Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

heutzutage mietet – also "shart" – man längst nicht nur Autos und Filme, sondern alles Mögliche, von Akkuschraubern über aufblasbare Riesen-Schneekugeln bis hin zu Smokings samt der passenden Begleitung. Vorteil des Mietens: Man bezahlt nur, solange man etwas braucht, und ist es in der Regel wieder los, bevor es älter wird, kaputtgeht oder in die Werkstatt muss, kurz: bevor es richtig teuer wird und nervt. Und natürlich, erklärt Tchibo, gehe es den Mietkunden auch "um nachhaltigen Konsum".

Was ausgerechnet Tchibo damit zu tun hat? Das Handelsunternehmen steigt jetzt auch ins Mietgeschäft ein. Ab 23. Januar will das Unternehmen Baby-, Kinder- und Umstandskleidung zur Miete anbieten, nachhaltig produziert, neu oder gebraucht.Unter www.tchibo-share.de sollen Eltern (in spe) dann beispielsweise Jacken für vier Euro oder T-Shirts für zwei Euro im Monat mieten können, solange sie wollen. Oder so lange respektive so kurz, bis der Nachwuchs aus den Klamotten gewachsen ist; bezahlt wird höchstens der Verkaufspreis. Statt die gebrauchte Kleidung dann zu spenden, im Freundeskreis weiterzuverschenken oder sie online anzubieten und sich mit Schnäppchenjägern auseinanderzusetzen, die das Zeug am liebsten ebenfalls geschenkt haben wollen, allerdings zuzüglich Versand nach Bochum (weshalb man alles schließlich doch aufhebt, "falls man es noch mal brauchen kann"), schickt man die Kleider zurück an Tchibo Share. Dort würden Jacke wie Hose, so der Konzern, "professionell gereinigt, aufbereitet und an die nächste Familie zum Weitertragen versendet"; was sich nicht mehr tragen lässt, wird recycelt.

Wenn das Geschäftsmodell wirklich Schule macht: Nicht auszudenken, wie viel freien Platz in Kleiderschränken, Kellern und Speichern man dann als Familie wieder hat …

Ein Jahr Elphi: Zwischen Kanon und "King Louie"

Seit vor genau einem Jahr zum ersten Mal die Türen zu den Konzertsälen der Elbphilharmonie geöffnet wurden, gab es für Hunderttausende Besucher mächtig etwas auf die Ohren. Ob nun die gewaltigen Klänge der Einstürzenden Neubauten oder die von Beethovens Neunter durch die Philharmonie waberten, eines war immer gleich: Das Haus war voll. Aber hält das den Hamburgern – sprichwörtlich wie buchstäblich – so teure Konzerthaus, was es verspricht? Und was, wenn die Neugierde der Besucher und der Ansturm nachlassen? Die Kollegen der ZEIT:Hamburg haben zum ersten Geburtstag des Konzerthauses auf mehreren Seiten Bilanz gezogen. Was unter anderem das Klangerlebnis mit dem Sitzplatz zu tun hat und warum der musikalische Kanon in der Elbphilharmonie vielleicht überhaupt nichts zu suchen hat, hat Christine Lemke-Matwey in "Gehört sich so"in sieben Thesen niedergeschrieben. Wo es noch ein bisschen hakt und was (Garderoben-)Haken vielleicht damit zu tun haben, ist Thema in der Mark-Spörrleschen Kolumne "Warum funktioniert das nicht?". Mit vier Menschen, die täglich an der Elbphilharmonie Hand anlegen, damit so viel wie möglich bei den Veranstaltungen rundläuft, hat sich Kilian Trotier zum Interview "Bist du jetzt beim Klassenfeind?" getroffen, sich über das Vorurteil, die Elbphilharmonie sei ein elitäres Haus, aufklären lassen und dabei auch erfahren, welche Stars sich wie "King Louie" fühlen und welche bei der Zigarettenpause ganz volksnah sind. (Die Texte finden Sie natürlich auch in der neuen Ausgabe der ZEIT am Kiosk.)

G20: Hamburg auf der Anklagebank

Ein weiterer G20-Prozess steht an – einer, bei dem mal keine Demonstranten auf der Anklagebank sitzen: Nun verklagen Aktivisten die Stadt. Der Vorwurf: Das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit sei bei den Gipfelprotesten mehrfach verletzt worden. Zum einen geht es um die Protestcamps im Altonaer Volkspark und im Elbpark Entenwerder. Um die Frage, ob Aktivisten ihre Zelte im Grünen aufschlagen dürfen, war schon Tage vor dem Gipfel ein juristischer Streit entbrannt, es folgten Verbote, Auflagen, Tumulte. Die Justiz soll klären, ob Unterbringung und Verpflegungsmöglichkeiten unter die Versammlungsfreiheit fallen. Anwältin Ulrike Donat vertritt drei Kläger aus dem Camp Altona. "Dass die Stadt bei einem mehrtägigen Politikereignis sagt: ›Okay, ihr dürft demonstrieren, übernachten müsst ihr aber auf der Parkbank‹, ist zynisch", sagt Donat. Auch der Anmelder des Camps in Entenwerder will klagen, der umstrittene Polizeieinsatz dort sei der "Höhepunkt der Rechtsbrüche", sagt der Republikanische Anwältinnen- und Anwälteverein. Attac-Mitglieder klagen gegen das Verbot von Mahnwachen in der Demoverbotszone. Und auch dieser Vorfall soll ein Nachspiel haben: Am 7. Juli versuchten Gipfelgegner, die Protokollroute nahe der Unterkunft von Donald Trump an der Alster zu blockieren; in der Folge hätten Polizisten "auf friedliche Demonstranten ohne Vorwarnung eingeprügelt, eingetreten und Pfefferspray eingesetzt", sagt Donat, dabei müsse die Polizei eine Versammlung "erst auflösen, damit sie eingreifen kann. Das ist nicht passiert." Mehrere Personen, die nun klagen, seien damals erheblich verletzt worden.

Somit wirft dieser Rechtsstreit große Fragen auf: Wie viel Sicherheit verträgt unsere Freiheit? Können sich friedlich Gesinnte noch trauen, zu demonstrieren? Ulrike Donat: "Es geht um die Reichweite der Versammlungsfreiheit. Und die ist zentral für unsere Demokratie."

Hamburg, die Büro-Stadt

Begehrte Lage Innenstadt: Nicht nur Wohnraum ist in der City gefragt, auch die Nachfrage nach Büros wächst. 2017 wurden 13,4 Prozent mehr Büroflächen vermietet als im Vorjahr, berichtet die "Welt" – 640.000 Quadratmeter, um genau zu sein. Woran liegt’s?

"Hamburg ist einfach in!", sagt Axel-H. Wittlinger vom Immobilienverband IVD Nord. "14 Millionen Hotelübernachtungen jährlich sprechen für sich, außerdem haben wir eine große Start-up-Szene." Gefragt seien nun gerade kleinere Räume, die sich auch als "Co-Working-Spaces" eigneten (hippe Büros, in denen sich Selbstständige mit Laptop und Kaffeebecher einmieten – nein, liebe Leser und Sprachbewahrer: Auch diesen Anglizismus haben wir uns nicht ausgedacht). Besonders in der HafenCity und der City Süd wurden zuletzt viele Schreibtische aufgebaut, in Bahrenfeld sehe es indes "ganz anders aus, dort stehen noch einige Büros leer", so Wittlinger. "Der jahrelange Büroleerstand hatte strukturelle Gründe", glaubt Siegmund Chychla vom Hamburger Mieterverein. "Nach der Finanzkrise 2008 haben sich viele Unternehmen berappelt, nun ziehen immer mehr Studenten und hoch qualifizierte Fachkräfte her."

Hamburg, die Wohnungsbaustadt

Sauer aufstoßen könnte der Jubel über den Büroboom allerdings all jenen, die gerade auf Wohnungssuche sind – doch, wie passend, da kommt schon die zweite Erfolgsmeldung: Der Neubau von über 13.000 Wohnungen wurde letztes Jahr genehmigt – ein Rekord! Dennoch: "Erstaunlich ist, dass bei Gewerbeflächen im Gegensatz zu Wohnraum vorgesorgt wird", sagt Chychla. "Büros werden schön auf Halde gebaut und die Wirtschaftsbehörde kümmert sich darum, dass stets genug Industrieflächen da sind. Bei Wohnungen wird nur ad hoc reagiert – kein Wunder, dass die Wohnungen so knapp sind."

Wie lange es wohl noch dauert, bis die ersten Leute Kühlschrank und Bett ins Büro schleppen?

Arme Schweine!

Den Schwarzkitteln geht es an den borstigen Kragen: Die Wirtschaftsbehörde reagiert auf den Vormarsch der Afrikanischen Schweinepest und erleichtert den Abschuss von Wildschweinen. Es wurde eine Anordnung zur Aufhebung der Schonzeiten erlassen, geschossen werden darf quasi auf alles, was grau ist und grunzt, außer es hat Frischlinge im Gefolge. Bei der Jagd, berichtet der NDR, solle auch künstliches Licht zum Einsatz kommen, um die Tiere anzulocken. Die Angst davor, dass die Seuche nach Deutschland eingeschleppt wird, ist groß. Zwar ist die Krankheit für Menschen ungefährlich, für Schweine – auch Hausschweine können sich anstecken – endet sie aber meist tödlich. Um der Pest Herr zu werden, muss der Bestand der Wildschweine nun reduziert werden, empfiehlt das Friedrich-Loeffler-Institut. Weniger Schweine, weniger Sorgen? "Aktionismus", meint Wildökologe Sven Herzog im Interview mit dem ZEIT:Wissen-Kollegen Hans Schuh. Die verstärkte Jagd blende die Hauptursachen der Pest – Schweinezucht und transportbedingte Krankheitsverbreitung – aus. "Bestandssenkung durch intensive Jagd ist durchaus eine gute Seuchenprophylaxe. Aber die Jagd darf nicht zu einer Art radikaler Schädlingsbekämpfung verkommen", meint Herzog. Warum nämlich nicht die Schweine das Problem sind, sondern die Menschen, erzählt er in der aktuellen ZEIT.

"Mein Wunsch für Hamburg"

Christoph Lieben-Seutter © Michael Zapf

von Christoph Lieben-Seutter

"Ich wünsche mir für Hamburg, dass vor der Elbphilharmonie auch untertags mehr als zwei legale Taxistandplätze eingerichtet werden."

Christoph Lieben-Seutter ist Generalintendant Elbphilharmonie & Laeiszhalle



Mittagstisch

Rundum wunderbar

Im Sushi-Restaurant echtasien in Winterhude stehen Nepalesen hinter dem Tresen, die ihr Handwerk unter anderem bei Henssler gelernt haben. Dass die Barbeleuchtung im Sekundentakt die Farbe wechselt, tut der warmen, gemütlichen Atmosphäre des kleinen und stilvoll-schlicht eingerichteten Ladens keinen Abbruch. Zum Mittagstisch gibt’s auch Warmes – die gebackene Ente ist kross, das Wokgemüse perfekt gegart mit viel gutem Eigengeschmack, die Soße pikant-würzig (9,90 Euro). Die Bentovariation I für 11,50 Euro schmeckt sehr gut, aber versuchen Sie unbedingt jene mit Fisch, der wirklich großartig ist und hübsch auf einer Brücke aus Holz serviert wird. Auch die Spezialsoße mit Teriyaki-Creme und Chili-Mayonnaise verdient eine Erwähnung. Zu jedem Mittagsgericht gibt es eine Suppe, heute Misosuppe mit Tofu, Algen, Lauchzwiebeln und geröstetem Sesam. Das Dessert wird ausgelassen, obwohl sich gebratenes Grüntee-Eis in Frühlingsteig spannend anhört (5,50 Euro). Sicher eines der besten Sushirestaurants der Stadt (mit Filiale in Blankenese), dem noch mehr Aufmerksamkeit gebührte.

echtasien; Winterhude, Alsterdorfer Straße 85, Mittagstisch Mo–Fr von 12–15 Uhr

Christiane Paula Behrend

Was geht

Mixtape auf Leinwand: Die schwarze Faust ragt wie aus Eisen gegossen in den Himmel. Das Markenzeichen der "Black Power" aus den sechziger Jahren suggeriert noch heute Kraft, Mut, aber auch Gewaltbereitschaft. Der Dokumentarfilm "The Black Power Mixtape 1967–1975" spiegelt in Text, Musik und Bild den Zeitgeist der Bewegung wieder. Er basiert auf Archivmaterial schwedischer Journalisten, die Ende der 1960er Jahre in die USA reisten. Vorführung mit Vortrag von Christian Staas, Ressortleiter Geschichte der ZEIT.

Metropolis, Kleine Theaterstraße 10, 19 Uhr

Was bleibt

Sprachlose Lesung: Wie lässt sich eine ehemals heile Welt nach einem Anschlag wie dem auf "Charlie Hebdo" kitten? Der Roman "So laut die Stille" sucht Worte gegen die Sprach­losigkeit. Schriftstellerin Laurence Tardieu umkreist die Frage, was persönlicher Verlust im Angesicht des Terrors wiegt und wie sie beidem begegnen kann. Lesungen in französischer und deutscher Sprache.

Lesungen: Literaturhaus, Schwanenwik 38, heute um 19.30 Uhr, 7 Euro; Buchladen in der Osterstraße, Osterstraße 171, morgen um 20 Uhr, 7 Euro

Couchsurfen auf Russisch: "Willkommen am Arschloch der Welt!", ruft die Russin Stephan Orth zu. Zwischen Moskau und Wladiwostok fahndet der junge Schriftsteller nach dem wahren Russland, lebt bei Einheimischen, diskutiert über Politik, Propaganda und Pelmeni. In "Komme gerade zurück … vom Couchsurfen in Russland" zeichnet er per Fotoreportage und Lesung das Bild eines riesigen Landes auf der Suche nach sich selbst.

Dr. Götze Land & Karte, Alstertor 14–18, 19 Uhr, 10 Euro (inklusive Snacks & Getränken), Anmeldung unter 040/35 74 63 0

Tipps für Kids

Mini: An einem Frühlingsmorgen entdeckt der Hase den Igel. So etwas Stacheliges hat er noch nie gesehen. Ihm gefällt der Igel - und dem Igel gefällt das weiche Fell des Hasen. Von nun an treffen sich die beiden jeden Morgen auf der Lichtung am Bach. Bilderbuchkino: "Wir zwei gehören zusammen" für Kids ab drei Jahren.

Bücherhalle Kirchdorf, Wilhelm-Strauß-Weg 2, Fr, 10.30 Uhr, Eintritt frei

Medi: Machen Streifen wirklich doof? Und stimmt es, dass man mit langhalsigen Tieren nicht vernünftig reden kann? Wichtige Fragen für Giraffenkind Raffi und Zebra Zea. Seit Jahren leben ihre Herden nebeneinander, aber denkt ihr, sie würden miteinander reden? Zum Glück sind da noch die pfiffigen Erdmännchen. "Tuishi pamoja" (Swahili: "Wir wollen zusammen leben") ist ein Musical für Kids zwischen sechs und 12 Jahren über eine Freundschaft in der Savanne, gesungen vom Kinderchor Cantolino.

Hamburger Konservatorium, Sülldorfer Landstraße 196, Sa, 15.30 Uhr

Medi/Maxi: Schöner als je zuvor kehrt Schneewittchen nach dem Tod ihres Vaters zurück ins Schloss und erhebt Anspruch auf die Krone. Natürlich schickt die böse Stiefmutter sie in den Wald – aber nun nimmt "Schneewittchen und die 7 1/2 Zwerge" einen verrückten Lauf. Es gibt zum Beispiel einen achten Zwerg, der unbedingt mitmachen will, leider aber zu groß für die Zwergenlöcher ist. Ob das noch was wird? Märchenklassiker auf Abwegen, gespielt von der Jugendtheatergruppe t2c der Markus-Kirchengemeinde.

Gemeindehaus an der Trinitatiskirche, Halenseering 6, Fr, 19.30 Uhr, und Sa, 15 sowie 19.30 Uhr, Spenden erbeten

Maxi: Ausbildung, Studium, Praktika? Wie jede Generation muss der Nachwuchs von heute sich diesen Fragen stellen. Unentschlossenen bietet die Jobmesse Hamburg Orientierung: Neben zahlreichen Firmen, die Fachkräfte von morgen suchen, gibt es einen Bewerbungsmappencheck, Vorträge und Tipps von Wirtschaftsexperten.

Hamburg Cruise Center Altona, Van-der-Smissen-Straße 5, Sa, 10–16 Uhr, So, 11–17 Uhr, 3 Euro, Schülertickets gratis online

Hamburger Schnack

Zwei Frauen in der S-Bahn. "Wie geht’s denn eigentlich dem Herbert?" – "Du, ganz schlecht. Der hat ’n Virus im Knie." – "Igitt, ’n Virus! Wie kommt der denn DA rein!?"

Gehört von Horst Breiter

Meine Stadt

Skulptur in einem Lemsahler Vorgarten. Ob der Besitzer sein verlorenes Hobby so noch jeden Tag vor Augen haben kann? © Jana Nevermann

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.