Die Zahl der ausländischen Bürger in Hamburg ist im vergangenen Jahr geschätzt um rund 18.000 gestiegen. Nach einer am Montag veröffentlichten Schnellschätzung der Statistikämter von Bund und Ländern liegt damit die Nettozuwanderung dieser Personengruppe voraussichtlich um 21 Prozent über dem Ergebnis von 2014. Insgesamt seien rund 44.000 Ausländer in die Hansestadt gezogen – während rund 26.000 sie wieder verlassen hätten.

Im Jahr zuvor kamen den Angaben zufolge nur 29.675 Frauen, Männer und Kinder ohne deutsche Staatsangehörigkeit nach Hamburg. Im gleichen Zeitraum verließen 14.831 Ausländer die Stadt.

Bundesweit registrierten die Behörden im vergangenen Jahr knapp zwei Millionen neue Ausländer in Deutschland – so viele wie nie zuvor. Gleichzeitig zogen 2015 rund 860.000 Ausländer wieder fort. 1,14 Millionen Ausländer sind damit geblieben. Das sei der höchste jemals gemessene Wanderungsüberschuss in der Geschichte der Bundesrepublik, schreibt das Statistische Bundesamt.

Zeitnahe Erfassung durch Meldebehörden nicht möglich

Die Schnellschätzung basiert nach Angaben des Amtes auf geprüften Ergebnissen für die Monate Januar bis August 2015 sowie auf geschätzten Daten für den Rest des Jahres. Grundsätzlich seien in den Zahlen auch Flüchtlinge erfasst. Die Ämter gehen jedoch davon aus, dass deren Zahl nicht hoch genug angesetzt worden ist. Sie seien zwar meldepflichtig. "Allerdings ist davon auszugehen, dass eine zeitnahe Erfassung aller Schutzsuchenden durch die Meldebehörden nicht möglich war", erklärte das Statistikamt Nord.

Im Vergleich zu 2015 lässt der Wanderungsdruck auf Deutschland derzeit nach. Nach einem Bericht der Welt am Sonntag stehen zahlreiche Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland halbleer. "Der tägliche Zustrom von Asylbewerbern ist in den letzten Wochen deutlich gesunken", teilte das niedersächsische Innenministerium kürzlich mit. Ähnliches ist aus vielen anderen Länderministerien zu hören. In den Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin sind die meisten Unterkünfte gut belegt, manche Heime sind auch zu stark frequentiert. In Thüringen dagegen ist die Belegungsquote laut dem Bericht mit 18,6 Prozent unter allen Ländern am geringsten, dahinter folgt Sachsen mit rund 20 Prozent.

In Hamburg liegt die Auslastung der Flüchtlinsunterkünfte bei 92 Prozent. Grund dafür ist der ohnehin angespannte Wohnungsmarkt mit seinen zudem hohen Mieten, der verhindert, dass Flüchtlinge zeitnah aus den Erstaufnahmen heraus können.