An Olaf Scholz kommt in den sozialen Netzwerken niemand vorbei: Der Erste Bürgermeister Hamburgs hat mit Abstand die meisten Fans und Follower aller Politiker der Stadt. Seit vier Jahren souverän regierend, bundespolitisch prominent und in der SPD beliebt. Über 15.000 Twitter-Follower und rund 7.000 Facebook-Fans sind eine Größe in der deutschen Politik. Im Vergleich mit anderen Ministerpräsidenten lässt er mit diesen Werten nur Hannelore Kraft (SPD), Horst Seehofer (CSU) und dem neuen Ministerpräsidenten von Thüringen, Bodo Ramelow (Linkspartei), den Vortritt.

Doch neben Scholz überzeugen auch eine Reihe eher unbekannter Hamburger Politiker auf Facebook, Twitter und anderen Netzwerken, qualitativ und in der Reichweite. Noch nie twitterten so viele Bürgerschaftsabgeordnete, noch nie gab es so viele Kandidaten, die auf Facebook um Stimmen werben, wie im momentanen Wahlkampf. Eine aktuelle Studie des Hans-Bredow-Institutes und der Social-Media-Analyse-Plattform Pluragraph.de zeigt, dass 570 von 887 Kandidierenden mindestens ein Profil in sozialen Netzwerken haben. 

Dies entspricht 64 Prozent aller zu Wahl zugelassenen Personen. In der Hamburger Gesamtbevölkerung nutzen nur etwa 55 Prozent der Bürger Social Media, wie der aktuelle Social Media Atlas zeigt. Dabei sind über 56 Prozent der Kandidaten bei Facebook mit Privatprofil oder Fanseite und jeder vierte Kandidat hat ein Twitterprofil (27 Prozent). 

Es schwankt jedoch sehr, wie die Politiker sich online verhalten. Es gibt aktive Kandidaten, die Social Media verstanden haben und den Dialog auf den Plattformen leben. Aber: Mindestens genauso viele Profile sind verwaist und zeugen von einer geringen Freude an der Kommunikation auf solchen Kanälen.           

Hilfreich für das Verständnis der Social-Media-Nutzung ist ein Blick auf die 15 Bürgerschaftskandidaten mit der quantitativ größten Reichweite bei Facebook, Twitter und Co. Sie ermitteln sich durch die Addition von Facebook-Fans (Privatprofile dürfen aufgrund des deutschen Datenschutzes nicht ausgelesen werden), Twitter-Followern, Google Circlen sowie einem Pauschalwert für alle weiteren Netzwerkpräsenzen. Diese 15 Kandidatinnen vereinen die meisten Fans und Follower hinter sich.

Grafik: Die Top-15-Kandidaten Bürgerschaft nach Pluragraph.de

Dies impliziert aber nicht automatisch, dass diese 15 Bürgerschaftskandidaten die Netzwerke am besten nutzen. Es heißt nicht, dass sie tatsächlich viele Menschen über diese Kanäle erreichen und vor allem nicht, dass sie aufgrund der Onlinereichweite automatisch bessere Wahlchancen haben als andere Kandidaten.

Der beste Beleg hierfür: Olaf Scholz. Seine Kommunikation auf Facebook und Twitter ist statisch. Die Postings ähneln sich und sind dadurch sehr langweilig. Man könnte sagen: Die Form der Inhalte entspricht seinem Amt, eher staatstragend seriös. Ein Dialog mit den Fans findet so gut wie nicht statt – und das kommt im Netz nicht gut an. Nur relativ wenige Menschen, die Olaf Scholz auf Facebook folgen, kommentieren, teilen oder liken seine Postings. Seine Interaktionsrate ist sehr gering. Diese allerdings ist in der Logik von Facebook sehr wichtig: Nur solche Fanseiten, die viele Interaktionen erzeugen, werden auch in den Timelines der Fans angezeigt.

Bei Olaf Scholz ist zu vermuten, dass nur sehr wenige seiner zahlreichen virtuellen Fans sehen, was er täglich postet. Nichtsdestotrotz: Ihm folgen viele Bürger. Wohl auch wegen seiner politischen und bundesweiten Prominenz, seines Amtes und weil er (und sein Team) schon sehr lange und kontinuierlich in den Netzwerken dabei sind. Das zahlt sich aus.