Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

es ist leerer geworden in der Stadt; Firmen gaben ihren Mitarbeitern gipfelfrei, Eltern nutzten das Angebot der Schulbehörde, ihre Kinder unkompliziert vom Unterricht zu befreien, und planen ein verlängertes Wochenende an der Ostsee. Ist es die Ruhe vor dem Sturm – oder wird kein Sturm zu hören sein im Geknatter der Polizeihubschrauber? Werden die Gipfeltage trotz erster Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten, trotz Tausender prognostizierter gewaltbereiter Autonomen vielleicht doch noch ein Festival der Demokratie – wenigstens ein bisschen?

"Ich weiß natürlich, dass G20 den Hamburgern etwas zumutet", sagt Kanzlerin Angela Merkel im ZEIT-Interview mit unserem Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und dem stellvertretenden Chefredakteur Bernd Ulrich. Sie spricht über ihre Rolle in den kommenden zwei Tagen, ihren Aufruf zur Selbstbestimmung Europas und den Umgang mit dem immer noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

Und auch der kommt in der neuen Ausgabe zu Wort. In seinem ersten Interview mit einem ausländischen Printmedium seit fünf Jahren spricht der türkische Staatsführer – ebenfalls mit unserem Chefredakteur – über diejenigen, die ihn Diktator nennen ("Sie sollten erst einmal nachschlagen, was das ist, ein Diktator!"), über Meinungs- und Redefreiheit und den inhaftierten "Welt"- Korrespondenten Deniz Yücel, darüber, wer in seinen Augen alles ein Terrorist sei, und warum die Türkei Deutschland als ein Land ansehe, das Terroristen schütze.

Für das aktuelle ZEIT-Titelthema "Weltgipfel in Hamburg" hat Hamburg-Kollege Marc Widmann außerdem den Einsatzleiter der Polizei Hamburg, Hartmut Dudde, porträtiert. Auf den Hamburg-Seiten erinnert Ressortleiterin Charlotte Parnack daran, dass es auch an den Hamburgern liegt, welche Bilder von G20 man im Kopf behält: "Die Menschen hier können in den nächsten Tagen selber daran mitwirken, welche Art von Kulisse ihre Stadt sein soll. Was wird in Erinnerung bleiben? Welchen Eindruck bekommt die Welt von Hamburg?"

Im Hamburg-Teil der ZEIT finden Sie außerdem noch ein unverzichtbares Accessoire für die Gipfeltage: Eine große Hamburg-Karte mit allen wichtigen Informationen: Wo sind die Straßen gesperrt? Welche Demo zieht wann wo vorbei? Mit welchen Verkehrseinschränkungen ist zu rechnen? Nicht zu vergessen die 20 Fragen zu G20auf der zweiten Seite des Politikteils – darunter übrigens auch die: "Trug die Berliner Party-Polizistin wirklich nur einen Bademantel?" (Falls die neue ZEIT nicht längst in Ihrem Briefkasten oder der Tasche Ihres Bademantels steckt: es gibt sie am Kiosk oder digital hier).

Und wenn Sie verfolgen wollen, was sich beim Gipfel sonst noch alles tut: Hier geht es zum Live Blog auf ZEIT:Online.

Türen auf zum G20-Gipfel ...?

Während so manch Hamburger vor dem Gipfeltrubel wohl am liebsten in die eigenen vier Wänden flüchten würde, öffnen andere ihre Häuser und Wohnungen. Das Schauspielhaus ließ Demonstranten in der Nacht zu Mittwoch im Gang des Malersaals und im Malerfoyer schlafen, wie Sprecher Nils Wendtland bestätigte. Zahlreiche obdachlose Camper waren am Abend einer, wie es heißt, Falschmeldung auf Twitter gefolgt, wonach das Haus 1500 Plätze zur Verfügung stelle – am Ende habe man die Aktivisten dann in einem "Akt der Nächstenliebe" bei sich aufgenommen. Ob nun weiter im Theater gecampt werden darf, ließ das Schauspielhaus offen. Einige G20-Gegner haben derweil zu Gott gefunden: Drei evangelisch-lutherische Kirchen – die St.-Pauli-Kirche, die St.-Johannis-Kirche und die Thomaskirche in Rahlstedt – lassen Gipfelgegner auf ihrem Gelände schlafen. Die Nordkirche toleriert die Alleingänge der Pastoren zwar, von einer "Öffnung kirchlicher Grundstücke oder gar Einladung an G20-Camper" könne aber keine Rede sein, sagte uns Sprecher Stefan Döbler. In katholischen Kirchen wurde bislang noch kein Lager aufgeschlagen, doch das Erzbistum Hamburg gibt sich in der Frage recht entspannt: "Die Pfarrer haben das Hausrecht über ihre Kirche, sie entscheiden nach eigenem Ermessen, ob sie Aktivisten aufnehmen", so Sprecher Manfred Nielen.  Die Veranstalter des Protestcamps in Entenwerder haben übrigens trotz gestriger gerichtlicher Genehmigung darauf verzichtet, 300 Schlafzelte für jeweils zwei bis drei Personen aufzubauen: Man habe "keine Lust", dass die Polizei das Camp wieder auflöse.

... oder lieber Schotten dicht?

Banken und Geschäfte, die zentrumsnah liegen, wählen da lieber die andere Variante: Pünktlich zum Gipfel werden so manche Türen verschlossen und Fenster vernagelt. Die Haspa-Filiale am Schulterblatt etwa bleibt Freitag und Samstag zu, die Filialen am Kaiserkai in der HafenCity und am Jungfernstieg schließen am Samstag. Und dort, wo schon oft bei Demonstrationen Scheiben eingeschlagen wurden, wolle man sich "entsprechend sichern", sagt Sprecherin Simone Naujoks. Die Budni-Filialen öffnen indes alle weiter wie gehabt. Erst einmal jedenfalls: Schließungen seien durchaus möglich, jene Geschäfte in und nahe der Sicherheitszonen werden schon jetzt durch Barrikaden geschützt, so Sprecherin Wiebke Spannuth. Auch in den Colonnaden wollen einige Geschäfte schließen, ebenso im Levante-Haus – und der Lieblingsbäcker einer Teamkollegin (die Bramfelder Backstube auf St. Pauli) schließt gar von Donnerstag bis Samstag. Das einjährige Jubiläum der Eventreihe Kleine Läden in der Nacht am Donnerstag wurde abgesagt – nur sechs von 40 Läden wollten noch mitmachen, mittlerweile wollten sogar Geschäfte in Vierteln wie Winterhude und Ottensen an den Gipfeltagen schließen, sagte uns Initiatorin Katharina Walter. Und im Karolinenviertel, also in direkter Nähe zum Tagungsort Messehallen? Dort machen einige Läden die ganze Woche über zu, und in so manchem Schaufenster heißt es: "G20 go home!" oder auch "G20 nicht in der Nähe von Kindern".

"Die Polizei putscht gegen die Justiz"

Mehr als 30 Demonstrationen sind beim G20-Gipfel in Hamburg angemeldet: jede Menge Potenzial für Auseinandersetzungen mit der Polizei, bei denen rechtliche Fragen eine große Rolle spielen. Um die kümmert sich aufseiten der Demonstranten der sogenannte Anwaltliche Notdienst, rund 120 Anwälte, die sich unter dem Dach des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins e.V. zusammengeschlossen haben und deren Einsatz durch Spenden finanziert wird. Einer aus dem "Legal-Team" ist Rechtsanwalt Dirk Audörsch, Fachanwalt für Sozialrecht und Lehrbeauftragter an der HAW Hamburg.

Elbvertiefung: Herr Audörsch, wie funktioniert der anwaltliche Notdienst?

Dirk Audörsch: Bei Ereignissen, bei denen insbesondere mit freiheitsentziehenden Maßnahmen zu rechnen ist, können Demonstranten über die Telefonnummer 040/432 78 77 88 Namen von Personen durchgeben, die in Gewahrsam genommen werden oder wurden. Die Anwältinnen und Anwälte kümmern sich dann darum, dass diese Menschen ein rechtsstaatliches Verfahren bekommen. Einerseits geht es darum, ihre Freilassung schnellstmöglich zu erreichen, andererseits darum, bestimmte Maßnahmen im Vorfeld zu verhindern.

EV: Was können die Anwälte erreichen?

Audörsch: Wir können zum Beispiel den freien Zugang zu angemeldeten Demonstrationen ermöglichen, wenn die Polizei zeitraubende Vorkontrollen vornimmt. Die Anwälte fahren auch zur Gefangenensammelstelle, um sich dafür einzusetzen, dass in Gewahrsam Genommene innerhalb von drei bis sechs Stunden einem Richter vorgeführt werden. Erst vor einigen Tagen wurde das missachtet: Da waren nach einer politischen Aktion auf der Elbe ein paar Menschen 13 Stunden lang in Polizeigewahrsam, ohne einen Richter gesehen zu haben. Dieses Vorgehen missachtet Verfassungsrecht.

EV: Solcher Rechtsmissbrauch kommt bei uns tatsächlich noch vor?

Audörsch: Ja. Es müssen beispielsweise bestimmte Voraussetzungen vorliegen, damit die Polizei Schlagstöcke einsetzen darf; dieses findet jedoch auch statt, ohne dass die Voraussetzungen für die Zulässigkeit von unmittelbarem Zwang vorliegen, sodass der Schlagstockeinsatz rechtswidrig ist. Oder die Polizei beschlagnahmt zum Beispiel Plakate mit einer Länge von 2,50 Metern, obwohl das Verwaltungsgericht drei Meter Länge erlaubt hatte. Dann gilt es, diese Vorgaben vor Ort durchzusetzen. Denn wenn dies erst nachträglich durch Gerichte geklärt wird, kommt es für die konkrete Versammlung zu spät.

EV: Die Rechtsanwälte des anwaltlichen Notdienstes laufen ja zum Teil mit den Demonstranten mit, manche von ihnen tragen neonfarbene Westen mit der Aufschrift "Legal-Team". Warum ist das nötig?

Audörsch: Die Westen dienen einerseits unserem Schutz vor der Polizei und andererseits dazu, schneller erkannt zu werden für mögliche Rechtsgespräche mit der Polizei.

EV: Heute werden bei der "Welcome to Hell"-Demo rund 10.000 Teilnehmer erwartet, darunter sollen mindestens etwa 5000 Militante sein. Wird das für Sie ein Schwerpunkteinsatz?

Audörsch: Wie viele von uns vor Ort sein werden, hängt auch davon ab, ob die Polizei entsprechend den verfassungsrechtlichen Vorgaben versammlungsfreundlich vorgehen wird.

EV: Was erwarten Sie sich vom weiteren Verlauf des G20-Gipfels?

Audörsch: Dass die Polizei sich leider noch mehr über Recht und Gesetz hinwegsetzen könnte. So war es auch in Entenwerder: Es gab einen für die Anmelder positiven Beschluss, und trotzdem wurden Zelte beschlagnahmt und mit Polizeigewalt entrissen. Ein Kollege hat es so formuliert: Die Polizei putscht gegen die Justiz.

Demoreport (1): "Nachttanzdemo"

Wummernde Beats und junge Leute, die mit Bierflasche in der Hand über die Straße tänzeln: So war es gestern Abend an den Landungsbrücken, wo etwa 3000 Gipfelgegner sich zu einer "Nachttanzdemo" zusammenfanden, Motto: "Lieber tanz ich als G20!" Aufgerufen zu dem fröhlichen Protest hatte das Kollektiv "Alles Allen". Drei Stunden lang ging es zunächst am Hafen entlang, dann kreuz und quer durch St. Pauli. Die Stimmung: ausgelassen, wie bei einem Festival (wenn Herr Grote das gesehen hätte!), das Publikum: sehr jung, bunt,  trotzig. "Wir können es nicht ertragen, dass Autokraten in unsere Stadt kommen; dagegen wollen wir ein fröhliches Zeichen setzen", sagt die 23-jährige Carmen. Sieben Lautsprecherwagen begleiteten die bunte Menge, auf ihnen standen Parolen wie "G20 in die Tonne kloppen". "Seit Dienstagabend hat sich die Stimmung in der Szene verändert. Das Massencornern hat gezeigt, dass wir uns den öffentlichen Raum friedlich zurückerobern können", sagt Maarten Thiele, der die Demo angemeldet hatte. "Allerdings war es völlig unverhältnismäßig, den Pferdemarkt am Dienstagabend mit Wasserwerfern räumen zu lassen." Von Anspannung war hier gestern Abend aber nichts zu spüren.

Auch die Polizei sprach von einem bunten Protest und guter Stimmung.

Alternativgipfel: "Wir wollen Mut machen!"

Ein wenig trotzig klingt es ja schon: Weil sie mit der Politik der G20 nicht einverstanden sind, stellt eine Reihe zivilgesellschaftlicher Organisationen mal eben ein eigenes Gipfeltreffen auf die Beine: Gestern begann der zweitägige "Gipfel für Globale Solidarität" auf Kampnagel, der Andrang war groß – 1500 Teilnehmer aus aller Welt waren gekommen. Nun wird diskutiert, und zwar über die komplexe Frage, "wie man eine faire, bessere Globalisierung hinbekommen kann", wie uns Barbara Unmüßig vom Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg verriet. Schließlich gebe es in der Wirtschaft "wenige große Konzerne, die alle Macht auf sich konzentrieren", in autoritären Regimen weltweit würden "demokratische Spielräume zurückgedrängt". Oder, konkreter: Heute geht es darum, ob die Politik der G20 eine neue Finanzkrise verhindern kann (wir wittern da eine rhetorische Frage ...). Warum braucht es eigentlich auch noch diesen Gipfel, zumal sich im Juni bereits einige zivile Organisationen zum "Civil20"-Treffen an einen Tisch gesetzt haben? "Bei den Civil20 machen ausgewählte NGOs mit, hier aber können alle mitreden, das ist ein Dialogforum für die ganze Bevölkerung", sagt Unmüßig. Bleibt noch die Frage: Was kommt nach all den Diskussionen? Eine gemeinsame Resolution ist nicht geplant – im Gegensatz zum C20, bei dem man Bundeskanzlerin Angela Merkel einen ganzen Forderungskatalog überreichte, quasi als Handreichung für die G20-Verhandlungen. Der Schwerpunkt liege vielmehr auf Aufklärung und Vernetzung, sagt Unmüßig. Das Ziel: "Mut machen und Bewusstsein schaffen für die Stärke unserer Zivilgesellschaft".

Protest in seiner schönsten Form

Die aktuelle politische Lage und der nahende G20-Gipfel haben auch die Designwelt mobilisiert. Künstler und Grafiker von Beirut bis New York drücken ihren Protest in Plakatform aus, wollen Freiheit, Demokratie und Bürgerrechte. Zu sehen sind die Key-Visuals in der Ausstellung "Design talks politics" im Designxport in der Hongkongstraße, etwa die Hälfte der beteiligten Designer kommt aus Hamburg. Und sie verfolgen ganz unterschiedliche Ansätze, erzählte uns Babette Peters, Initiatorin der Ausstellung: "Manche thematisieren die despotischen Führer aus den USA, Russland oder der Türkei, andere setzen sich mit Europa und dem Brexit auseinander, andere mit Demokratie und Menschenrechten." Die meisten der Arbeiten wurden eigens für diese Ausstellung konzipiert. "Design ist immer auch ein Spiegel von gesellschaftlich relevanten Themen", sagt Peters. Die Form des Protests ist nicht neu: Key-Visuals haben Geschichte geschrieben. "Das Peace-Zeichen, das Anti-Atomkraft-Zeichen, die Friedenstaube, all das sind Gestaltungen, die zu einem Motto, zu einer Haltung geworden sind." Ob das mit einer ihrer Arbeiten auch passiert? "Das weiß man nicht. Aber sie haben das Potenzial, eine Aktion nicht nur zu dokumentieren, sondern auch Menschen hinter sich zu versammeln." Zu Peters Lieblingsmotiven gehört ein gelbes Plakat des Hamburgers Ole Utikal mit dem Schriftzug "I am so angry I made a sign": "Es bringt die Verzweiflung, die Hilflosigkeit und den Ärger über den Zustand der Welt zum Ausdruck und hat trotzdem einen humorvollen Schmunzeleffekt." Auch unsere ZEIT-Art-Direktorin Malin Schulz hat ein Plakat für die Ausstellung ausgewählt: "Grab truth" von Mart Klein. Wie das aussieht zeigen wir unten in der Fotogalerie.

Mittagstisch

Burger und mehr am Kanal

 

In einem Wilhelmsburger Industriegebiet etwas abseits des lebhaften Reiherstiegviertels findet sich das Hansekai. Zur Mittagszeit nehmen vor allem Büroangestellte aus den umliegenden Firmen in den modern eingerichteten Innenräumen oder auf der großen, überdachten Terrasse mit Blick auf den Jaffe-Davids-Kanal Platz. Mit dem Kanal hängt wohl auch der Name Hansekai zusammen, denn die Speisekarte hat recht wenig mit der Nähe zum Wasser zu tun: Fischgerichte sucht man dort vergeblich. Dafür ausgefallene Burger-Variationen, etwa "Der Franzose" mit Blauschimmelkäse, Walnüssen, Salat, Tomate, Zwiebeln und Gurke; mit Pommes frites aus normalen oder Süßkartoffeln und einer hausgemachten Trüffelmayonnaise. Auch Salate und Nudelgerichte stehen auf der Karte, Mittags gibt es zehn Prozent Rabatt auf ein À-la-Carte-Gericht und ein täglich wechselndes Mittagstisch-Gericht (5 bis 9 Euro). Diesmal gibt es Reisnudeln mit asiatischer Hackfleischsoße für 7,90 Euro; eine üppige Portion und gut gewürzt. Auch die Salate haben eine gute Größe, das Dressing ist gut portioniert, und die Hähnchenstreifen sind zart.

 

Hansekai, Wilhelmsburg, Jaffestraße 12, Mittagstisch Mo–Fr 11.30–15 Uhr

 

Marvin Mertens

Was gipfelt

ZEIT trifft G20: Klimawandel, digitales Zeitalter, Afrika – die großen Themen des Gipfels sind zugleich große Themen der Konferenz "ZEIT meets G20". Gäste wie Wolfgang Schäuble und Christine Lagarde diskutieren über "Germany’s G20 Presidency: Partnership in Times of Change". Die gesamte Veranstaltung gibt’s online im Livestream.

Programm, Livestream ab 12.45 Uhr, Schlussgespräch von Schäuble und Lagarde ab 17.30 Uhr

Friedensgebet: Am Vorabend des G20-Gipfels wollen Aleviten, Bahá’í, Buddhisten, Christen, Hindus, Juden und Muslime ein Zeichen für Frieden und Gerechtigkeit setzen. Das Interreligiöse Forum Hamburg und die Akademie der Weltreligionen laden zum gemeinsamen Gebet mit anschließenden Gesprächen.

Universität Hamburg, Edmund-Siemers-Allee 1, Hörsaal B, 18 Uhr

30-Stunden-Woche: Tag zwei beim Gipfel für globale Solidarität: Wie könnte man in Zukunft Arbeit fair verteilen? Welche Widerstände gibt es? Und was hätte Europa davon? Margareta Steinrücke und Micha Amiri von Attac diskutieren über eine sozial-ökologisch sinnvolle Arbeitszeit.

Kampnagel KX, Jarrestraße 20, 9–11 Uhr

Was geht

Freiluftkino: Gepflegte Unterhaltung unter freiem Himmel, die perfekte Mischung aus Kino und Sommer – zum Saisonauftakt zeigt das Zeise Open Air die französische Komödie "Monsieur Pierre geht online". Mit etwas Glück gibt’s zum Film auch noch Sternenhimmel und Sommernachtsluft.

Innenhof des Altonaer Rathauses, Platz der Republik 1, Kasse öffnet um 21.30 Uhr, Filmstart um 22 Uhr, Eintritt 8, ermäßigt 7 Euro

Druck machen: Flugblätter gegen G20 drucken? Oder gar für G20? Wer schnell noch sein Anliegen an die Litfaßsäule kleben will und keine Tinte mehr im Drucker hat, der sei beruhigt: Es geht auch anders. Wie genau, lernt man bei "Fett, Wasser und Stein": von der Lithografie zum Offsetdruck.

Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, 15–16 Uhr

Seelenstriptease: Die Ausstellung von Matzo Bostelmann ist nach einem Zitat von ihm benannt: "Da steckt ja meine Seele drin." Der junge Autodidakt bannt Menschen und Momente in skurrile und teils surreale Zeichnungen, die noch bis morgen im Kulturcafé Komm du zu begutachten sind.

Kulturcafé Komm du, Buxtehuder Straße 13, 7.30–17 Uhr

Hamburger Schnack

Bei der G20-Protestwelle berichtet ein kleines Mädchen seiner Mutter aufgeregt von Demonstranten, die übergroße Köpfe (aus Pappe) tragen. "Mama, die haben alle komische Köpfe auf. Affen und so." Die Mutter daraufhin: "Das ist kein Affe, das ist Trump."

 

Gehört von Jenny Steinhorst

Meine Stadt

Designer aus der ganzen Welt entwarfen Plakate für mehr Demokratie und Meinungsfreiheit. Gezeigt werden sie in der – oben erwähnten –Ausstellung im Designxport in der Hongkongstraße. © Plakate: Ole Utikal »ANGRY SIGN«, Malin Schulz, DIE ZEIT feat. Mart Klein »GRAB TRUTH«, Dominik Kyeck und Ricardo Cortez »#140ROSINEN« und Stefan Sagmeister, Sagmeister & Walsh mit Ward Sutton »FEAR//PINS WON’T SAVE THE WORLD« (v. o. l.)

SCHLUSS

Kein bisschen Frieden: In aufgeregten Zeiten braucht eine Stadt einen Popstar. Berlin hatte 1989 David Hasselhoff ("I’ve Been Looking for Freedom"). Hamburg hätte jetzt mit Elton John nachlegen können ("Can’t You Feel the Love Tonight?"). Am Sonnabend sollte der Popstar ein Konzert in der Barclaycard-Arena geben. Gestern teilte ein Sprecher des Konzertveranstalters jedoch mit, das Konzert müsse verschoben werden. Das Tourneeflugzeug habe keine Landeerlaubnis bekommen. Schade. Wenn schon der Bademeister Hasselhoff die Mauer niedersingen konnte, welchen Einfluss hätte Sir Elton auf die Weltpolitik haben können? Und wäre der Mann mit dem falschem Haar nicht schon rein symbolisch ein gutes Gegenbild zu anderen schlecht frisierten Alphamännern gewesen? Ob es so klug war, Elton John die Landung zu erschweren, werden sich auch die Sicherheitsbehörden fragen. Die Demonstranten könnten jetzt noch Verstärkung durch circa 10.000 enttäuschte Konzertbesucher bekommen, die nun einen freien Abend haben ...

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.