Am Mittwoch hat die Hamburger Travestiekünstlerin Olivia Jones in Magdeburg für Aufsehen gesorgt. Bei einer Lesung im Landtag las die Drag Queen aus ihrem Kinderbuch Keine Angst in Andersrum vor. Darin erklärt Tante Maria den Kindern Luis und Emma, wie das mit der Homosexualität ist, und zwar mit einem einfachen Gedankenspiel: "Stellt euch doch mal vor, es wäre andersrum ...". Mit dem Buch und ihrer Lesung will Olivia Jones für Offenheit und Toleranz werben. Wie kam es eigentlich zu ihrem Besuch in Magdeburg?

ZEIT ONLINE: Frau Jones, gab es einen konkreten Anlass für Ihre Lesung in Magdeburg?

Olivia Jones: Mein Kinderbuch wurde vom sachsen-anhaltischen Ministerium für Gleichstellung und Justiz auf eine Liste mit Buchempfehlungen für Kitas gesetzt. Daraufhin fühlte sich die AfD berufen, dagegen zu poltern und hat die Aufklärungsbroschüren mit einer Empfehlung für Pädophilie gleichgesetzt. Ich habe dann Anzeige erstattet, weil ich finde, dass man das nicht länger dulden sollte. Und habe angekündigt, dass ich auch gerne nach Magdeburg komme, um Nachhilfe in Sachen Toleranz zu geben.

ZEIT ONLINE: Das haben Sie dann auch getan. Wie haben die Zuhörer reagiert?

Jones: Die Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und weitere Unterstützer hatten eingeladen, deswegen haben die meisten sehr gut reagiert. Es waren viele Erzieher da, aber auch Eltern, die es wichtig finden, mit Kindern über Respekt, Toleranz und Vielfalt zu sprechen. Von Kita-Mitarbeitern wissen wir, dass Kinder sehr wissbegierig sind. Uns, der Olivia-Jones-Familie, geht es darum, dass sie verstehen, dass es eben auch Männer gibt, die Männer lieben und Frauen, die Frauen lieben und dass davon die Welt nicht untergeht. Das ist ganz normal neben Mutter, Vater, Kind. Und wir hoffen, dass diese Kinder dann auch später als Erwachsene niemanden diskriminieren.

ZEIT ONLINE: Es waren auch AfD-Abgeordnete anwesend. Die Partei wirft Ihnen vor, dass es in dem Buch um "Frühsexualisierung" gehe …

Jones: Darum geht es natürlich nicht, Sex wird in dem Buch mit keiner Silbe erwähnt. Es geht um Liebe, und ich kann auch nichts dafür, dass die Herren von der AfD immer gleich an Sex denken ...

ZEIT ONLINE: Nach der Lesung haben Sie noch mit AfD-Fraktionschef André Poggenburg gesprochen.

Jones: Es war mir sehr wichtig, weil ich einen Dialog führen will, um Ängste abzubauen. Das Letzte was wir brauchen, ist noch mehr Hass, stattdessen brauchen wir Leute, die Mut machen. Aber das war für mich schon ein Besuch in einer anderen Welt, weil mir nach wie vor nicht klar ist, woher diese Ängste kommen. Es geht uns nicht um schwule Propaganda, hier wird niemand schwul gemacht, es geht um Respekt und Toleranz, nicht mehr und nicht weniger.

ZEIT ONLINE: Glauben Sie, dass Ihr Gespräch etwas bewirkt hat?

Jones: Herr Poggenburg hat sich gewunden, wie das Rechtspopulisten eben tun. Es ist einfacher, einen Aal in der Elbe einzufangen, als so einem Politiker etwas nahezubringen. Ob es geklappt hat, werden wir sehen, aber man muss es versuchen.