Fünfzehn Mülleimer mit Pfandregal, rund 6.000 Euro pro Stück, erhöhtes Fassungsvermögen, digital vernetzt, weithin erkenn- und doch seltsam unsichtbar: Wer den Business Improvement District (BID) an der Reeperbahn an materiellen Maßstäben misst, muss zur Halbzeit des Projekts ein ernüchterndes Fazit ziehen. Sieht so eine verbesserte Geschäftssituation aus?

Bislang erkannte man einen Hamburger BID an den auffällig gepflegten Bürgersteigen, den neuen Sitzbänken und Pflanzen, manchmal auch an vermehrt auftretendem Sicherheitspersonal. "Aus Besuchern sollen Kunden gemacht werden" hieß es 2014 im Plan für das BID Reeperbahn.

Augenfällig ist heute wenig von dem Projekt der deutschen BID-Hauptstadt Hamburg, zweieinhalb Jahre nach dem zugehörigen Senatsbeschluss. Dass Julia Staron dennoch neuen Wind im alten Rotlichtviertel spürt, dass sie vor Aufregung eine Kippe nach an der nächsten entzündet und vor Überschwang wild gestikuliert, kann also nicht an 15 Eimern in Pink liegen. "Es geht um mehr als Optik", sagt die Quartiersmanagerin lachend.

Es geht ums Ganze.

Als Business Improvement Districts 1970 von Kanada aus um die Welt gingen, sollten sie verwahrloste Städte mit Leben füllen. Der erste in Deutschland entstand 2005 in Hamburg. Grundeigentümer und Unternehmer verständigen sich auf Maßnahmen, um ihre direkte Umgebung attraktiver zu gestalten – etwa durch neue Beleuchtung, Bürgersteige oder Grünflächen. Ihr Ziel: mehr Sicherheit, mehr Sauberkeit, mehr Gäste, mehr Geld. Die Initiative zu einem BID muss aus dem Stadtteil selbst kommen, auch die Finanzierung.

Eine Privatisierung des öffentlichen Raums?

In Hamburg müssen letzlich zwei Drittel der angrenzenden Grundstückseigentümer einem BID zustimmen, damit das zuständige Bezirksamt es offziell einrichtet – und alle von ihnen, egal ob dafür oder dagegen, zu einer Beteiligung verpflichtet. Mehr als 20 BIDs gibt es in Hamburg, 40 Millionen Euro sind bereits in die Gebiete geflossen.

Ein umstrittenes Verfahren. Doch nicht nur bei einigen Unternehmern stoßen die BIDs auf Kritik. Stadtteilaktivisten klagen, dass sie öffentlichen Raum privatisieren. Das machte es zu einem großen Wagnis, 2013 ausgerechnet den Spielbudenplatz im hoch-politisierten St. Pauli zu einem solchen Gebiet zu erklären, mitten hinein in die links-alternative Szene. Dorthin, wo 2013 gegen den Abriss der Esso-Hochhäuser protestiert wurde.

Wie also kommt es zur guten Stimmung von Sharon? Was sieht sie, was andere nicht sehen? In Bergedorf, am Neuen Wall oder am Steindamm gehe es um mehr Politessen und Pflanzkübel, erklärt die Quartiersmanagerin. In ihrem Distrikt, zwischen Partypöbel und Bewohnern, Eventkultur und Alltag dagegen um atmosphärische Maßnahmen, um etwas also, was nicht sofort sichtbar sei. 

"Wir sind die Ausnahme", sagt Starons Auftraggeber Andreas Pfadt beim Gespräch im St. Pauli Museum, während die Davidstraße darunter vier Tage vor dem Wochenende seelenruhig den Nachbarn gehört.

Fast zwei Millionen Euro investiert der "treuhänderische Träger öffentlicher Belange auf privatrechtlicher Vertragsbasis" auf fünf Jahre verteilt in die "Aufwertung des weltweit bekannten Vergnügungsstandortes Sankt Pauli", wie die BID-Seite verkündet. Da sie sich der Brisanz solcher Vokabeln bewusst sind, bevorzugen die zwei Quartiersmanager ebenso wie ihr Geldgeber Pfadt allerdings: Beseitigung von Missständen.