VfL Wolfsburg - Hamburger SV 3:0. Im Bild: Der Wolfsburger Luiz Gustavo (M.) zwischen den Hamburgern Valon Behrami (l.) und Rafael van der Vaart. © dpa

Es ist so typisch für den HSV: Da lobe ich die Mannschaft nach dem 1:0-Sieg gegen Bayer 04 Leverkusen noch dafür, dass sie in der Lage ist, 90 Minuten lang fehlerfreien Fußball zu spielen. Und nur eine Woche später zeigt dieselbe Mannschaft, dass alle Hoffnungen auf einen länger als 24 Stunden anhaltenden Aufwärtstrend vergebens waren und dass Sonntagnachmittage zu kostbar sind, um sie mit dem Anschauen von HSV-Spielen zu verbringen. Aber der Reihe nach.

Es ist sicherlich keine Schande, gegen den VfL Wolfsburg verlieren, zumal auswärts. Immerhin hatte der aktuelle Tabellenzweite vor dem Spiel gegen den HSV sieben Pflichtspiele in Folge gewonnen. Allein deshalb habe ich mir zwar wie immer einen HSV-Sieg gewünscht, aber wie fast immer eine Niederlage erwartet. Folglich war das 0:2 weder eine Überraschung noch eine allzu große Enttäuschung für mich. Einzig die Art und Weise, wie der HSV sich gegen Wolfsburg (mal wieder) präsentiert hat, macht mich wütend.

Laut Statistik hatte der HSV zwar ganze zehn Torschüsse, wirklich gefährlich war aber kein einziger Torversuch der Hamburger. Und sowieso habe ich bei Torchancen des HSV immer das Gefühl, dass es sich um reine Zufallsprodukte handelt.

Es ist wie eine Krankheit

Ein Drittel der Saison ist nun schon wieder vorbei, und noch immer ist beim HSV kein Spielsystem, geschweige denn so etwas wie Spielfreude zu erkennen. Dafür meine ich die beiden Hauptgründe für die nun seit gefühlt fünf Jahren anhaltende Krise des HSV endlich identifiziert zu haben. Erstens: Der HSV hat ein Defensivproblem. Zweitens: Der HSV hat ein Offensivproblem (vier! Tore nach elf Spielen). Für die Lösung der Probleme bin ich zum Glück nicht zuständig.

Wenn hinten gar nichts und nach vorne noch weniger klappt, kann es hilfreich sein, zumindest jemanden in der Mitte zu haben, der einen Ball annehmen und weiterspielen kann. Jemanden, der Ruhe und Sicherheit ausstrahlt. Bis gestern war das der defensive Mittelfeldspieler Valon Behrami. Der Schweizer Nationalspieler kam im Sommer vom italienischen Top-Club SSC Neapel, hat Champions-League- und WM-Erfahrung.

Anfangs dachte ich noch, der leidenschaftliche Behrami könnte den HSV mit seiner Art und seiner Erfahrung von unten nach oben führen, aber nach dem Spiel gestern glaube ich eher, dass der HSV den Schweizer runterzieht.

Gegen Wolfsburg hat Behrami sein vielleicht schlechtestes Spiel für den HSV gemacht. Mit seinem ersten groben Fehler leitete er die Hamburger Niederlage ein, beim vorentscheidenden 0:2 war der 29-Jährige zu unentschlossen im Zweikampf. Zwei Fehler, zwei Gegentore. Das ist bitter.

Dennoch glaube ich, dass Behrami am allerwenigsten für die aktuelle Lage des HSV kann. Schlechter Fußball steckt an, das weiß man nirgendwo so gut wie in Hamburg, wo seit Jahren gute Spieler kommen und schlecht werden oder hier schlecht gewordene Spieler gehen und wieder gut werden. Es ist wie eine Krankheit, und gestern hat es Behrami erwischt. Da bleibt mir nur zu sagen: Gute Besserung, Valon. Die Mannschaft braucht dich.