Der Streik der Lokführer hat am Donnerstag in Norddeutschland zu schweren Behinderungen im Bahnverkehr und vollen Autobahnen geführt. In den ersten Stunden des Streiks verkehrten auf den Strecken ab Hamburg fast nur noch die Züge der privaten Anbieter. Die S-Bahnen in der Metropolregion verdoppelten ihre Taktzeiten auf rund 20 Minuten, waren aber nicht überfüllt. Viele Pendler hatten sich auf den Streik eingestellt und sind aufs Auto umgestiegen. Auf den Autobahnen rund um Hamburg kam es zu längeren Staus. Einen Ansturm erlebten auch die Fernbusse, vor allem in Richtung Berlin. Direkt vor dem Bahnhof organisierten sich private Fahrgemeinschaften.

In Kiel fielen zwischen 6.00 Uhr und 8.00 Uhr allein 23 von rund 30 Verbindungen aus, wie eine Bahnmitarbeiterin am Kieler Hauptbahnhof sagte. Auf einigen Strecken wie zwischen Kiel und Husum fuhren Busse als Ersatz. Ein Teil der Reisenden reagierte sehr verärgert über den neuerlichen Streik. Das Streikrecht sei zwar wichtig, sagte der Kieler Manfred Wagner. "Wenn die Gewerkschaft aber eine Schlichtung mit einer abenteuerlichen Begründung ablehnt, das macht mich sauer." Andere nahmen den Streik gelassener. "Jetzt fahre ich zwei Stunden später nach Eckernförde", sagte Pendler Thomas Lerdo.

Die Fahrgäste reagierten überwiegend genervt auf die Streiks. "Jetzt ist die Grenze erreicht. Wenn man nicht einmal mehr kurzfristig eine Reise planen kann, habe ich kein Verständnis für diesen Streik", sagte eine Frau am Hamburger Busbahnhof auf dem Weg nach Freiburg.

"50 Prozent weniger Umsatz"

"Wir kommen direkt von einer Kreuzfahrt im Mittelmeer. Wir hatten keine Ahnung, dass heute gestreikt wird. Jetzt nehmen wir einen Mietwagen und müssen irgendwie von Hamburg nach Fehmarn kommen", sagte ein Ehepaar vor dem Informationsschalter am Hamburger Hauptbahnhof. "Normalerweise kaufen die Pendler bei uns noch ein Brötchen, heute haben wir fast 50 Prozent weniger Umsatz", sagte ein Pächter eines Bäckerstandes am Hauptbahnhof.

Ein Ersatzfahrplan der Deutschen Bahn soll den Nahverkehr auf den Strecken Kiel-Hamburg, Lübeck-Hamburg und Lübeck-Kiel von Donnerstag bis Sonntag im Stundentakt bedienen. Die Verbindungen Kiel-Flensburg, Neumünster-Flensburg und Kiel-Husum verkehren alle zwei Stunden. Auf Nebenstrecken im Norden verkehren auch die privaten Linien der Nord-Ostsee-Bahn, Nordbahn, AKN, NEG und der Hamburg-Köln-Express.