Wer beim Direktor der Real Madrid Foundation Clinics Germany anruft, der ersten Fußballschule des spanischen Rekordmeisters auf deutschem Boden, landet in einem Reihenhaus in Hamburg-Lokstedt. Hier, im grünen Gürtel der Stadt, fünf Kilometer von der Arena des Hamburger SV entfernt, sitzt Stefan Kohfahl in der leerstehenden unteren Etage seines Familienhauses am Schreibtisch. Bald wird in diesen Räumen das Büro entstehen, von wo aus die große Talentsuche koordiniert werden soll. Kohfahls Handy brummt ununterbrochen. Die Presse, Trainer, Eltern rufen an. "Tschuldigung, da muss ich mal eben dran", sagt er zum dritten Mal innerhalb von fünfzehn Minuten.

Stefan Kohfahl, der einst vier Jahre als Trainer für die Fußballschule des HSV arbeitete, ihr zur Marktführerschaft mitverhalf, ist jetzt also ein Königlicher. Im großen Spiel der Namen aber ist er ein Unbekannter. Seine letzte Trainerstation war der Oststeinbeker SV, fünfte Liga in Hamburg. Davor trainierte er den TSV Stellingen 88 und den TSV Buchholz 08 – Fußballniemandsland. Wie schafft es jemand wie er, einen der größten Fußballvereine der Welt von seiner Arbeit zu überzeugen?

Kohfahl hat das Handy mittlerweile beiseitegelegt und scrollt etwas hektisch durch sein E-Mail-Postfach. Im Vorschaufenster erscheinen die Vereinslogos von Benfica Lissabon, FC Valencia und schließlich Real Madrid. Zehn europäischen Topclubs hat der Hamburger sein Konzept einer Fußballschule angeboten. Zwei Monate reiste er dafür zwischen den Clubzentralen hin und her, belastete sein Haus mit einem hohen Kredit, um die Kosten aufbringen zu können. Am Ende wollen sechs Vereine mit ihm zusammenarbeiten. Kohfahl entscheidet sich für Real Madrid

Offene Türen bei Real Madrid

Er erzählt mit großen Augen von den Gesprächen mit den Vereinsverantwortlichen, den offenen Türen, die er mit seiner Vision letztlich eingerannt habe und vom Schokobrunnen im VIP-Bereich des Santiago-Bernabéu-Stadions. Als würde er sich seine Worte selbst noch nicht glauben können, sucht er nach dem E-Mail-Wechsel mit Real-Generaldirektor José Ángel Sánchez. "Der José" sei ein Visionär, sagt Kohfahl. Gleich beim ersten Treffen in Madrid habe Sánchez ihn persönlich begrüßt, habe alles über Kohfahls Konzept hören wollen.

Die Idee, mit der Kohfahl den Real-Mann überzeugte, klingt zuerst wenig revolutionär. Mit einem Trainerteam will Kohfahl durch Deutschland zu insgesamt 80 Partnervereinen reisen und vor Ort jeweils eine Woche Training geben. 41 Trainer hat er dafür im Portfolio. 200 Euro kostet die Eltern der Nachwuchskicker der Kurs, bei dem Technik, richtige Ernährung und Sozialverhalten vermittelt werden sollen.

Gibt es das nicht längst in Deutschland? Es stimme schon, sagt Kohfahl, alle 36 Vereine der ersten und zweiten Bundesliga haben eine eigene Fußballschule. Doch bei den meisten Vereinen sind die herumreisenden Fußballschulen fast ausschließlich für die Vermarktung gedacht. Anders als Nachwuchsinternate und Jugendmannschaften sind Fußballschulen keine sportliche Abteilung des Vereins, sondern an die Marketingabteilungen der Vereine angeschlossen.

Die vermeintliche Talentförderung sei ein besserer Fußballzirkus zur Vermarktung der Fanartikel, sagt Kofahl. Er will mehr. Er spricht von der persönlichen Entwicklung der jungen Fußballer, von Respekt und Werten. "Man muss den Kindern auch das Verlieren beibringen, sie nicht fallen lassen, wenn sie mal nicht so stark sind."