Vor der Abschiebung dürfen die Kinder noch einmal schaukeln. Auf der eingezäunten Fläche zwischen Parkplatz und Containerkomplex hat die Hamburger Ausländerbehörde einen Spielplatz und Parkbänke errichtet. Bis zum Einschluss abends um zehn können die Insassen dort den Flugzeugen beim Starten zusehen und die Erkenntnis sacken lassen: Wer hierher gebracht wurde, wird Deutschland verlassen.

Anfang des Jahres hatte Hamburg mit dem Bau des bundesweit ersten Abschiebegewahrsams begonnen, nun ist die Einrichtung betriebsbereit. Damit setzt die Stadt als erstes Bundesland das verschärfte Asylgesetz um, das die Bundesregierung vor einem Jahr beschlossen hatte. Dieses gibt den Behörden die Möglichkeit, abgelehnte Asylbewerber, die sich gegen die Abschiebung sperren, bis zu vier Tage festzusetzen.

Versteckt in einem Waldstück zwischen Einflugschneise und Einfamilienhaussiedlung stehen die Container. Oben ist das Büro, unten rechts der Trakt für die Männer, links der für Frauen. Die Stadt hat das Gelände für fünf Jahre gepachtet. Es gehört zum Sportplatz des Flughafens – kein Hochsicherheitsbereich, aber eben abgesperrt. Unangemeldet kommt hier niemand rein und raus auch nur begrenzt: "Von hier aus gibt es nur noch einen Weg", sagt der Staatsrat der Innenbehörde, Bernd Krösser. "Den zum Flughafen."

Zusammen mit der Ausländerbehörde hat Krösser zum Ortstermin geladen. Die Öffentlichkeit soll sehen: Ja, Hamburg schiebt ab. Aber auf die sanfte Art. Und: Nur die hartnäckigen Verweigerer werden hier landen. Der Gewahrsam ist laut Krösser nur für Menschen, die ihrer "gesetzlichen Pflicht zur Ausreise nicht freiwillig nachkommen, nachdem sie mehrmals darauf hingewiesen worden sind."

Unterhaltungsprogramm vor der Abschiebung

Die Decken in den Unterkünften sind niedrig, die Flure eng und die Wände riechen noch nach Farbe. 20 Einzelzimmer gibt es, fünf davon sind für abgeschobene Asylbewerber aus Schleswig-Holstein reserviert. Jedes Zimmer erstreckt sich auf 14,5 Quadratmeter, hat ein kleines Bad und ist von innen abschließbar. Die Holzbetten sind bereits mit bunter Bettwäsche bezogen, auch ein Handtuch liegt bereit. Es gibt WLAN und einen Fernseher. "Die haben alle Programme", sagt die Leiterin der Ausländerbehörde, Annette Hitpaß, und lächelt vorsichtig. "Auch arabische."

Die Kleinen sollen sich ablenken, die Großen sich abregen können, das ist die Idee. Der Abschiebegewahrsam soll einen Puffer schaffen. Zwischen dem Moment, in dem die Polizei an der Wohnungstür unerwartet klingelt und den Abschiebebescheid vollstreckt und dem Moment, in dem das Flugzeug tatsächlich abhebt. In das Herkunftsland oder den EU-Staat, über den die Einreise nach Deutschland einst erfolgte.

Bisher harren die Betroffenen manchmal tagelang am Flughafenterminal aus. Nun haben sie bis zu vier Tage im Gewahrsam. Sie können noch einmal mit ihrem Anwalt sprechen, sich von Bekannten verabschieden, zum letzten Mal Besuch empfangen. Und sich mit der Abschiebung abfinden?