Wettkämpfe mitten in der Stadt, viel maritimer Flair, kurze Wege und viel Grün — so stellt sich der Senat die Olympischen Spiele in Hamburg vor. Am Montag hat die Stadt ihre 46 Seiten lange Bewerbung präsentiert, die sie nun an den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) schicken wird. Anfang Dezember entscheidet dieser, ob sich Hamburg oder Berlin für Deutschland um die Olympischen Sommerspiele und die Paralympics 2024 bewerben darf.     

Im Vergleich zu Berlin will Hamburg vor allem eines: mit kurzen Wegen punkten. "Wir wollen Olympia mitten in die Stadt holen", sagt Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Mittelpunkt der Olympischen Spiele soll demnach ein neuer Stadtteil OlympicCity auf dem Kleinen Grasbrook zwischen der HafenCity und Wilhelmsburg werden. Die bisher dort angesiedelten Hafenunternehmen ziehen dafür um, so der Plan. In Laufentfernung zum Rathaus soll das neue Olympia-Stadion mit 70.000 Plätzen entstehen. Direkt daneben plant die Stadt eine Olympiahalle und eine Olympiaschwimmhalle.

Rund um einen großen Park soll auf dem Grasbrook zudem das Olympische Dorf entstehen: Die Häuser sollen fast alle nach dem Vorbild der HafenCity sechs bis acht Stockwerke hoch werden. Die Ausnahme sollen vier 25-stöckige Hochhäuser bilden, sie würden von der Veddel aus gesehen den Eingang zur Olympia-Insel markieren.

Kanu-Slalom in Wilhelmsburg, Beachvolleyball in Entenwerder

Nach den Wettkämpfen soll aus der OlympicCity nach den Senatsplänen ein neuer Stadtteil werden mit Wohnraum für bis zu 8.000 Menschen. Das Stadion soll dann zum Leichtathletik-Stadion mit 20.000 Plätzen zurückgebaut, die Schwimmhalle zum Sport- und Erlebnisbad ausgeweitet und die Olympiahalle zum Kreuzfahrtterminal werden. Durch zahlreiche neue Brücken über die Elbe kann Wilhelmsburg dann durch den Kleinem Grasbrook direkt mit der Innenstadt verbunden werden. Der "Sprung über die Elbe", er würde endlich Realität. Der Senat spricht daher von einer "Scharnierfunktion" des Olympiageländes für die Stadtentwicklung, weil der Kleine Grasbrook in seinem Konzept die Innenstadt mit den neuen Stadtteilen im Süden und Osten verbindet. 

Die vorgestellten Pläne sehen aber nicht nur eine Bebauung des Kleinen Grasbrooks vor, auch unmittelbar drumherum sind zahlreiche olympische Einrichtungen geplant: Das Pressezentrum soll in zwei Hochhäuser am Nordende der Elbbrücken einziehen, das Sendezentrum südlich des Grasbrooks unter anderem in die historischen 50er Schuppen. Das Mediendorf mit bis zu 3.000 Wohnungen soll in Wilhelmsburg gebaut werden, dort wo heute die Wilhelmsburger Reichsstraße verläuft, die in den kommenden Jahren ohnehin verlegt wird. Das Besucherzentrum könnte nördlich des Grasbrooks entstehen, auf dem Weg aus der Innenstadt, am westlichen Baakenhafen.

Doch Olympia soll nicht nur im Hafen stattfinden: Hockey etwa ist im Millerntorstadion geplant, Handball und Fußball im Volkspark. Dort soll allerdings noch ein weiteres Stadion entstehen, das nach den Spielen als Amateurstadion für die Regionalliga genutzt werden könnte. Für zahlreiche weitere Sportarten — von Boccia über Fechten und Judo bis Volleyball — sind die Messehallen eingeplant. Der Moderne Fünfkampf könnte im Stadtpark ausgetragen werden, für Tennis planen die Organisatoren mit den Anlagen in Rotherbaum. Die Reiter sollen in Klein Flotbek und Luhmühlen antreten, Ruderer und Kanuten an der Dove-Elbe, Golfer auf dem Gut Kaden. Die Fahrradfahrer müssten nach Stellingen, Farmsen oder in den Eißendorfer Forst reisen. In Wilhelmsburg soll eine Strecke für Kanu-Slalom gebaut werden, in Entenweder temporärere Beachvolleyball-Courts.