Ob in Bandung oder Hamburg: So sieht ein Tisch aus, an dem sich Game-Entwickler treffen. © privat

Netzwerken macht Spaß, auch wenn man dafür 11.000 Kilometer weit fliegen muss. Noch Anfang dieser Woche saß der Hamburger Wolf Lang in einem Uni-Saal der javanischen Millionenstadt Bandung. Mit anderen Spielemachern aus Deutschland und Indonesien bestritt Lang dort einen sogenannten Game Jam. Aufgabe: Entwurf und Programmierung eines funktionierenden Computerspiel-Prototyps – und das binnen 48 Stunden.

Am Ende hatten die Workshop-Teilnehmer ein Sprachlernspiel erschaffen, bei dem die Spieler unter Zeitdruck Bomben entschärfen müssen – die Anweisungen sind auf Deutsch und Indonesisch. Wolf Lang ist Mitbegründer des Hamburger Spielestudios Threaks. Das sechsköpfige Team sitzt im Stadtteil Wandsbek, bekannt geworden ist Threaks mit dem musikalischen Unterwasserabenteuer Beatbuddy, das 2014 den Deutschen Computerspielpreis als "Bestes Jugendspiel" gewann.

Die zehntägige Delegationsreise nach Indonesien finanzierten das Goethe-Institut, eine Stiftung und ein Branchenverband. Indonesien zählt zu den dynamischsten Games-Märkten Asiens, die Zahl der Spieler steigt rasant, vor allem auf Mobilgeräten – deutsche Firmen können da wertvolle Kontakte knüpfen. "Meine Hauptmotivation war, mich darüber auszutauschen, wie man durch Partnerschaften die Entwicklungsbedingungen in Deutschland und Indonesien verbessern kann", sagt Lang.

Die Großen stellen fast die Hälfte aller Jobs

Independent-Studios wie Threaks gibt es in Hamburg einige: Sie heißen slash games, Osmotic oder Behind the Stone. "Independent" bedeutet, dass hinter diesen Studios kein großer Geldgeber steht, etwa ein Spieleverlag oder ein Investor, der bestimmte Summen für die Entwicklung vorschießt. Stattdessen finanzieren sich die "Indies" durch Auftragsarbeiten – und durch die Umsätze, die ihre eigenen Spiele erzielen, sei es nun auf der PC-Plattform Steam oder in den App Stores von Apple und Google.

Die Indie-Studios haben oft nur eine Handvoll Mitarbeiter. Das ist ein scharfer Kontrast zu den Großstudios, die immer dann genannt werden, wenn es um den Spielestandort Hamburg geht. Laut einer Umfrage gibt es in der Hansestadt 4.524 Jobs mit Games-Bezug, ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Fast die Hälfte dieser Jobs entfallen auf die fünf größten Unternehmen Goodgame Studios, Bigpoint, Innogames, Daedalic Entertainment und Gamigo. Allein schon Goodgame, das Mobile- und Browser-Games herstellt, beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiter. Man will weiter wachsen.

Viele Jahre war Hamburgs Spieleproduktion eine Erfolgsgeschichte. Die Firmen verdienten gutes Geld mit Free-to-Play-Titeln, bei denen Spieler für Zusatzinhalte zahlen; derweil heimsten die Adventure-Spezialisten von Daedalic Entertainment (The Whispered World, Deponia) gleich reihenweise Auszeichnungen ein.

Erste Kratzer bekam der glänzende Lack, als Browser-Games in der Spielergunst sanken und der Siegeszug der Mobile-Games begann: 2012 musste der Browser-Spezialist Bigpoint (Farmerama, Drakensang Online) 120 Mitarbeiter entlassen, 80 davon in Hamburg. Dass auch Mobile-Anbieter in die Krise rutschen können, zeigt das Beispiel Fishlabs: 2013 war das Hamburger Studio insolvent, entließ 25 Mitarbeiter und wurde von einem großen Publisher geschluckt; die Fishlabs-Gründer eröffneten mit Rockfish Games ein neues Studio.

Bürgermeister Olaf Scholz nennt Hamburg auch weiterhin die "Spiele-Hauptstadt Deutschlands". Rein zahlenmäßig mag er damit Recht haben: An keinem anderen Ort Deutschlands bietet die Branche so viele Jobs. Andererseits hat Hamburg zuletzt gleich zwei Branchen-Messen verloren: Die Casual Connect zog nach Amsterdam, das Browser Games Forum nach Berlin. Zudem sitzen einige der größten deutschen Studios in anderen Städten, in Berlin, Frankfurt, Karlsruhe, München oder Düsseldorf. Bundesländer wie Bayern, Berlin oder Nordrhein-Westfalen tun viel, um für Spiele-Startups attraktiv zu sein. So fördert das Medienboard Berlin-Brandenburg "innovative audiovisuelle Inhalte" mit zinslosen Darlehen von 50.000 Euro – für kleine Firmen eine erhebliche Starthilfe.