Hamburg (dpa/lno) - Kein Aufatmen für Lufthansa-Passagiere in Hamburg. Nachdem am Mittwoch nur vier Lufthansa-Maschine vom Flughafen in der Hansestadt abheben konnten, kündigte die Gewerkschaft am Abend weitere Streiks an. Nun gehen die Aktionen auch am Freitag weiter. Da würden Kurzstreckenflüge bestreikt.

Am Mittwoch wurden 14 der 16 Flüge nach Frankfurt und 12 der 14 Flüge nach München wurden wegen des Streiks der Piloten gestrichen, teilte ein Lufthansa-Sprecher mit. Und am Donnerstag sieht es ähnlich aus. Am zweiten Streiktag fallen 13 von 15 Abflügen nach München aus und 14 von 16 Starts nach Frankfurt. Das gleiche gilt für die Ankünfte aus den beiden Städten. Die gestrichenen Verbindungen machen mehr als zehn Prozent aller Flüge ab Hamburg aus.

Die Lufthansa bedient von Hamburg aus nur Frankfurt und München, alle anderen Ziele werden von Tochtergesellschaften angeflogen. Rein rechnerisch werden 5000 bis 6000 Passagiere am Donnerstag nicht von und nach Hamburg reisen können.

Die Lage am Flughafen war bis am Mittwochnachmittag sehr ruhig geblieben. "Es gibt kein Chaos", sagte eine Sprecherin des Flughafens. Viele Passagiere seien gar nicht zum Flughafen gekommen, da sie rechtzeitig per SMS und E-Mail über die Ausfälle informiert wurden. Wer ab Hamburg einen Zubringerflug nach Frankfurt oder München für eine Interkontinentalverbindung gebucht habe, könne innerhalb des Lufthansa-Netzes auf die Knotenpunkte Zürich, Wien oder Brüssel ausweichen, sagte Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber.

Bundesweit sind am Donnerstag 912 Verbindungen betroffen, teilte die Fluggesellschaft am Mittwoch mit. Die Lufthansa drängte die Gewerkschaft VC zu einer Vermittlung. "Wir müssen die Schlichtung haben", sagte Lufthansa-Sprecher Martin Leutke im ZDF-"Morgenmagazin". Er warf der Vereinigung Cockpit (VC) vor, sie sei "offenbar mehr an einer Eskalation interessiert als an einer zielorientierten Lösung des Konflikts". Zugleich betonte das Unternehmen seine Bereitschaft zu neuen Tarifverhandlungen. Doch der Tarifstreit scheint derzeit festgefahren: Die Gewerkschaft drohte mit einer Fortsetzung des Arbeitskampfs.

Die Gewerkschaft verteidigte den neuen Streik. "Wir sind abgekoppelt worden von der Lohnentwicklung in Deutschland in den letzten fünf Jahren und da möchten wir nicht länger zuschauen", sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg im "Morgenmagazin". Solange "kein verhandlungsfähiges Angebot" von der Lufthansa komme, könne es immer wieder zu neuen Ausständen kommen.

Der Anlass des aktuellen Streiks sind Forderungen zum Gehalt der rund 5400 betroffenen Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und der Tochtergesellschaft Germanwings. Die Piloten verlangen Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent über einen Zeitraum von fünf Jahren bis April 2017. Der deutsche Flughafenverband ADV befürchtet Schäden in Millionenhöhe durch den Streik.

Abflugplan Hamburger Flughafen

Ankunftsplan Hamburger Flughafen

Webcam Terminal 2 Flughafen Hamburg