Es war zu erwarten: Der neue Eingang zur Hamburger City wird, wenn es nach dem Willen des scheidenden Oberbaudirektors Walter geht, eine langweilige Kiste aus rotbraunem Backstein werden, höher als das dahinter liegende Kontorhausviertel. Das hat der Wettbewerb ergeben, der vergangene Woche entschieden wurde. 200 Wohnungen, Hotel und Büros werden dicht zusammengepackt, damit in der Ecke Leben einkehrt, so, wie man es in Städten gern überall hätte.

Nur wird das nicht funktionieren. 200 Wohnungen in einem Umfeld, das sonst durch Büros, noch einmal Büros und ein paar kleine Läden oder gastronomische Betriebe gekennzeichnet ist, machen den Kohl weder fett noch lebendig. Zumal auch "kein reines Familienwohnen" geplant ist, wie der Investor bei der Präsentation meinte. Aber das ist sein Risiko.

Für das Stadtbild zählt aber etwas anderes: Bisher war es doch so, dass man den Blick aufs Chilehaus hatte und auf den Sprinkenhof, wenn man mit dem Zug nach Hamburg einfuhr. Denn die vier schlanken Scheiben des City-Hofes aus den 1950er Jahren standen ja nicht zufällig so in der Gegend herum: Sie waren das Ergebnis einer klugen Entscheidung für eine bewusste Absetzung von den Kontorhäusern der 1920er Jahre, sowohl als Scheiben, die den Durchblick auf die roten Klinkerbauten dahinter freigaben, wie auch in der ursprünglichen weiß leuchtenden Farbe der Bauten.

Vorbildliche Erhaltungsmaßnahmen am City-Hof?

Wenn die neue Bebauung fertiggestellt sein wird, dann sieht man nichts von dem, was dahinter ist. Das Kontorhausviertel ist dann zugebaut.

Nun ist das Kontorhausviertel seit 2015 von der Unesco als Weltkulturerbe geadelt. Es ist etwas Besonderes, etwas, das man ausstellt, nicht zubaut. Wenn Sie zu Hause einen Rembrandt an die Wand hängen: Wie machen Sie das? Indem Sie viele Bilder in ähnlichem Stil, aber etwas schlechter daneben und drumherum hängen? Oder indem Sie das Bild allein auf der Wand lassen, weil es etwas Besonderes ist? Allenfalls etwas, das ganz anders aussieht als Ihr Rembrandt, könnte daneben bestehen. Das haben weder das Preisgericht mit dem Oberbaudirektor noch die Architekten verstanden, die sich am Wettbewerb beteiligt haben.

Was da vorgeschlagen wurde, war ein ängstlicher Murks, eine Anpassung aus Feigheit, sowohl im Fassadenstein wie in der Bauweise. Nichts gegen Blockrand und Innenhof – nur hier darf er auf keinen Fall gebaut werden; nichts gegen den schönen rotbraunen Klinker oder Backstein, nur an dieser Stelle ist er die schlechteste Lösung. "So ähnlich" als geschmackvolle "Anpassung an die Umgebung" zu verkaufen, lässt eine Angsthasenarchitektur entstehen, die zudem die Sichtachsen zustellt, ist also in mehrfacher Hinsicht falsch.

Oder fürchten wir (und die Architekten) uns davor, eine selbstbewusste, eigenständige Architektur zu entwickeln, die den Samt bildet, auf dem die Perle Kontorhausviertel glänzen und funkeln kann?

Wenn die Stadtväter und der Oberbaudirektor der Meinung sind, man müsse den City-Hof abreißen (obwohl es nachgewiesen sinnvolle und ökonomische Alternativen gibt, die den Denkmalschutz für diesen bewahren können), dann sollen sie es mit einer schlüssigen Begründung tun und der Öffentlichkeit darlegen, warum sie den Vorgaben des Gesetzes nicht folgen, das da fordert, die "Freie und Hansestadt Hamburg soll auch als Eigentümerin oder sonst Verfügungsberechtigte und als obligatorisch Berechtigte durch vorbildliche Unterhaltungsmaßnahmen an Denkmälern für den Wert des kulturellen Erbes in der Öffentlichkeit eintreten". Von vorbildlichen Erhaltungsmaßnahmen war zumindest beim City-Hof bisher nichts zu bemerken.