Da ist das Thema wieder: In ihrem Koalitionsvertrag halten SPD und Grüne fest: "Öffentliche WLAN-Angebote sind Teil der digitalen Infrastruktur großer Städte. Der Senat hat daher ein großes Interesse daran, öffentliche und öffentlich geteilte Netze auszubauen." Doch was in anderen Städten bereits Status quo ist, bleibt in Hamburg derzeit eher ein offenes Versprechen. Grund dafür ist oft die sogenannte Störerhaftung. Sie besagt vereinfacht gesagt, dass derjenige, der einen WLAN-Zugang zur Verfügung stellt, für illegale Aktivitäten von Nutzern geradestehen muss. Auf Bundesebene will sich die neue Hamburger Regierung laut Koalitionsvertrag dafür einsetzen, dass "bei der Nutzung von gewerblichen und privaten öffentlichen WLAN- Angeboten und Freifunk Rechtsklarheit herrscht."

Im Bund existiert derzeit ein Regierungsentwurf. Dem folgend sollen WLAN-Betreiber von der Störerhaftung ausgenommen werden, sofern sie "zumutbare Maßnahmen" ergreifen, Verstöße zu verhindern. Netzaktivisten wie Alexander Sander geht der Entwurf noch nicht weit genug. Der Geschäftsführer des Vereins Digitale Gesellschaft sieht in den geforderten zumutbaren Maßnahmen "unüberwindbare Hürden für private Betreiber". Sein Verein fordert daher, dass das sogenannte Providerprivileg für alle geltend gemacht wird. Auf dieses berufen sich derzeit Telekommunikationsanbieter. Nach verbreiteter rechtlicher Auffassung stellt es sie von der Störerhaftung frei. Und es hält ihnen Konkurrenz vom Leib.

Doch der Wettbewerb nimmt an Fahrt auf. Kabel Deutschland betreibt nach eigener Aussage in Hamburg derzeit 62 öffentliche WLAN-Hotspots und mehr als 100 in Betrieben und Cafés, sowie sogenannte Homespots in privaten Haushalten. 30 Minuten kostenloses Surfen bietet das Unternehmen an und erreiche damit zufriedenstellende Kundenzahlen: "Innerhalb von vier Monaten haben rund 88.600 Nutzer auf die WLAN-Hotspots in Hamburg zugegriffen", gibt das Unternehmen an. Zudem bemerke man wachsendes Interesse am Markt: "Wir haben den Eindruck, dass viele Anbieter die Bedeutung von WLAN-Hotspots erkannt haben", heißt es seitens der Firma.

7.000 neue Zugriffspunkte

Mit dem späten Schritt in die Funk-Moderne ist Hamburg als deutsche Großstadt im übrigen nicht allein. In Berlin beispielsweise will man im Mai nach drei Anläufen endlich entscheiden, wer die Stadt mit WLAN-Hotspots ausstatten darf. Dabei unterhält in der Hansestadt die Telekom eigenen Angaben zufolge bereits über 700 Hotspots und beobachte dabei "eine sehr gute Auslastung". Bis zu einer Stunde ist ihr Angebot kostenlos.

Zuletzt machte in Hamburg der lokale Provider willy.tel von sich Reden. Ende letzten Jahres kündigte die Firma an, rund 7.000 Zugriffspunkte in der Stadt schaffen zu wollen und darüber mit dem Senat zu verhandeln, um die WLAN-Geräte zum Beispiel an Ampeln oder Laternenmasten befestigen zu dürfen. Die Gespräche dazu laufen noch immer, wie Geschäftsführer Bernd Thielk erklärt. Er stellt fest: "Der politische Wille ist da." Die Presseberichte über die Pläne seines Unternehmens hätten zudem das Interesse der Öffentlichkeit geweckt, was auch der Stadt nicht verborgen geblieben sei.

Insgesamt will Thielk bis 2020 mit seinem Unternehmen "einige Millionen" investieren. Er will ein "leistungsstarkes, homogenes WLAN" errichten, was das Angebot seines Unternehmens von denen anderer unterscheiden soll. Nutzer würden automatisch von einen Zugriffspunkt an den nächsten weitergeleitet und müssten sich nicht an räumlich eng begrenzten Hotspots jeweils neu einwählen. Zudem soll dank der eigenen Glasfaser-Leitungen ausreichend Bandbreite zur Verfügung stehen, selbst wenn sich mehrere Hundert Nutzer gleichzeitig über einen Zugriffspunkt betätigen. "Das Netz soll auch bei Veranstaltungen stabil sein", sagt Thielk. Dies könnten private Angebote nicht leisten. Auch die Freifunker, die ehrenamtlich offene WLAN-Netze installieren, hätten nicht die Kapazitäten.