Spannung entsteht bekanntlich am besten durch Brüche. Erst wenn der Filmheld durchs finstere Tal aus Zweifel und Argwohn wandelt, taugt er wirklich zum Sympathieträger. So wie ein Bösewicht nur dann sein boshaftes Potenzial zeigt, wenn noch etwas Gutes in ihm schlummert, aus vergangenen Zeiten womöglich, aber spürbar.

Ein Beispiel dafür liefert momentan Star Wars, wo alles Klare irgendwann mal im Trüben fischt und umgekehrt. Wo der vermeintlich wesensfiese Darth Vader seinem vermeintlich herzensguten Feind Luke Skywalker im dritten (später sechsten) Teil der Saga glaubhaft macht, sein Vater zu sein, also gleichfalls auf der hellen Machtseite gestanden zu haben. Da kann es doch kein Zufall sein, dass parallel zum Kinostart der Weltraumsaga vor fast 40 Jahren im Herzen Hamburgs ein Club eröffnet hat, dessen Historie erstaunlich taghell war, bevor die dunkle Seite der Nacht Besitz von ihm ergriff.

Das Front.

Wer einmal drin war, in Deutschlands erster echter House-Disco (das behaupten zumindest Eingeweihte), ja selbst wer nur aus sicherer Entfernung davon gehört hat, dürfte bis heute überrascht sein, was sich bis zum Jahr 1983 im Klinkerbau zwischen Horner Kreisel und Elbbrücken befunden hat: Danny's Pan, ein wandergitarrenseliger Folkloreschuppen, Wohnzimmer altruistischer Chansonniers von Reinhard Mey bis Hannes Wader, die dem Hedonismus der Nachnutzer wohl ein paar Protestsongs entgegengeklampft hätten, wäre es je zur Begegnung gekommen.  

An drei von fünf Tagen weitgehend frauenfrei

Als Danny's Pan schloss, verwehte am verkehrsumtosten Heidenkampsweg umgehend alles Analoge und Liedhafte und wurde zu Bass, Beat und Stroboskop. Das Technozeitalter nahm Fahrt auf.

Während sich die Generation Bundfaltenhose gerade entspannt beim Milchkaffee von Friedensbewegung und Punk erholte, suppte ein bislang unerhörtes Soundstakkato nach Hamburg. Es bestand aus Rhythmen, die nicht mehr nach-, sondern in-, neben-, über-, und durcheinander spielten, artifiziell und treibend. Nichts für Harmonieästheten, aber umso mehr für Feierwütige.

Im DJ-Kabuff des Front legte ein gewisser Klaus Stockhausen Vinyl aus den Industrieruinen Chicagos auf, das den Laden in kürzester Zeit zur suburban legend machte. Es zog neben späteren Clubgiganten wie Boris Dlugosch verschiedene Gästeschichten ins Neonrampenlicht, die bis dato oft unter sich waren: Fans synthetischer Drogen, repetitiver Musik und gleichgeschlechtlicher Liebe, gern alles zusammen.

An drei von fünf Öffnungstagen war das Front mehr oder weniger frauenfrei. Doch auch an den anderen Tagen tanzten nie weniger als ein Drittel der Männer paarweise eng umschlungen mit nackten Oberkörpern, die bereits zu einer Zeit vielfach gepierct waren, als Tattoos noch nach Knast und Viermastern rochen.