Vegetarier gehen diesbezüglich wohl kein Risiko ein. Lupino oder Shii Thake Pilze sind mir in letzter Zeit als vegetarische B12 Quellen bekannt geworden, Tempe natürlich auch, aber wo gibt es das schon. Shii-Thake beschleunigt übrigens auch den Abbau des Cholesterins, neben seinen zahlreichen anderen die Gesundheit fördernden Aspekten.
Es wirkt fast so als käme Vitamin B12 aus Obst und Gemüse....
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