"Wem wir momentan gehören, wissen wir nicht mit Sicherheit", sagt Frank Gemein. Gemeinsam mit 24 Erwachsenen und sieben Kindern lebt er in der Jäpa, einem Wohnprojekt in der Wohlwillstraße auf St. Pauli. Sie teilen sich ein Badezimmer, eine Küche und eine Schneiderei. Ein Leben jenseits von Single- und Kleinfamilien-Apartments und doch mitten in der Stadt. 

Vor etwa 30 Jahren plante der damalige Besitzer, die SAGA, die alten Rotklinker-Häuser abzureißen. Das wollten einige Anwohner nicht hinnehmen, nach und nach besetzten sie einen Teil des Gebäudeensembles. Mit Erfolg: Die Stadt erwarb den denkmalgeschützten Gebäudekomplex und ließ die Protestler darin wohnen.  

Die Jäpa-Bewohner müssen der stadteigenen Lawaetz-Stiftung seither nur eine geringe Miete zahlen, sich dafür aber um die Sanierung der Häuser kümmern. Dafür bekamen sie auch Fördergeld. Ende der Achtziger begannen sie damit, die Gebäude so herzurichten, dass sie gemeinsam darin leben können.  

Die Abmachung zwischen der Stadt und den Bewohnern gilt bis heute. Der Mietvertrag läuft bis 2018 und beinhaltet sogar Verlängerungsoptionen. Aber: Die Bewohner haben Angst, im Stillen einen neuen Besitzer zu bekommen. Frank Gemein und seine Mitbewohner befürchten, sie könnten wieder der SAGA gehören, die nach einem Zusammenschluss nun SAGA GWG heißt. Eine Aktiengesellschaft im Besitz der Stadt, der 130.000 Wohnungen gehören. Ihre Aufgabe ist es, Gewinne zu erwirtschaften.  

Ab 2018 wäre dann für die Wohngemeinschaft Jäpa nicht mehr die Stadt Verhandlungspartner, sondern die SAGA GWG. In diesem Fall rechnet sie damit, schnell eine höhere Miete zahlen zu müssen oder Probleme bei der Vertragsverlängerung zu bekommen. Sie traut der Stadt als Vertragspartner nicht mehr und hält es sogar für möglich, dass diese ihre Häuser bereits vor 2018 an die SAGA GWG verkauft, ohne ihnen Bescheid zu geben.  

Einer der Gründe für diese Sorge sind die Erfahrungen anderer Wohnprojekte in Hamburg. Das nahe Karolinenviertel etwa war vor 25 Jahren zum Sanierungsgebiet erklärt und aufgewertet worden. Danach, Ende 2013, verkaufte die Stadt um die 800 Wohneinheiten für knapp 80 Millionen Euro an die SAGA GWG, darunter auch selbstverwaltete Wohnprojekte. Auch die Gegend rund um die Jäpa ist derzeit Sanierungsgebiet, noch bis Ende des Jahres. "Wir müssen damit rechnen, dass wir dann auch an die SAGA GWG gehen", so Frank Gemein.