Damit Fernsehkommentatoren etwas zum Erzählen haben, wenn ihnen zum Spiel nichts einfällt, gibt es Statistiken. Zum Beispiel darüber, seit wie vielen Freitagabendspiel-Minuten der Stürmer X mit seinem schwächeren linken Fuß nach Zuspiel des eigenen Torhüters nicht mehr in der 70. Minute oben links getroffen hat (bei Regen).

Ich empfehle dem FC St. Pauli dringend, eine Statistikabteilung zu gründen, so wie die Sportredaktionen der TV-Sender. Sie könnte dem Trainer zuarbeiten. Denn der ist momentan die ärmste Sau im Verein. Seit Wochen spickt Thomas Meggle seine Reden mit XL-Paketen voller Durchhalteparolen, weil ihm nichts mehr einfällt. Da wäre es gut, er hätte ein paar Zahlen zur Hand, mit denen er uns Fans füttern könnte.

Stattdessen schaute Meggie nach dem jüngsten Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern mit höchst strafbaren Phrasen in die Zukunft. Für jede dieser "Weisheiten", die er nach der 1:3-Niederlage von sich gab, müsste Meggie fünf Euro ins Phrasenschwein abdrücken. Gesagt hat er unter anderem: "Dass nach der Dunkelheit auch wieder die Sonne scheint", "wir dürfen nicht verzweifeln", "müssen durch den Tunnel gehen", "wir dürfen den Mut und den Glauben an die eigene Stärke nicht verlieren", "wir dürfen die Nerven nicht verlieren", "müssen step by step punkten".

Besser wäre, Meggie hätte geschwiegen. Wie einst Michél Mazingu-Dinzey, der St. Pauli-Jahrhundertelf-Spieler. Sogar dieser legendären Jahrhundert-Quasselstrippe vom Dienst war es einst gelungen, eine ganze Saison lang gegenüber Journalisten den Mund zu halten. Da schafft es doch bestimmt auch Meggie, stilvoll die Journaille anzuschweigen – solange, bis wieder ein Dreier eingefahren worden ist (was bis April zu schaffen sein sollte).

Die Alternative wäre, sich wie der gemeine TV-Kommentator mit Statistiken über die Phase der Einfallslosigkeit hinweg zu retten. Die auffälligste Zahl, die sich derzeit anböte, ist die 32. Dabei handelt es sich um die Summe der Gegentore dieser Saison. Kein Team der 2. und 1. Bundesliga hat so viele pro Spiel (2,13) erhalten. Nicht einmal Stuttgart!

Man muss bis in die Regionalliga hinunterscrollen, um auf ein Team zu stoßen, das pro Partie mehr Tore kassiert. In der RL Nord haben die Freien Turner Braunschweig in 19 Spielen 53 Tore bekommen. In der RL West der FC Hennef 37 Gegentore in 17 Spielen. In der RL Südwest der FC Nöttingen und der Kultur- und Sportverein Baunatal 46 beziehungsweise 51 Gegentore in 19 Spielen.

Zugegeben: Es ist hart, sich statistisch mit Hennef, Nöttingen und Baunatal messen zu müssen. Aber immer noch besser als Durchhalteparolen. Die hören wir uns lieber vom HSV-Trainer, dem Zinnbauer Seppl, an.

Unser Autor Aimen Abdulaziz-Said liegt gerade mit einer Grippe im Bett. Seine HSV-Kolumne "Sergejs Erben" muss diese Woche daher leider ausfallen. Wir bitten um Entschuldigung.