ZEIT ONLINE: Herr Faham, Ihrem Videoprojekt German Lifestyle GLS folgen auf Facebook und YouTube inzwischen gut 80.000 Menschen. Wie sind Sie dazu gekommen?

Allaa Faham: Wir haben gemerkt, dass es eine Kluft zwischen Syrern oder Arabern und Deutschen gibt. Wir wollen vermitteln und aufklären, um diese Lücke zu schließen. Denn wenn man in Parallelgesellschaften lebt, ist es schwer, sich zu integrieren. In unseren Videos erklären wir deshalb das Leben in Deutschland, damit Ausländer dieses besser verstehen – und den Deutschen erklären wir gleichzeitig etwas über unsere Lebensweise.

ZEIT ONLINE: Sie produzieren Ihre Videos mit zwei weiteren jungen Syrern. Sie leben in Hamburg, die anderen beiden in Berlin und Göttingen. Wie haben Sie zusammengefunden?

Faham: Angefangen mit Videos habe ich allein. Dann habe ich über Facebook Abdul Abbasi kennengelernt. Er hatte ein Video über Sprache gemacht, das ich gesehen habe. Gemeinsam kamen wir dann auf die Idee des Videoblogs, mit dem wir im August vergangenen Jahres gestartet sind. Fayez Roman kam vor etwa drei Monaten dazu.

ZEIT ONLINE: Drei Männer in drei Städten arbeiten an einem Projekt, wie geht das?

Faham: Das Projekt machen wir in unserer Freizeit. Ich besuche in Hamburg das Studienkolleg, die beiden anderen studieren Zahnmedizin, Abdul in Göttingen und Fayez in Berlin. Wir haben viel zu tun, aber wir versuchen uns regelmäßig zu treffen. Wir produzieren im Schnitt vier Videos im Monat. Das ist auf die Distanz und eigenfinanziert nicht immer leicht.

ZEIT ONLINE: In Ihren Videos behandeln Sie typische Alltagssituationen und Missverständnisse, die Ausländer und Deutsche miteinander erleben. Wonach suchen Sie Ihre Themen aus?

Faham: Zuerst haben wir viel über die deutsche Sprache gemacht, inzwischen geht es mehr um den deutschen Lifestyle, die Kultur. Viele dieser Sachen haben wir selbst erlebt. In einem unserer Videos geht es zum Beispiel darum, wie es ist, als Flüchtling zur Bank zu gehen und dort nichts zu verstehen. Ich schätze, das ist eine Situation, die 99 Prozent aller Ausländer erlebt haben. Das passiert einfach jedem. Es ist sehr lustig.

ZEIT ONLINE: Warum haben Sie sich dafür entschieden, humorvolle Filme zu produzieren?

Faham: Wir haben gemerkt, dass die ernsthaften Videos oft polarisieren. Das Video Die Nachricht zum Beispiel ist nicht lustig, darin erklären wir, warum Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Vonseiten der Araber haben wir dafür keine schlechte Kritik bekommen, aber von einigen Deutschen schon. Die empfanden beispielsweise die Begleitmusik als Effekthascherei. Die lustigen Videos kommen besser an. Comedy ist die Sprache der Welt.

ZEIT ONLINE: Müssen Sie viel Kritik einstecken?

Faham: Nein, das ist die Ausnahme. Die meisten finden gut, was wir machen. Aber das Video Wenn Deutsche Makdos essen fanden nicht alle lustig. Es ist eine Parodie auf ein arabisches Video, in dem es ums Konvertieren geht. Unser Video handelt stattdessen davon, einen Deutschen auf den Geschmack von Makdos, eine arabische Speise, zu bringen. Das fanden nicht alle gut. Manche empfanden es sogar als Beleidigung der Religion. Religion spielt in der arabischen Kultur eine große Rolle, deswegen wird da manchmal auch etwas interpretiert, was wir in unseren Videos gar nicht darstellen wollen. Aber man muss da locker sein.

ZEIT ONLINE: Was man als Deutscher lustig finden kann, verstehen Menschen aus arabischen Kulturkreisen also eventuell ganz anders?

Faham: Ja, die Mentalität ist ganz anders. Manchmal finden Araber ein Video langweilig, aber die Deutschen lachen sich tot, das war zum Beispiel in Wie integriert man sich in nur 3 Schritten so. Da zeigen wir, wie ein Araber tanzt und wie man in Deutschland tanzt. Das fanden die Deutschen super lustig, die Araber hat das nicht so interessiert. Die fanden hingegen sehr gut, als wir Deutsche arabische Dialekte haben sprechen lassen.