Der FC Veddel United stellt diese Saison in der Hamburger Fußballkreisliga zum ersten Mal eine Damenmannschaft. Die Spielerinnen sind zum großen Teil türkischer Herkunft. Der Stadtteil Veddel auf der gleichnamigen Hamburger Elbinsel liegt unweit des Hauptbahnhofes, eingezwängt zwischen Bahngleisen, Autobahn und Elbe. Er ist, wie viele Gebiete im Hamburger Süden, stark von Migranten geprägt, allein die Hälfte der Einwohner ist türkischer Herkunft, viele kommen auch aus Ex-Jugoslawien.

ZEIT ONLINE hat mit der Gründerin und Trainerin von Veddel United, Ceyda Tüfekçi (20), sowie den Spielerinnen Burcin Tüfekçi (23), Büşra Özdemir (18) und Sibel Fidan (20) gesprochen: über die Probleme eine Mannschaft aufzubauen, das Spielen mit Kopftuch und über gaffende Männer.

ZEIT ONLINE: Warum ist es auf der Veddel so schwer, Frauen für die Mannschaft zu finden?

Ceyda Tüfekçi: Es gibt hier sehr wenige Frauen und die meisten tragen Kopftuch.

ZEIT ONLINE: Kopftuch und Fußball – schließt sich das aus?

Ceyda Tüfekçi: Für mich nicht. Bei uns in der Mannschaft trägt aber auch keine ein Kopftuch.

Büşra Özdemir: Es gibt Frauen in anderen Vereinen, die mit Kopftuch spielen. Das ist erlaubt. Aber hier auf der Veddel wollen viele muslimische Eltern grundsätzlich nicht, dass ihre Töchter Fußballspielen. Und viele Frauen trauen sich nicht, weil sie Angst davor haben, dass über sie geredet wird.

Sibel Fidan: Man bedeckt sich, damit man Männer nicht auf sich aufmerksam macht. Wenige Fußballerinnen spielen mit Kopftuch, dadurch stechen sie heraus und stehen schnell im Mittelpunkt ­– es würde also genau das passieren, wovor das Kopftuch schützen soll.

© Tina Pokern

ZEIT ONLINE: Fußballspielen, egal ob mit Kopftuch oder ohne, ist für Frauen auf der Veddel also rufschädigend?

Sibel Fidan: Es wird viel geredet. Die Leute wohnen seit 30, 40 Jahren hier, alle kennen sich, ob du das willst oder nicht. Du wirst auch nicht bei deinem Namen genannt, du bist die Schwester oder Tochter von jemandem. Das ist nicht wie in Winterhude oder St. Pauli, wo jeder frei ist. Das sind Gegenden, wo du wirklich auf deinen Ruf aufpassen musst.

ZEIT ONLINE: Fußball ist nichts für Frauen?

Ceyda Tüfekçi: Das denken viele.

Sibel Fidan: Es geht dabei aber weniger um den Fußball, als um die Ausübung in der Öffentlichkeit. Gerade bei Menschen mit unserem kulturellen Hintergrund ist es verpönt, dass eine Frau Aufmerksamkeit auf sich zieht.