Alkohol Der Morgen danach

Wie kann ich meinen Körper am besten auf die alljährliche Alkoholdusche zu Silvester vorbereiten? Und was tu ich am besten danach, wenn Kopfschmerzen, Schwindel und Erbrechen das Leben zur Qual machen können?

Kaum ist das fette Weihnachtsessen mit Schnäpschen und Glühwein überstanden, schon droht so mancher deutschen Leber (und nicht nur der) die nächste Zerreißprobe. Denn von Champagner bis Wodka, von Bier bis Jägermeister, für viele Deutsche gehört der Rausch am Jahresende zum Programm wie die Geschenke am Heiligabend. Ungeachtet der absehbaren Folgen: So feucht fröhlich die letzte Nacht im alten Jahr begangen wird, so böse ist in der Regel das Erwachen am nächsten Morgen. Brummschädel, Gliederschmerzen, Durst, Übelkeit und Erbrechen: "Alkoholisches Post-Intoxikations-Syndrom", der Volksmund nennt es schlicht Kater.

Nun gibt es zwar einen eigenen Forschungszweig, der sich mit dem großen Miau am Morgen danach befasst, aber auch die Crupologie kann die Ursachen für einen Kater noch nicht vollständig beschreiben. Klar ist, dass Alkohol dem Körper Wasser entzieht, und dass der Grund dafür eine gehemmmte Ausschüttung von Vasopressin im Hypothalamus ist. Das Hormon reguliert den Wasserhaushalt der Niere und sorgt dafür, dass der Körper nicht dehydriert, also austrocknet.

Ohne ausreichend Vasopressin scheiden die Nieren zu viel Wasser aus. Wer viel Alkohol trinkt, muss daher ständig aufs Klo, und dabei gehen wichtige Mineralien wie Magnesium, Kalium, Natrium und Kalzium verloren. Gestörter Wasserhaushalt und Elektrolytverlust lassen die Nervenzellen im zentralen Nervensystem erlahmen.

Eine weiter wichtige Ursache für den Kater ist das, was während des Abbaus von Alkohol passiert: Durch Mund und Magen-Darm-Trakt gelangen die Moleküle in die Leber. Dort soll das Nervengift Alkohol neutralisiert werden, und dazu treten zwei Leberenzyme auf den Plan: Zuerst die so genannte Alkohol-Dehydrogenase (ADH), sie verwandelt den Trinkalkohol Ethanol in Acetaldehyd. Acetaldehyd ist giftig, und muss daher schnell weiter abgebaut werden, durch ein weiteres Enzym - die Aldehyd-Dehydrogenase (AIDH) - zu ungiftiger Essigsäure. Dieser Abbau bereitet dem Körper allerdings Mühe, wenn die Alkoholmengen ein gewisses Maß überschreiten. Wir beginnen zu schwitzen und zu erröten, uns wird übel.

Verstärkt wird der Katzenjammer vermutlich durch Methanol. Der „Fusel-Alkohol“ ist in geringen Mengen in jedem alkoholischen Getränk enthalten und wird von denselben Enzymen (ADH und AIDH) zerlegt. Der Unterschied: Zuerst wird Ethanol abgebaut, dann Methanol. Die Abbauprodukte des Methanols –- Formaldehyd und Ameisensäure –- sind beide hochgiftig, sie verursachen in kleiner Dosis bereits Übelkeit und beeinträchtigen außerdem die Herzleistung. Die Bildung der Stoffwechselprodukte des Methanols fällt zeitlich klar mit dem Einsetzen der Kater-Symptome zusammen.

Getränke wie Brandy, Rotwein, Rum, Cognac oder Whisky enthalten mehr Methanol und verursachen daher offenbar einen schwereren Kater als Weißwein, Gin oder Wodka. Die Wahl des weniger belastenden Getränks kann also ein bisschen dazu beitragen, dass sich der nächste Tag nicht ganz so schlimm anfühlt.

Schließlich sind da noch die schlechte Luft, der Qualm, Bewegungsmangel und ein durch den Alkohol verschobener und unruhiger Schlaf: Sie bringen das Fass zum Überlaufen und den Kopf am nächsten Morgen zum Platzen. Allen Hoffnungen zum Trotz kann man das alles zwar nicht verhindern, und der beste Ratschlag ist und bleibt, den programmierten Vollrausch einfach zu streichen und sich mit einem Gläschen Sekt zu begnügen. Für alle, die es dennoch nicht lassen können: Die Kenntnisse über die Ursachen des Katers lassen ein paar Maßnahmen zu, die aus einem schlimmen einen halbwegs erträglichen Neujahrstag machen.

Die erste, weithin bekannte Grundregel: Trinken Sie niemals auf nüchternen Magen. Verzögern Sie die Aufnahme des Alkohols, indem sie eine Grundlage schaffen, mit etwas handfester Nahrung und nichtalkoholischen Getränken. Zudem soll eine hohe Dosis Vitamin C (1g) vor Alkoholgenuss - ähnlich wie Kohl oder Sauerkraut - einen Kater angeblich zu verhindern helfen.

Trinken Sie nicht zu schnell. Spülen Sie zwischendrin immer mit Wasser nach. Faustregel: Auf jedes Glas Alk sollte ein großes Glas natriumreiches Mineralwasser folgen. Das gleicht den Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt aus und beugt so den Kopfschmerzen am Tag danach vor. Fettes Essen verlangsamt auch während der Party die Aufnahme von Alkohol ins Blut und verzögert so die Wirkung. Auf dem Silvesterbuffet machen sich mineralstoffreiche Speisen wie Rollmops, Käsehäppchen, eine kräftige Suppe, Obst oder Nüsse gut.

Am Morgen danach muss dann der strapazierte Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt schnellstmöglich wieder ausgeglichen werden. Dazu eignen sich reichlich Mineralwasser und Gemüsesaft, gewürzt mit Salz. Auch klassische Katerfrühstück sollte Vitamine wie Mineralien in Massen enthalten: Ideal sind Heringssalat, sauren Gurken, Rührei und eine kräftige Bouillon, Vollkornbrot mit herzhaftem aber magerem Belag, Obst oder Rohkost, Quark oder Joghurt. Rote-Beete- und Artischockensaft (bzw. eingelegte Artischockenherzen) unterstützen die Leber und damit die Entgiftung des Körpers. Gegen Kopfschmerzen hilft das Einreiben der Schläfen mit einem Mentholstift oder Pfefferminzöl.

Hilfreich auch: Wer am Morgen danach kleine Ethanol-Dosen zu sich nimmt, bremst den schädlichen Methanolabbau, und auch kann die Katerstimmung etwas mildern. Die Betonumg liegt dabei auf "kleine". Richtig weitersaufen lohnt sich nicht, weil das Problem damit nur verschoben und nachfolgend eher verschlimmert, als verkleinert wird.

Wer Schmerztabletten braucht, kann sich mit Acetylcystein (ACC) oder N-Acetylcystein (NAC) helfen. Auch kann eine Magnesium-Brausetablette hilfreich sein, denn Alkohol verbraucht alle Vorräte. Wer mag, kann das homöopathische "Katermittel" Nux vomica testen. Wissenschaftlich belegt ist die Wirkung allerdings nicht. Und so schlecht sie sich auch fühlen: Bringen Sie Ihren Kreislauf in Schwung und bewegen sich an der frischen Luft. Das tut auch denen gut, die nicht zu viel getrunken haben. Beate Wagner

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Leser-Kommentare
  1. 1.

    ASS hat noch mehr Nachteile: Für einen Zeitraum von ca. 14 Tagen nach Einnahme (und zwar relativ unabhängig davon ob es eine Aspirin 100 oder 500 war) ist die Blutgerinnung beeinträchtigt. Das kann im dümmsten Fall zu schweren Hirnblutungen mit unabsehbaren Folgen führen. Dafür kann es bereits ausreichen sich den Kopf an einer offenen Schranktüre anzuhauen.

  2. 2.

    'Wer Schmerztabletten braucht, kann sich mit Acetylcystein (ACC) oder N-Acetylcystein (NAC) helfen'

    So ein Schwachsinn - die Dame meint vermutlich Acetylsalicylsaeure, ACC hilft mit Sicherheit nicht gegen Schmerzen. Fragen Sie lieber Ihren Arzt oder Apotheker anstatt der ZEIT zu glauben....

  3. 3.

    'Acetylcystein stellt dem Körper Cystein zur Verfügung, welches er zur Bildung von Glutathion benötigt. Deshalb wird es gerne zur Entgiftung des Körpers, z. B. bei der Bekämpfung eines Alkohol-Katers eingesetzt' (Wikipedia) - auch wenn das nicht direkt gegen den Schmerz geht. Der beliebte und direkt schmerzlindernde Gebrauch von Acetylsalicylsäure (Aspirin) hat den Nachteil, dass es die katerverursachte Magenproblematik eher verschärft, weswegen davon öfter abgeraten wird; ich las jetzt schon des öfteren, dass man stattdessen lieber Ibuprofen nehmen sollte.

    • Colon
    • 04.01.2007 um 3:40 Uhr

    Liebe Freunde des ZEIT- gemäßen alltagsmedizinischen Ratschlags. Wer am Morgen danach einige Kopfschmerzen hat, der nehme ruhig seine Acetylsalicylsäure (ASS,Aspirin,..). Wenn er/sie bekannte Probleme mit der Blutgerinnung oder dem Magen hat, hilft auch Paracetamol. Besonders gut wirken jedoch auch, wie beschrieben, Schlaf, ausreichend Wasser und ein gutes, auch salziges Frühstück.

    Wegen Unverträglichkeiten, Nebenwirkungen und sonstiger Beipackzettel-Risiken, bitte nicht gleich die Pferde scheu machen.

    Allerdings würde ich dem Acetylcystein, wie leider hier ärztlich empfohlen, in den üblichen Dosierungen keine Erfolge bei dieser Indikation zubilligen. Das trifft übrigens auch für die Hauptindikation solcher ACC und NAC-Präparate zu, die angeblich so hervorragende Hilfe bei der Schleimlösung und Schleimbildung im Rahmen eines
    bronchialen Infektes bieten sollen.

    Kleine Nebensächlichkeit: Acetylcystein lässt sich, mehr schlecht als recht, aber immerhin, zur Behandlung einer Paracetamolvergiftung einsetzen.

  4. 5.

    etwas besser kommt das ACC bei einer Paracetamolvergiftung schon weg.., bei rechtzeitigem Therapiebeginn entschärft man damit selbst exzessive Dosen..

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Kommentare 5
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