Hamburg (dpa/lno) - Die Hamburger St.-Michaelis-Gemeinde will das Pfingstfest im Reformationsjahr mit einer großen Salzaktion feiern. Hauptpastor Alexander Röder bestellte dafür am Montag 500 Pfund Salz bei der Lüneburger Sülfmeisterin Anabel Köhlbrandt (26).

Sülfmeister waren einst die Pächter der Siedepfannen und machten darin aus der Sole das kostbare Salz. Auch das Michel-Salz soll nach dem traditionellen Verfahren im Deutschen Salzmuseum gesiedet und mit einem historischen Frachtsegler ("Salz-Ewer") nach Hamburg geliefert werden.

Die Gemeinde will das Salz im Pfingstgottesdienst mit Salzspenden aus aller Welt mischen und dann als "Michel-Salz" in kleinen Säckchen gegen eine Spende abgeben. Die Einnahmen sollen in soziale Projekte der Gemeinde fließen.

Martin Luther habe vor 500 Jahren verkündet, dass durch den Glauben jeder Mensch frei und einzig an Gott gebunden sei, erklärte Röder. St. Michaelis wolle diese Botschaft mit der Aktion "Ihr seid das Salz der Erde" (Matthäus 5,13) wieder erlebbar machen. Das "Michel-Salz" werde mit dem Salz aus aller Welt gemischt und dadurch zum "Salz der Erde". Es gehe um die reformatorische Idee, alle getauften Menschen an einer Volkskirche zu beteiligen. Jeder Christ solle sich als ein Salzkorn fühlen, das die Welt würzt.

Der Hamburger Autor Michael Batz und der Kantor der Christianskirche in Hamburg-Ottensen, Igor Zeller, haben Salzchoräle geschrieben, die am Pfingstsamstag im Michel zu Gehör kommen sollen. Batz deutete an, dass er die Salzidee mit Gesellschaftskritik verbinden werde. "Wir leben in Zuckerzeiten", sagte er. "Wir müssen immer aufgeregter sein und das heißt, wir müssen immer mehr Zucker zu uns nehmen." Salz sei dagegen ein Freiheitsmaßstab. "Wir haben die Freiheit zu salzen."

Michel-Stiftung zur Salzaktion