ZEIT ONLINE: Herr Gießelmann, wie kommt man auf die Idee, ausgerechnet in Hamburg ein Label für Snowboard-Kleidung zu gründen?

André Gießelmann: Angefangen habe ich schon während meines Studiums in Braunschweig. Ich war mit meinen Freunden auf Snowboard-Touren und irgendwann habe ich begonnen, T-Shirts für unsere Fahrten zu kreieren. Ein Studienkollege fand die Klamotten cool und baute mir einen Onlineshop. So habe ich während meines Studiums der Medienwissenschaften Geld verdient. Ich habe damit angefangen, Mojo als Label aufzubauen.

ZEIT ONLINE: Wann kam der Moment, in dem Sie wussten, dass Sie nicht in der Medien-, sondern in der Modebranche arbeiten würden?

Gießelmann: Ich bin nach 13 Semestern nach Hamburg gezogen und habe hier meine Magisterarbeit fertig geschrieben. Danach stand ich vor der Entscheidung, ob ich mich weiter in Richtung Sportjournalismus orientiere, wo ich schon einen Fuß in der Tür hatte, oder es mit Mojo einfach mal probiere. Ich habe gespürt, dass da noch viel Luft nach oben war.

ZEIT ONLINE: In Ihrem Sortiment befinden sich bedruckte Pullover und T-Shirts in zahlreichen Variationen, aber keine Funktionskleidung. Ziemlich ungewöhnlich für eine Snowboard-Klamotten-Marke.

Gießelmann: Ich definiere Mojo ja auch nicht als solche. Wir tragen Snowboarding noch immer im Namen, weil es unser Ursprung ist.  Aber Mojo ist schnell zu einer Marke für den Alltag geworden.

ZEIT ONLINE: Was macht Mojo denn dann noch besonders?

Gießelmann: Es ist ein Family-Ding. Ich bin zwar der einzige Festangestellte, habe aber ein enges Team von Leuten, die mich unterstützen. Nils und Jana arbeiten an den Designs, Walter fotografiert alle Kollektionen. Gleichzeitig gibt es aber auch bei verschiedenen Projekten immer noch viele Leute, die mir helfen, weil sie sich freuen, Teil der Mojo-Crew zu sein. Ich bin zum Beispiel mit Fotografen und Filmemachern befreundet, die mich mit viel Enthusiasmus unterstützen. Es ging mir nie nur darum, nur Klamotten zu verkaufen. Mir war es wichtig, ein Netzwerk zwischen Leuten zu spinnen, die ähnlich ticken.

ZEIT ONLINE: Und was bedeutet das für die Produkte? Am Ende geht es ja doch darum, Kleidung zu vermarkten.

Gießelmann: Auch da halten wir es klein. Du bekommst unsere Sachen nur im Onlineshop oder im Store in Hamburg. Am Anfang war alles Handarbeit, ich habe alle T-Shirts und Pullover am Wohnzimmertisch meines Studentenzimmers mit Farbe und Schablone selbst bemalt. Das schaffen wir jetzt nicht mehr und mein Rücken hat es mir auch nicht gedankt. Wir lassen sie in einer Fabrik in Portugal produzieren, allerdings nur in limitierten Stückzahlen.

ZEIT ONLINE: Warum reizt es Sie nicht, auf Masse zu setzen?

Gießelmann: Wenn wir es größer aufziehen wollten, müsste man über eine Produktion in Asien nachdenken. Das will ich nicht. Die europäische Lösung ist bewusst gewählt. Wir kennen die Firma in Portugal, wissen, dass die Arbeitsbedingungen fair sind und wir verlässlich gute Qualität geliefert bekommen. Das ist wichtig, da wir nicht mit Standardschnitten arbeiten wollen. 

ZEIT ONLINE: Ihren Onlineshop betreiben Sie schon seit sieben Jahren, Ihren Laden im Schanzenviertel haben Sie dagegen erst vor einem Jahr eröffnet. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Gießelmann: Es ist ganz einfach wichtig, den Kunden einen Ort zu bieten, an dem sie unsere Kleidung anfassen und anprobieren können. Und da es sich für uns wegen der niedrigen Margen noch nicht lohnt, in größeren Geschäften auszuliegen, mussten wir ihn selbst erschaffen. Ich hatte anfangs einen Showroom in Winterhude, aber da kam keiner hin. Daher der Laden in der Schanze.

ZEIT ONLINE: Kostet das nicht höllisch viel Miete?