Dirk Nockemann ist schon außer sich, da hat die Kellnerin noch nicht einmal die Bestellung aufgenommen. "Gucken Sie", sagt der Volljurist im Nadelstreifenhemd und wirft einen Ausdruck auf den Tisch des Eiscafés. "Asylbewerber, Kontigentflüchtlinge und geduldete Flüchtlinge in Bergedorf", steht auf dem Papier. Es ist bereits die zweite Anfrage, die Nockemann an den Bezirk im Hamburger Osten gerichtet hat. Die erste wurde nur knapp beantwortet.

Nockemann ist sich sicher, man wolle ihm wichtige Informationen vorenthalten. Wie viele Menschen Bergedorf konkret aufnehme, wo genau sie untergebracht werden sollten, das will er unbedingt präzise wissen. Schließlich seien die Flüchtlinge, so steht es bei Frage acht, möglicherweise mit "hoch infektiösen Krankheiten" wie Ebola infiziert. "Wir brauchen doch Planungssicherheit", sagt Nockemann. "Sonst entstehen hier Ghettos!"

Der Politiker Nockemann will im kommenden Februar für die Alternative für Deutschland (AfD) in die Hamburger Bürgerschaft einziehen. Bei den Bezirkswahlen im Mai hat er es bereits in die Bezirksversammlung Bergedorf geschafft. Nun geht es für ihn darum, sich für die Bürgerschaftswahl in der AfD einen guten Listenplatz zu sichern.

Besonders treibt Nockemann die Sache mit den Ausländern um. Schon während des Studiums im Ruhrgebiet gehörte das Asylrecht neben dem Polizeirecht zu seinen Lieblingsfächern. Gleich nach der Wende bekam der damals 33-Jährige eine Stelle als Referatsleiter im Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern. Es war die Zeit, als in Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda Flüchtlingsheime brannten und die Kohl-Regierung das Asylrecht massiv verschärfte. Nockemanns Aufgabe war es, das bundesdeutsche Ausländerrecht auf die ostdeutsche Realität zu übertragen. Und er machte seine Sache gut. Er arbeitete sich innerhalb von zwei Jahren zum Direktor des Landesamtes für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten hoch.

Zu jung, um gnädig zu werden

Im Jahr 2000 lernte Nockemann bei einer Wahlkampfveranstaltung der CDU den Hamburger Richter Ronald Schill kennen. Der galt damals als gnadenlos, das überzeugte Nockemann. Nur ein Jahr später zogen die beiden Männer mit ihrer "Partei Rechtsstaatlicher Offensive" (PRO) in die Bürgerschaft ein. Und nach seinem Rücktritt als Innensenator 2002 machte Schill Nockemann zu seinem Nachfolger. Ein großer Erfolg für ihn. Innere Sicherheit, das ist sein Thema. Ein Erfolg jedoch, der nur ein Jahr währte. 2004 zerbrach das Bündnis mit der CDU — und damit vorerst Nockemanns politische Karriere.

Zehn Jahre später gilt Schill, der Förderer von einst, eher als harte Lachnummer denn als politischer Hardliner. Und auch Dirk Nockemann hat sich verändert. Die blonden Haare sind lichter geworden, die Wangen runder, 56 Jahre ist er inzwischen alt, aber noch immer zu jung, um gnädig zu werden. Drei Monate lang war er Mitglied der CDU. Danach versuchte er, eine eigene Partei zu gründen. Und er machte Wahlkampf für die Deutsche Zentrumspartei. Seit 2013 hat Nockemann nun mit der AfD eine neue Plattform für seine Anliegen gefunden. Der Bundesverband war noch nicht einmal gegründet, da hatte er bereits seinen Mitgliedsantrag eingereicht.