Am Wochenende brannte es auf einer der wichtigsten Zugstrecken in Norddeutschland. Ein Kabelbrand legte einen Zubringer des Hamburger Hafens lahm, der Güter- und Personenverkehr musste eingestellt oder umgeleitet werden, Ersatzbusse wurden eingesetzt. Die Polizei schätzt den Schaden auf 100.000 Euro. Wenig später tauchte beim Hamburger Abendblatt ein Bekennerschreiben auf: Linksradikale unter dem Namen "Magma Aktionsgruppen" bekannten sich zu dem Anschlag. Die Verfasser wollten mit dem Anschlag den Hamburger Hafen als Ort der "kapitalistischen Warenzirkulation" treffen. Die Hamburger Polizei hält das Schreiben gegenüber ZEIT ONLINE für echt.

Auch in den letzten Monaten kam es immer wieder zu Straftaten von Linken in Hamburg, etwa bei den Auseinandersetzungen um die Gefahrengebiete und beim Streit um die Lampedusa-Flüchtlinge. Dabei verursachten die Täter massive Sachbeschädigungen und griffen auch Polizisten an.

Bei den kommenden Bürgerschaftswahlen wird das Thema linke Gewalt deshalb wieder eine Rolle spielen. Die CDU hat bereits auf Wahlplakaten bei den Bezirkswahlen im Mai mehr Sicherheit gefordert. Law and Order ist in der Hansestadt traditionell ein beliebtes Wahlkampfthema: 2001 setzte der Rechtspopulist Ronald Schill im Wahlkampf auf Innere Sicherheit und erreichte auf Anhieb fast 20 Prozent der Stimmen.

Verfassungsschutz verzeichnet Anstieg linker Gewalt in Hamburg

Der Ende Juli aus dem Dienst scheidende Chef des Landesverfassungsschutzes, Manfred Murck, verkündete Mitte April einen starken Anstieg linksextremer Gewalttaten in Hamburg: Im vergangenen Jahr seien 297 linksextremistische Straftaten erfasst worden, mehr als doppelt so viele wie noch 2012. 187 davon bewerten die Sicherheitsbehörde als Gewaltdelikte. Besonders die Demonstrationen für den Erhalt der Roten Flora in der Sternschanze und die anschließenden Krawalle hätten zu dem Anstieg der politisch motivierten Straftaten durch Linke geführt.

Auch am diesjährigen 1. Mai fürchtete die Polizei heftige Krawalle von Linksextremisten. Doch in der traditionell unruhigen Nacht zum Maianfang passierte in diesem Jahr kaum etwas in Hamburg. Der Streit um das Kulturzentrum Rote Flora scheint vorerst beigelegt zu sein. Sympathisanten der linken Szene werfen den Sicherheitsbehörden Alarmismus und Panikmache vor, weil diese so eindringlich vor dem Linksextremismus warnten. Zudem kritisieren sie, dass Staats- und Verfassungsschutz bei den Linken stets sehr genau hinsehen, die rechtsextremistische Gefahr hingegen verharmlosen. Im Gegensatz zur rechtsextremistischen Terrorzelle NSU, die auch in Hamburg mordete, verübten Linke aber seit den Zeiten der RAF keine Anschläge mehr, bei denen Menschen starben.

Dennoch schreibt der Hamburger Verfassungsschutz über die linke Szene: "Einschlägige Aktionen und eine zunehmende Gewalt-Rhetorik insbesondere in der antiimperialistischen Szene bergen die Gefahr, dass sich der generelle Szenekonsens, direkte Angriffe auf Leib und Leben zu unterlassen, zunehmend auflösen und die Schwelle zu terroristischen Handlungen erreicht werden können." Als Beleg dafür führt der Landesverfassungsschutz einen Angriff mit einem Molotow-Cocktail auf eine Polizistin in Berlin an. In Hamburg erlitt ein Polizist nach einem Steinwurf einen Nasen- und Kieferbruch.